Friday, October 28, 2011

Autumn light

Nach 12 Jahren der Schriftstellerei beginne ich das Spiel zu verstehen.
Das Spiel mit dem selbstquälerischen Druck, dem Schaffen am Limit, dem Leben am Limit.
Jedes Buch kostet ein paar Kilos, Falten, graue Haare, jedes Buch macht einen um Grenzerfahrungen reicher, und ich bewundere die Leute, die das Schreiben diszipliniert als Job erledigen.
Meine Überarbeitung ist nun auch fertig (Kilos, Falten, siehe oben), und statt auszuruhen, rödelt der Geist gleich weiter, als wüsste er, daß Lebenszeit begrenzt ist.
Statt Urlaub sitzt eine neue Idee im Kopf und hält mich vom Durchatmen ab. Das Leben tut es sowieso - neue Arbeit suchen, neue Wohnung suchen, Existenzangst und Angst vor dem einsamen Winter niederkämpfen ... Schreiben ist eine feine Droge, und total legal.








Einen Tag hab ich mir trotzdem abgeknapst, und wir sind nach Reykjanes gefahren - jene Halbinsel, wo es überall qualmt und raucht, und wo Island still und einsam und wunderschön ist.









Schutzengel begleiten uns, wenn wir nur die Augen aufmachen.










In Grindavík gibts nicht nur atemberaubend schöne Fischernetze zu sehen sondern auch die beste Hummersuppe der Welt - im Kaffihús Bryggjan am Hafen, nette Bedienung und Kaffee inclusive, alte Fotos an der Wand, Schifffahrtsutensilien an der Decke und einem hochinteressanten Bücherregal.















Wovon man immer nur in der Zeitung liest: Reykjanesvirkjun, das Energiekraftwerk am südlichsten Zipfel von Island, da wo unsere kleine Welt zuende ist, stellt sich als einer der schönsten Flecken Erde heraus. Blitzende Aluminiumrohre liegen in schwarze, dröhnende Erde gebettet und werden von dem Dampf der heißen Seen gestreichelt. Dahinter der Leuchtturm, der den Weg zu Valahnjúkur weist, dem Land's End der Wikingerinsel.




Ein kleines Avalon.







Avalon ist gut für die Seele. Avalon kann zaubern.















Tuesday, October 18, 2011

Das Fenster zum Wahnsinn

... ist ganz leicht zu öffnen.
Man muss sich nur einen neuen Computer kaufen müssen.

Jahrelang war ich verwöhnt vom besten Computerfachmann der Welt, der konnte zwar das Chaos aus meinem Leben nicht fernhalten, aber das von meinen Computern durchaus - PC-Probleme kenne ich nicht.

Willkommen in der Wirklichkeit.

°!°







Ich erinnerte mich an alles was ich in den sorglosen Jahren gelernt hatte und informierte mich über Modelle und Gimmicks und Gedöns und scheiterte dann an spiegelnden Monitoren, die offenbar jeder heutzutage erträgt, weil games wichtiger sind als alles andere. Die Verwirrung schickt einen am Ende dann doch ins Fachgeschäft.

Trotz guter Beratung ärgere ich mich nun herum mit Verselbstständigungen, Blockadetechniken und Behinderungen des neuen Betriebssystems der Firma Mikroweich, die vielleicht so heißt weil sie einen weichklopfen, mürbe machen will.

Am Ende landet man dann doch bei Apfel (was man sich erst leisten kann wenn man erfolgreich ist oder sich dafür hält) und ärgert sich über ähnliche Probleme, nur in edel.


Sich selbst installierender Vollbildmodus, innerhalb von 2 Tagen träge werdende Leistung, weil sich Speicher mit etwas füllen was man gar nicht haben will (man die Speicher aber nicht findet), sich selbst installierende Schreibprogramme, die das eigene Programm erst behindern, dann verhindern, Sicherungen, die keine sind und daher Daten verschlucken und die Arbeit von Tagen im Nichts verschwinden lassen - und der neuste Gag: die Seite baut sich nur auf, wenn man den Cursor bewegt.

Vielleicht das gräßlichste Bild: der von MS ferngesteuerte Benutzer, der das Internet nur bedienen kann, wenn er sich wie eine Marionette bewegt.

°!°


Das Ergebnis: statt zu arbeiten (ich bin unter anderem wegen diesem Laptop-Mist sehr im Verzug) durchforstet man Internetforen und Fachzeitungsartikel nach Lösungen für Probleme, die man nicht selbst verursacht hat und deren Hintergrund man nicht mal versteht, sich also erst anlesen muss.


Windows 7 - das Fenster zum Wahnsinn. Ich sehe wie Kaiser Nero lodernde Flammen vor mir, wo ich dieses Scheißteil hineinwerfen möchte.












Der Berg an Arbeit sieht ungefähr so aus:











Und man wünscht sich eine Fee.

Ich will gar nichts von ihr, ich bin nur entsetzlich urlaubsreif und würde mir wünschen, daß ihr etwas einfällt.











Aber Feen gibts ja nicht.

Urlaub leider auch nicht.

Wednesday, October 5, 2011

BerlinBerlin

Es war kalt in Island geworden.
Regennasser Wind durchfährt die Weite, und auch mein Leben, hat Arbeit und demnächst auch Wohnung hinweggewirbelt. Unwillkürlich kommt einem Rilkes Herbstgedicht in den Kopf:

"Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben"





Steht man am Nullpunkt, ist es am besten, eine Reise zu machen. Die kleine Hexe, die alleine auf der Weide fror, geht nun wieder zur Schule, und ich - ich bin halt mal nach Deutschland geflogen, zum Lektorat mit noch viel Arbeit, Sinnsuche, Ideensuche und was man sonst noch in 2 Wochen so erledigen kann.
Die erste Station war Berlin, mit einer wundervollen Ferienwohnung im Altbau ... ein kleines Refugium, denn die Megalopolis Berlin macht einen Wahlwikinger ja völlig fertig ;-)







Der Versuch, meinen Verlag mit der U-Bahn zu erreichen, endete für horrendes Geld im Taxi. Der Versuch, danach schön touristisch Unter den Linden und durchs Brandenburger Tor zu bummeln, endete in Verwirrung irgendwo keine Ahnung, aber dann war da ein Fluß und ein Dom und ein Schiff und ich hab mich diesen beiden Skippern anvertraut.






Die MS Franziska weckte Kindheitserinnerungen an die gleichnamige TV-Serie (damals wollte ich noch Rheinschiffer werden) und es hat richtig Spaß gemacht, sich zu den ironischen Bemerkungen des Sprechers Berlin, OstWest-Geschichte und deutsche Großmannssucht, Gigantomanie und Steuergeldverschwendung vom sicheren Wasser aus anzuschauen.
Habe ich jemals soviele Überwachungskameras gesehen???





Auf dem Heimweg tauchten immer wieder schräge Ansichten auf ... oder hab nur ich eine schräge Ansicht??








Dieser Laden hatte leider schon zu. Ob wir was gefunden hätten?









Den Abend ließen dann der Wahlwikinger und ein Wunschwahlwikinger ;-) bei südamerikanischen Tapas und Guavensaft DRAUSSEN ausklingen.






Sinn und Ideen werden weiterhin gesucht, aber wie sagt der Saarländer *zwinker* so schön:

Hauptsach, gudd gess.