Wednesday, July 6, 2011

Landsmót - auf und davon

Für alle Leser, die unsere Sattelsuche verfolgt haben, sei die Geschichte hier zuende gebracht.
Der halb unfreiwillig aufs Auge gedrückt bekommene Sattel stellte sich als Knaller heraus - nicht nur passste er dem Pferd und meinem nicht gerade ausladend gepolsterten Hintern - er entpuppte sich auch als Lebensversicherung in Extremsituation.






Und das alles an einem Testwochenende. Der Proberitt zuhause war nur eine Erstbesteigung - bis dato hatte ich das Pferd nie erklommen, es ist an der Hand noch nicht sicher, also nicht reitbar. Wir beließen es daher bei ein paar Runden - immerhin.
Mir wurde dann zu meiner größten Überraschung im Dorf ein Ritt angeboten, das erste Mal seit ich hier lebe. Überglücklich und frei von jedem Zweifel holte ich den Probesattel, und wir ritten los, der Sonne entgegen. Im nächsten Dorf hatte das geliehene, altgediente Ross genug von meinem freundlichen deutschen Getue (oder eben nichtGetue) und ging durch, ärgerlich und unhaltbar bis zum Kuhstall, ohne jede Gesprächsbereitschaft. Nach einem Pferdetausch war ich immer noch guter Dinge, wir reisten zwar weiterhin äußerst flott und vor den anderen, was lustig war, wir konnten aber manierlich anhalten, wenn mir danach war. Das hörte auf dem Heimweg dann schlagartig auf - das recht betagte und freundliche Kinderpferd kuppelte Gangart und Tempo ein und war von seinen Plänen nicht mehr abzuhalten, im vollen Galopp etwa 2 km bis zum Ende der Heuwiese, ohne jede Gesprächsbereitschaft. Dort hielt es vor dem Zaun an, fragte, ob alle Passagiere noch da und okay seien, und schnaufte nur ein kleines bisschen. Es kostete mich einigen Mut, nach ein paar Metern zu Fuß wieder aufzusteigen und zur Weggabelung zurückzureiten, um meinen vor der Heuwiese wartenden und ziemlich besorgten Gefährten zu beruhigen.
Mut nicht etwa aus Angst - der Probesattel hatte sich als Glücksgriff herausgestellt, er hielt einen sicher und fest wie kein Sattel in dem ich zuvor geritten bin. Interessanterweise wurde er von jemandem designt, der vor seiner Reitkarriere als Unterhosenmodel gearbeitet hat. Zufall? ;-)
Mut deshalb, weil es schon ungewöhnlich ist daß einem zwei Pferde nacheinander durchgehen, die als sicher qualifiziert werden.
Zeit, die eigenen Fähigkeiten in Frage zu stellen - alles was man je am Pferd getan und gelernt hat, in Frage zu stellen.
Heute abend riß sich dann die zukünftige Sattelträgerin vom Halfter los, als eine Horde Reiter ins Dorf preschte, danach weigerte sie sich an der Hand, das Dorf zu verlassen.
Mochte es nun an meiner arbeitsbedingen Erschöpfung liegen, oder am fröhlichen Wetter - da war es dann auch Zeit, alles andere rund ums Pferd in Frage zu stellen - all meine Ideen, mein Talent, meine Mühe.

Vielleicht gehöre ich einfach nicht aufs Pferd und mein Traum soll als Fata Morgana in eine Staubwolke gehüllt bleiben. Der Sattel liegt wohlverwahrt im Kleiderschrank und wartet auf meine Schwester, die - anders als ich - ihn zu benutzen weiß.









Vielleicht braucht man einfach nur ein Kuscheltier und das genügt. Kuscheltier finden sie ja alle toll.
Mein faible galt immer schon den eher Ungewöhnlichen und denen, die keiner mehr will.
Dieser Bär trug sein Loch im Kopf jedenfalls mit Stolz und das gefiel mir sehr.








Der Tag endete nicht mit dem davongelaufenen Pferd, sondern mit einem Fohlen, welches die letzte Nacht nur überlebt hat, weil sein Besitzer ihm stündlich die Flasche gab. 'Schau her,' sagte es, als es vor mir stand, mit entsetzlich krummen Beinen, aber sehr erhabener Haltung und mein Gesicht sehr ernsthaft beroch. "Schau her, was alles geht."

Genau. Der Regenbogen am Gullfoss, der mir und meinen zwei Musikerinnen aus Wien am Spätnachmittag geschenkt wurde, unterstrich das nur.

Was auch immer - aber was alles geht!







1 comments:

  1. Der Bericht liest sich wie ein Krimi -> Spannend! Tja, wenn 1 PS mal richtig Gas gibt.....
    ;-)
    In den vorhergehenden Berichten lese ich bestimmt auch. Bin schon seit langem neugierig auf Island.
    Liebe Grüße aus Thüringen
    Sabine

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