Sunday, March 27, 2011

Happy birthday Orri!

Er ist das berühmteste lebende Pferd Islands: Orri frá Þufu. 25 Jahre ist der Hengst nun alt – und noch kein bisschen müde. An diesem Samstagabend feierten seine Fans und Verehrer das schwarze Geburtstagskind in der Ölfushalle vor den Toren von Hveragerði. Bis auf den letzten Platz war die Halle besetzt, man weiß ja nie, wann man „konugurinn“ - den König - noch mal wiedersieht. Der jedoch erfreut sich bester Gesundheit, so als Hengst der Superlative: ein Decksprung kostet bis zu 500.000 isländische Kronen (ca. 3100 Euro), er hat inzwischen 60 Besitzer, ein Anteil kostet eine Million Kronen und der neuste Anteilseigner ist auch der erste Ausländer, nämlich ein Deutscher, der ungenannt bleiben möchte. Die beiden jungen Damen, die ihn eskortieren, reiten ihn täglich. Er macht den Eindruck eines äußerst zufriedenen, älteren Herrn. Die Feierstunde beginnt denn auch sympathisch mit standing ovations, einem dreifachen 'Hurra!' des Publikums und einer geschickt kurzen Rede, während Herr Orri dezent in die Runde gähnt. . . . . . . Der 19-jährige Ormur frá Dallandi begann den Reigen – und fast muss er als beste Darbietung gelten, denn er absolviert seine Runden flüssig in solide schönem Tölt und der inneren Ruhe eines guten Reitpferdes. Ihm folgten zwar nicht minder beeindruckende Pferde, die jedoch beinah ausnahmslos mit harter Hand und gegen den Zügel geritten wurden, um für die Show noch mehr Aktion und Wow!-Faktor herauszuholen. Nicht immer sah das schön aus. Für das europäische Auge wirkt die exaltierte Vorhandaktion etwa einer Reynd frá Holtsmúla sogar störend in der Harmonie. Sicher ist das Geschmackssache – die Isländer bejubelten ihre Pferde. Nörgelei über zu weit hinten liegende Sättel hat auf einer Veranstaltung wie dieser keinen Platz. . . Zur Feier des Tages gab es schicke Hüte und goldene Jacken. Auch Erlingur Erlingson zeigte sich heute salopp – mit einem Lederhut brachte er „andalusisches feeling“ in die Halle. Die Zuschauer fanden's toll. Schimmelhengst Ténor frá Túnsbergi hingegen schien es mit Andalusien nicht so zu haben, er wirkte gestresst, was möglicherweise an der knallharten Zügelhand liegen könnte. Aber der Lederhut war in der Tat echt schick. .


Pas de Deux der Meister. Präzise Choreografie, leider durchgehend harte Zügel. Das Publikum folgt hingerissen – solche Einlagen sind in Island weitgehend unbekannt und bekommen besonders viel Applaus.

In den Pausen rollte das Suppenmobil in die Halle und die Verköstigung der Gäste ging viel zügiger vonstatten als zu anderen events im Gedrängel an der Bar. Die Kjötsúpa war heiß und salzig - genau richtig. Eine gelungene Geburtstagparty.






Die glücklichen Pferde des RÚV-Fernsehreporters ... reiterlos.






Es gab auch Spaßeinlagen - Hrafn frá Holtsmúla mit roten Glocken kam auf eine Stippvisite vorbei, Reiter karikierten Reitkunst der Vergangenheit, und Daniel Jónsson bewies in hohem Tempo, daß er sich selbst auf die Schippe nehmen kann:





Wie so oft gehörte der Abschluß dem Rennpass, zu dem die Isländer eine ganz besondere Beziehung pflegen, und auf den man sich als Ausländer einfach einlassen – oder die Halle verlassen sollte. Beide Hallentore werden aufgezogen und kurz darauf donnert alles, was Rennpass zeigen kann, zu heißer wummernder Technomusik zu den Toren rein und wieder raus, das Publikum klatscht frenetisch im Takt und bejubelt gelungene Läufe.

