Tuesday, July 26, 2011

Hressandi - erquickend

Der isländische Sommer ist kurz und heftig, wie eine flammende Liebe.
Es ist mein zweiter Sommer hier und wieder scheine ich der einzige Idiot zu sein, der wie ein Gestörter unter enormem Zeitdruck an gleich zwei Vollzeitprojekten arbeitet, wo alle anderen Reittouren planen, unternehmen, zurückkehren, auf neue Touren gehen, in Urlaub fahren ...
Die Liebe zieht an mir vorbei, verbrennt meine Hände und ich kann ihr nur hinterherschauen, weil mein Schreibtisch die Peitsche schwingt und mich zurückreißt.
Gegen die zunehmende Erschöpfung half Besuch - meine Schwester verbrachte unseren gemeinsamen Geburtstag hier und ich hab mir eine Woche für uns gestohlen, wo keine ist. Ein Teil der Bilder hier stammt aus ihrer Kamera.





Gut, findet der Páll. Gut so.










Die kleine Hexe genoß die Sonne - wir werden ohnehin für alles was wir tun, ausgelacht oder kriegen den Vogel gezeigt, da kann man auch wie ein Clown aussehen, das macht keinen Unterschied. Vermutlich hat sie auch eine deutsche Seele, die zu gerne lacht :-)










Auf dem Programm steht vor allem Essen, es kamen Freunde zu Besuch, ich packte mein isländisch aus, wo es nötig war - und am Abend meines Geburtstages war genug Mut vorhanden, meine kleine Hexe zu satteln und im Schritt einmal ums Dorf zu reiten.


Da Einheimische in der Regel auf dem Pferderücken geboren werden (*scherz*), macht es ihnen Probleme zu verstehen, daß ältere Damen wie ich das Reiten durch zweimal im Monat auf einem Pferd sitzen nicht erlernen können.


Ein Jungpferd zu erklimmen ist natürlich reichlich verrückt - aber wenn man irgendwo verrückte Dinge tun kann, dann hier. Anders gesagt ich habe nur ein Jungpferd zum üben, was bleibt mir anderes übrig, als es zu erklimmen und das Reiten mit ihm zu erlernen, Gefahr hin oder her.


Sei's drum.








Durch Wasserfälle steigen und bei 8 Grad barfuß durch die Flüsse im Gjáin-Tal laufen hat genau den richtigen Grad an erquickender Verrücktheit, die dich vor dem Wahnsinn rettet und hilft, die nächsten 5 Wochen zu überleben, in denen ich unbezahlten Urlaub nehmen und mich einschließen muss, mindestens 5 weitere Kilo verlieren und mein Buch fertigstellen werde.


Sei's drum.









Saturday, July 16, 2011

Hátid - Hoch-zeit

Eine Woche voller Extreme.
Extrem viel Arbeit - langsam extrem werdende Zahnschmerzen (und keine Zeit zum Zahnarzt zu gehen, noch hilft Ibufen), extrem unzuverlässiger Laptop (ein Beinaheabsturz, Gerät ist angezählt, was wirklich super ist, nur wenige Wochen vor der Buchabgabe), neuerdings extrem müde -
Und extrem gutes Wetter.
An diesem Wochenende sitzt wohl jeder auf dem Pferd, so kam es mir vor, als ich vorhin nach Hause fuhr. Bei 20 Grad knallt die Sonne vom Himmel, ein lauer Wind umschmeichelt das Gesicht - ich wünsche allen Reitern den Ritt ihres Lebens und frischen Wind in der Seele!

Ach so - natürlich extrem viele Leute zum bedienen, morgen ist das alljährliche Patronats- und Kathedralenfest inmitten der Sommerkonzertzeit. Unter anderem war der Präsident Islands unser Gast, und seine Vorgängerin Vigdís ebenfalls. Ich mag das, wenn Präsidenten einfach vorbeikommen, Kjötsúpa essen und nachher ihren Teller wegbringen, was die meisten deutschen Touristen nicht schaffen.

Man kommt nach Hause und genießt die Stille ...





