Saturday, September 10, 2011

Northern lights

Es ist fertig.
Es ist weg und ich bin völlig ausgebrannt.
Und wie jedesmal danach findet man keine Ruhe, tigert rum, kann die Gedanken nicht anhalten, nicht entspannen, nicht durchatmen, nicht abschließen. In den die letzten drei Tage vor Abgabe waren meine einzigen Begleiter Kaffee und Knäckebrot, ich bin nicht mal mehr zu den Pferden gegangen.
Das letzte Kapitel schreiben, den letzten Satz schreiben, das ist die größte Herausforderung an einen Schreiber, weil er wie bei der Akupunktur auf das dae chi wartet - jenen erlösenden Schmerz, wenn die Nadel trifft.
Der letzte Satz kann einen umbringen, wenn er kein dae chi gibt.
Ich hatte eins.







Jetzt ist der Schreibtisch leer. Die Küche aufgeräumt. Warme Erinnerung an einen völlig unerwartet aufgetauchten Schokoladenkuchen mit Sahne.

Das Herz hängt immer noch in der Eisenfaust, die manchmal zudrückt. Vielleicht weil der Druck nie aufhört, weil man sich nie fallenlassen kann.
Oder weil neuer Druck dazugekommen ist - einen Tag nach Buchabgabe per Zufall zu erfahren, daß man seinen Job wohl verloren hat und sich nun, nach Ende der Touristensaison, was neues suchen muss, sorgt auch nicht gerade für Durchatmen.
Inzwischen hat man ja aber seine Lektion gelernt: verlasse dich niemals auf Isländer, oder du bist verlassen. Sie sind so unzuverlässig wie das Wetter und gerne auch mal so interessiert wie das Gras im Wind.
Island lehrt einen halt vorwärtsschauen und Pläne schmieden - nicht für nächstes Jahr, sondern anders. Und so hab ich heute auf dem Nachbarhof den ganzen Tag Rabarber geschnitten und schon wieder ein bis zwei Ideen, wie es weitergehen könnte.














Diese Nacht sprüht nur so vor Nordlichtern - hier gabs auch welche und du weißt wieder, warum du hier bist. Da der Vollmond wie eine dicke weiße Laterne am Himmel hängt und sich aufdringlich in die Kamera nervt, sind die Lichter nur schwach zu sehen.

Aber wenn man ihm dann Aufmerksamkeit widmet, schlägt er für einen Purzelbäume.











Ich danke allen, die mir in den letzten zwei Wochen Mut gemacht haben.
Das habe ich mehr gebraucht als je zuvor.

Und nun ... nach dem Buch ist vor dem Buch. :-)