Zieht man das Register der Waldflöte, tanzen alle Tasten des Manuals nach ihrer Melodie - ein schönes Bild auch im übertragenen Sinne ... denn in der Seele sitzt auch ein Register.

Zuzana Ferjencikova, die junge Stiftsorganistin der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien gab in unserer Kathedrale ein Konzert, welches die Bilder von dicken alten Männern verblassen ließ, die sich während Gottesdiensten an Kirchenorgeln unter großer Lärmentfaltung langweilen (der selige Herr Heinrichs möge mir verzeihen). Zuzana hauchte dem unförmigen Koloß Leben ein und ließ es singen, lachen, weinen, nachdenklich sein.
Da war alles - Gewalt - Farbe - Poesie - und selbst Stille in ihrer Musik.
Der Klang der Stille umhüllte die Gänsehaut mit Balsam, auf daß man sich erinnere.
Offenbar hat sie genau die richtigen Register gezogen, denn in der Stunde ihres Konzertes entstand in meinem Kopf die Idee für mein nächstes Buch. Dafür bin ich ihr - und der Orgel - sehr dankbar.
Meine Fähigkeiten, den Alltag zu bewältigen, bewegen sich irgendwo am Nullpunkt, geistige Erschöpfung kongruiert mit körperlicher Rastlosigkeit, ich arbeite wie ein Bordercollie und werde trotzdem nicht müde, es sind noch 7 Wochen bis zur Manuskriptabgabe und ich finde einfach keine Ruhe zum Schreiben. Wie immer wird es trotzdem gehen, und wie immer zu einem hohen Preis.
Das Pferdeding hängt am Nagel. Zaum und Sattel sind im Kleiderschrank schlafen gegangen(endlich hat der zweite Kleiderschrank im Schlafzimmer Inhalt *g*). Die Unfähigkeit, gleich zwei rennende Pferde hintereinander nicht anhalten zu können, war eine echte Niederlage und ist nicht nur mangelnde Körperkraft und mangelnder Mut, Körperkraft einzusetzen, gewesen. Mir fehlt die Erfahrung und ich hab kaum Möglichkeit, welche zu sammeln.
Das Problem sitzt halt stets im Sattel - wenn das Pferd uns nicht versteht, haben wir uns falsch ausgedrückt.
Mit der Stute spazierengehen ist zu gefährlich - überall sind im Sommer Reiter mit Handpferden und freilaufenden Pferden unterwegs, und wenn sie sich losreißt um hinterher zu laufen, kann ich sie nicht halten. Wir sind in unserem Dorf eingesperrt und damit will ich sie nicht langweilen. Nun hat sie halt Eisen und steht doch auf der Wiese rum.
Ich verbringe Stunden damit, Wiesen und Paddocks abzumisten, um meinen Geist zu strukturieren und zur Ruhe zu kommen. 8 freundliche Pferde folgen mir dabei auf Schritt und Tritt und diskutieren über elementare Dinge wie ob eine Schubkarre besser umfällt wenn sie voll ist, oder daß man mal wieder eine Kraulpause einlegen sollte. Auf diesem Niveau kann ich mitreden ;-)
Meine kleine Waldflöte schafft es jeden Tag aufs Neue, der nicht enden wollenden Abenddämmerung Klänge zu entlocken.



Liebe Kata,
ReplyDeleteVielen Dank für diesen poetischen Post! Ich habe einige Ziet Orgel gespielt und es geliebt, wenn aus dem großen Kirchenraum die Töne zu mir zurücktgekommen sind, vorzugsweise am Abend ohne Zuhörer! Welcher Genuß. Diese riesige Orgel in Reykjavik hab ich auch schon gesehen, leider nicht gehört und kann mir gut vorstellen, wie schön es sein muss, ihrer von kundiger Hand entlockten Tönen zu lauschen.
Vorige Woche fand ich mich das erste Mal für eine Stunde auf einem Pferderücken wieder, in Irland. Im Schritt über den Strand und die Dünen, dankbar, dass es so gutmütige Pferde gibt, die das bereit sind auszuhalten mit absoluten Greenhorns auf dem Rücken gute Figur zu machen ;-)
Termindruck ist was nerviges, aber er hilft ja auch Kräfte zu mobilisieren. Zur Entspannung in eine heiße Quelle hüpfen? Was beneide ich euch dafür!!!!
Liebe sommerliche Grüße in die hellen Sommernächte
Elisabeth
Elisabeth
liebe dagmar
ReplyDeleteauch ich muss dir wieder mal dank aussprechen für deine genialen seiten,die ich so liebe zu lesen!!!
warum schreibst du nicht einfach ein buch über die sachen die dir so begegnen und in den sinn kommen? so abgewandelt auf eine fiktive person, das wäre bestimmt ein knaller!! denn dann hast du alles vereint:
lachen,,innehalten ,trauern,weinen und doch fesselnd.
ich kann deine geschichten förmlich spüren,vom haaransatz bis zu den zehenspitzen!!! vom herzklopfen bis zur gänsehaut!!
bitte mach weiter so und ich freu mich schon auf dein nächstes buch!!!!!
sommerliche grüsse aus bayern, jutta