Extrem amüsant war ein Ereignis in Thingvellir, wo ein deutsches Paar sich trauen ließ. Mein alter Bekannter, der Landrat von Selfoss, wo ich wegen meiner Autoverzollung hingeschickt worden war und der sich als nicht-zuständig, aber umso freundlicher herausgestellt hatte, war in vollem Ornat angereist, traute das Paar und die Formalien wurden bei Wolkenbruch isländisch-unkonventionell im Auto erledigt. Auch sowas mag ich.








Und wieder rührte das weiße Kleid und Erinnerungen an die eigene Hochzeit so manches von isländischen Eindrücken ermüdete Gesicht auf unserem Weg in den Dampf von Geysir, Glückwünsche kamen von Herzen, Lächeln in Mienen, denen das Lächeln gut tat ...

Ich wiederhole mich gerne: es sollten mehr Bräute durch unser Leben laufen :-)


Euch beiden alles Gute und ein gemeinsames Leben voller Spaß,und wo der Spaß (leider macnhmal) aufhört, immer noch genug Humor für den Rest. :-)







Sunday, July 10, 2011

The sounds of silence

"Alle Register ziehen" hat ein Kleid bekommen und ist zum Leben erwacht. Die Register sind die Farben, die aus einer Melodie Musik machen - und die das Herz zum Schlagen bringen, wenn man zum ersten Mal Orgelmusik wirklich hört.
Zieht man das Register der Waldflöte, tanzen alle Tasten des Manuals nach ihrer Melodie - ein schönes Bild auch im übertragenen Sinne ... denn in der Seele sitzt auch ein Register.




Zuzana Ferjencikova, die junge Stiftsorganistin der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien gab in unserer Kathedrale ein Konzert, welches die Bilder von dicken alten Männern verblassen ließ, die sich während Gottesdiensten an Kirchenorgeln unter großer Lärmentfaltung langweilen (der selige Herr Heinrichs möge mir verzeihen). Zuzana hauchte dem unförmigen Koloß Leben ein und ließ es singen, lachen, weinen, nachdenklich sein.

Da war alles - Gewalt - Farbe - Poesie - und selbst Stille in ihrer Musik.
Der Klang der Stille umhüllte die Gänsehaut mit Balsam, auf daß man sich erinnere.





(Zuzana an der Orgel der Hallgrímskirkja in Reykjavík, wo heute ihr letztes Konzert stattfindet)


Offenbar hat sie genau die richtigen Register gezogen, denn in der Stunde ihres Konzertes entstand in meinem Kopf die Idee für mein nächstes Buch. Dafür bin ich ihr - und der Orgel - sehr dankbar.


Meine Fähigkeiten, den Alltag zu bewältigen, bewegen sich irgendwo am Nullpunkt, geistige Erschöpfung kongruiert mit körperlicher Rastlosigkeit, ich arbeite wie ein Bordercollie und werde trotzdem nicht müde, es sind noch 7 Wochen bis zur Manuskriptabgabe und ich finde einfach keine Ruhe zum Schreiben. Wie immer wird es trotzdem gehen, und wie immer zu einem hohen Preis.


Das Pferdeding hängt am Nagel. Zaum und Sattel sind im Kleiderschrank schlafen gegangen(endlich hat der zweite Kleiderschrank im Schlafzimmer Inhalt *g*). Die Unfähigkeit, gleich zwei rennende Pferde hintereinander nicht anhalten zu können, war eine echte Niederlage und ist nicht nur mangelnde Körperkraft und mangelnder Mut, Körperkraft einzusetzen, gewesen. Mir fehlt die Erfahrung und ich hab kaum Möglichkeit, welche zu sammeln.

Das Problem sitzt halt stets im Sattel - wenn das Pferd uns nicht versteht, haben wir uns falsch ausgedrückt.


Mit der Stute spazierengehen ist zu gefährlich - überall sind im Sommer Reiter mit Handpferden und freilaufenden Pferden unterwegs, und wenn sie sich losreißt um hinterher zu laufen, kann ich sie nicht halten. Wir sind in unserem Dorf eingesperrt und damit will ich sie nicht langweilen. Nun hat sie halt Eisen und steht doch auf der Wiese rum.


Ich verbringe Stunden damit, Wiesen und Paddocks abzumisten, um meinen Geist zu strukturieren und zur Ruhe zu kommen. 8 freundliche Pferde folgen mir dabei auf Schritt und Tritt und diskutieren über elementare Dinge wie ob eine Schubkarre besser umfällt wenn sie voll ist, oder daß man mal wieder eine Kraulpause einlegen sollte. Auf diesem Niveau kann ich mitreden ;-)


Meine kleine Waldflöte schafft es jeden Tag aufs Neue, der nicht enden wollenden Abenddämmerung Klänge zu entlocken.






Möge jeder von uns eine Waldflöte in sich tragen.

Wenn man drauf achtet, zum richtigen Moment das richtige Register zu ziehen, ist das Leben gar nicht so übel :-)

Wednesday, July 6, 2011

Landsmót - auf und davon

Für alle Leser, die unsere Sattelsuche verfolgt haben, sei die Geschichte hier zuende gebracht.
Der halb unfreiwillig aufs Auge gedrückt bekommene Sattel stellte sich als Knaller heraus - nicht nur passste er dem Pferd und meinem nicht gerade ausladend gepolsterten Hintern - er entpuppte sich auch als Lebensversicherung in Extremsituation.






Und das alles an einem Testwochenende. Der Proberitt zuhause war nur eine Erstbesteigung - bis dato hatte ich das Pferd nie erklommen, es ist an der Hand noch nicht sicher, also nicht reitbar. Wir beließen es daher bei ein paar Runden - immerhin.
Mir wurde dann zu meiner größten Überraschung im Dorf ein Ritt angeboten, das erste Mal seit ich hier lebe. Überglücklich und frei von jedem Zweifel holte ich den Probesattel, und wir ritten los, der Sonne entgegen. Im nächsten Dorf hatte das geliehene, altgediente Ross genug von meinem freundlichen deutschen Getue (oder eben nichtGetue) und ging durch, ärgerlich und unhaltbar bis zum Kuhstall, ohne jede Gesprächsbereitschaft. Nach einem Pferdetausch war ich immer noch guter Dinge, wir reisten zwar weiterhin äußerst flott und vor den anderen, was lustig war, wir konnten aber manierlich anhalten, wenn mir danach war. Das hörte auf dem Heimweg dann schlagartig auf - das recht betagte und freundliche Kinderpferd kuppelte Gangart und Tempo ein und war von seinen Plänen nicht mehr abzuhalten, im vollen Galopp etwa 2 km bis zum Ende der Heuwiese, ohne jede Gesprächsbereitschaft. Dort hielt es vor dem Zaun an, fragte, ob alle Passagiere noch da und okay seien, und schnaufte nur ein kleines bisschen. Es kostete mich einigen Mut, nach ein paar Metern zu Fuß wieder aufzusteigen und zur Weggabelung zurückzureiten, um meinen vor der Heuwiese wartenden und ziemlich besorgten Gefährten zu beruhigen.
Mut nicht etwa aus Angst - der Probesattel hatte sich als Glücksgriff herausgestellt, er hielt einen sicher und fest wie kein Sattel in dem ich zuvor geritten bin. Interessanterweise wurde er von jemandem designt, der vor seiner Reitkarriere als Unterhosenmodel gearbeitet hat. Zufall? ;-)
Mut deshalb, weil es schon ungewöhnlich ist daß einem zwei Pferde nacheinander durchgehen, die als sicher qualifiziert werden.
Zeit, die eigenen Fähigkeiten in Frage zu stellen - alles was man je am Pferd getan und gelernt hat, in Frage zu stellen.
Heute abend riß sich dann die zukünftige Sattelträgerin vom Halfter los, als eine Horde Reiter ins Dorf preschte, danach weigerte sie sich an der Hand, das Dorf zu verlassen.
Mochte es nun an meiner arbeitsbedingen Erschöpfung liegen, oder am fröhlichen Wetter - da war es dann auch Zeit, alles andere rund ums Pferd in Frage zu stellen - all meine Ideen, mein Talent, meine Mühe.

Vielleicht gehöre ich einfach nicht aufs Pferd und mein Traum soll als Fata Morgana in eine Staubwolke gehüllt bleiben. Der Sattel liegt wohlverwahrt im Kleiderschrank und wartet auf meine Schwester, die - anders als ich - ihn zu benutzen weiß.









Vielleicht braucht man einfach nur ein Kuscheltier und das genügt. Kuscheltier finden sie ja alle toll.
Mein faible galt immer schon den eher Ungewöhnlichen und denen, die keiner mehr will.
Dieser Bär trug sein Loch im Kopf jedenfalls mit Stolz und das gefiel mir sehr.








Der Tag endete nicht mit dem davongelaufenen Pferd, sondern mit einem Fohlen, welches die letzte Nacht nur überlebt hat, weil sein Besitzer ihm stündlich die Flasche gab. 'Schau her,' sagte es, als es vor mir stand, mit entsetzlich krummen Beinen, aber sehr erhabener Haltung und mein Gesicht sehr ernsthaft beroch. "Schau her, was alles geht."

Genau. Der Regenbogen am Gullfoss, der mir und meinen zwei Musikerinnen aus Wien am Spätnachmittag geschenkt wurde, unterstrich das nur.

Was auch immer - aber was alles geht!







Saturday, July 2, 2011

Landsmót - daheim und unterwegs

Heute hab ich mein erstes isländisches Kaffihladbord hinter mich gebracht.
Das ist eine traditionelle Schlacht am Kuchenbuffett unter verschärften Bedingungen: 100 Mann in 60 Minuten, zwischen Vortrag und Konzertbeginn.
Tage zuvor wurden Unmengen an Kuchen gebacken, Wurst selbstgebraut, Brot hergestellt, am tag selber geschnitten, geschmiert, geordnet, arrangiert, der Saal vorbereitet - sie kamen, bezahlten alle auf einmal, türmten sich Kuchen auf die Teller, es war für eine Stunde lang ohrenbetäubend laut und proppenvoll, wobei gefühlte 80% der Menschen größer waren als ich - dann war der Spuk verschwunden und hinterließ Stille mit Krümeln.
Wir waren stolz auf uns und verraten natürlich niemandem, welch mächtigen Gehilfen wir in der Küche dieser christlichen Einrichtung heimlich beschäftigen ;-)





In den kurzen freien Minuten der letzten Tage bin ich im Internet nach Norden gereist - dort findet das diesjährige Landsmót Hestamanna statt - die größte Zuchtschau des Landes und ein Genperlenpool, weil man dort Pferde zu sehen bekommt, wie es sie auf dem Kontinent niemals geben wird (außer man kauft sie hier)
Die Islandpferdereitweise ist in den vergangenen Jahren unter extremen Beschuß gewesen, immer wieder viel Wollen und wenig Können war zu sehen, geknebelte Pferde, vor allem in Deutschland zu Sportbeamten geknechtete Pferde, die Dienst nach Vorschrift verrichteten und zum Teil wie lebende Tote um die Bahn rannten. Das ist nicht nur mir aufgefallen und hier in Island scheint sich das Blatt nun zu wenden. Bereits im Vorfeld verständigte man sich darauf, die Pferde wieder in der alten Tradition vorzustellen - ein freier Kopf statt Nase auf der Brust.
http://www.hestabladid.is/frett/64287/ Daß ein Erlingur Erlingsson vor internationalem Publikum vom Pferd gebockt wird und sein wütender Ténor frá Túnsbergi sich erst mal nicht mehr einfangen lässt, ist zwar schlecht für den Ruf des Hengstes, doch hat er damit nur seine Rollkurmethode auf die Spitze getrieben und demonstriert, was passiert wenn man ein kurzes Pferd mit Gewalt noch kürzer machen will. Für die eindrucksvolle Demonstration muss man ihm fast dankbar sei - Islandpferde sind eben keine Sportautomaten, auch wenn Reiter das immer noch glauben.

Die Videos, die Henning Draht von http://www.isibless.de/ dankenswerterweise ins Netz stellt, zeigen, daß man den Plan vom freien Kopf weitgehend in die Tat umsetzte und versucht, das unselige deutsche "in-Haltung-reiten" hinter sich zu lassen. Natürlich findet man weiter viel zu kritisieren - die Sattelung etwa ist und bleibt exotisch - man kann sich aber auch an den elastischen, eleganten und schönen Pferden einfach erfreuen: hier ab Minute 4.03 das am höchsten bewerteste Islandpferd der Welt, welches aus rasantem Tölt sauber in den Schritt durchparieren kann.
http://www.youtube.com/watch?v=Wd4LWfptj30
Und hier bildschöne fünfjährige Hengste:
http://www.youtube.com/watch?v=0yvktgrPHMY&feature=player_embedded#at=25

Ich hatte mein eigenes Landsmót zuhause - fast alle im Dorf waren ausgeflogen und es macht Spaß, mal wieder für etwas verantwortlich sein zu dürfen, in diesem Fall 20 Rösser. Niemand äppelt in Island Weiden ab - unsere liegt so nah am Haus, daß ich von Myriaden von Fliegen getrieben die Entscheidung traf, einen Anfang zu machen.






Und dann war da noch die Sache mit dem Sattel.


Wenn man in Deutschland einen Sattel kaufen will, ruft man einen Sattler an und stöbert gleichzeitig im Internet nach Marken und Passformen. Der Sattler kommt und passt einem das Teil an, und dann geht das Elend los. Nach 4 Monaten meldet sich das Pferd, weils zwickt oder es beginnt zu hinken, man ruft den Osteopathen, der sagt der Sattel passt nicht, also neuer Sattel oder neuer Sattler, oder beides oder der Hufschmied ist schuld, oder der Reitlehrer, oder das falsche Mineralfutter, oder Karenzzeiten, und es gibt Leute, die mehr Geld für Sättel und Krams ausgegeben haben als für ihr Pferd - ich eingeschlossen.


Mit diesem Wissen startete ich meine Suche. Bei 300.000 Einwohnern ist die Versorgung von Sätteln in allen Haushalten nicht so flächendeckend wie in Deutschland - viele bekommen einen Sattel etwa zur Konfirmation geschenkt und haben den halt. Der Sattel begleitet einen durchs Leben, die Pferde werden in der Regel mit ordentlich Rückenmuskulatur geliefert und haben allein schon jahreszeiten- und wetterbedingt genug Zeit, sich von Unpässlichkeiten selbst zu regenerieren. Der deutsche Osteopath August Hofmann fand auf seiner Behandlungsreise letztes Jahr nur wenig Pferde mit großen Befunden. Entspreches Kopfschütteln erntete ich auch mit meiner Sattel-Ratlosigkeit. Wieso, wo ist das Problem, kauf doch einfach einen. Passt scho.


Äh - ja.


Das Internet gab in Sachen Gebrauchte wenig her, egal wie ich in meinem Preissegment auch suchte(Luxusgüter kann man immer erwerben). Der Sattler hingegen hatte da was, doch Nr. 1 passte zwar meinem Hintern aber nicht dem Pferd.


"Er macht eine ... Brücke??" fragt er und schaut mich an wie ein Auto. Ich versuche den Sachverhalt zu erklären. Er schaut grimmig und nimmt mir den Sattel aus den Händen. Schweigt.


"Äh, hast du vielleicht noch was?" wage ich zu fragen, tapfer auf isländisch.


Er lädt mir das zweite Modell aus dem Hinterzimmer auf die Arme. "Den hier."


Ich sehe sofort, daß mein Hintern sich möglicherweise beschwert, und eng ist die Kammer auch ... aber bevor er mich rauswirft, unterschreibe ich den Leihschein und verlasse das Geschäft.


Die erste Sattelanprobe verlief dann, wie man es aus Deutschland kennt: Zehn Leute stehen drumherum und geben ihren Senf dazu:










In unserem Fall waren es Pferde, und sie hatten genausoviel anzumerken wie Zweibeiner, sie fragten und fanden und wackelten hier und zupften da, und die Ohren der kleinen Hexe drehten sich wie kleine Windräder von einem zum anderen, um ja alle Anmerkungen mitzubekommen. Morgen probieren wir das Ding aus und die Regeln gehen so: wenn ich was geändert haben will, muss ICH das dem Sattler sagen.


Island erzieht einen zur Selbstständigkeit, notgedrungen lässt man die Expertengläubigkeit hinter sich und formt den eigenen Blick. Wo mich das hinbringt, werden wir ja noch sehen ...