Vieles was man hier sieht, wäre in Deutschland undenkbar. Aber wir sind nicht in Deutschland.


Wie auch immer man zu Orri frá Þufu stehen mag, züchterisch hat der Hengst ja längst nicht nur Freunde – an diesem Abend wurde viel Leistungspotential gezeigt, das Fenster in eine Zuchtrichtung weit geöffnet und man war eingeladen, den Wert dieses Stempelhengstes zu erfassen.






Und ja - Pferdequalität wie an diesem Abend trifft man in Deutschland nur sehr selten.

Wednesday, March 23, 2011

Neat - schnuckliges

Und noch'n paar Berlin-Bildchen.
Eine paar Stunden reichen, um tausend Eindrücke zu sammeln und merkwürdige Erlebnisse zu haben. Mir gegenüber im Zug sitzt ein Kerl der aussieht wie ein US-Marine und stinkt wie zwei Fitnesscenter. Vorhin packte er dann eine OP-Klemme aus seinem Gepäck und ging damit auf die Toilette. Wir möchten lieber nicht wissen was er dort damit macht. °°
Aber ich denke seitdem darüber nach, wie man die gebogenen Klemmen im OP nennt ...

In Berlin war die Welt in Ordnung. Nix wie savoir-vivre an diesem sonnigen Tag.
Hier hat jemand den schönsten Spruch des Jahres ins Schaufenster gestellt:



Okay.
Ich gebs zu.
Ich bin ein absolutes Meissner-Porzellan-addict.
Der Salzstreuer wollte zu mir, und er passt auf jeden Fall ins Hand-Gepäck.






Die zwei lagen faul in der Sonne.
Man betrachtet sowas, meditiert - und stellt fest, daß man genetisch eigentlich auch ein Mops ist.




Die Werkstatt der Blues-brothers

gleich neben dem Schloß Charlottenburg.





In Island sind Schnittblumen kostbarer als Gold - unbezahlbar und man bekommt nie welche.
Da nimmt man sich am besten welche mit, die nicht verblühen.




Der Marine kam zurück. Und hat sich einen anderen Platz gesucht, wo er nun in Ruhe schnarcht.
Ich weiß immer noch nicht, wobei ihm eine gebogene OP-Klemme auf der Toilette geholfen haben könnte.
Aber den Namen weiß ich jetzt. Die Klemme heißt einfach "Kocher-Klemme, gebogen", und sie war das vielseitigste Instrument im ganzen OP (und in meiner Kitteltasche) .....

Tuesday, March 22, 2011

BerlinBerlin

Ich bin in noch nie in Berlin gewesen.
Das hab ich heute nachgeholt.
Berlin haut einen um. Denkt man, Köln ist eine wirklich große Stadt, belehrt Berlin einen. Nicht nur die klotzigen Regierungsbauten und all die Denkmäler, die man aus den Nachrichten kennt.
Alles ist ne Nummer größer und großartiger, alles glänzt in der Sonne wie Verheißung, scheint ein Märchen aus Reichtum und Möglichkeiten.
Nachdem mein beruflicher Termin erfolgreich hinter mir lag, bin ich die berühmte Friedrichstraße heruntergeschlendert, hab wie die Kuh vom Lande Fassaden angeglotzt und fast eine halbe Stunde gebraucht, um vom Bahnhof Friedrichstraße den Weg zum Hauptbahnhof zu finden - der eine sagt, da fährt die U-Bahn, der andere sagt nee, da fuhr nie ne U-Bahn, nehmen Se die S-Bahn, und ich irrte Treppen herauf und herunter, las Schilder, deren Namen mir nichts sagten, löste ungültige Bahntickets ...
Kuh vom Lande und so.






Gedenktafeln. Der Holocaust ist hier allgegenwärtiger als anderswo.
Mein libanesischer Taxifahrer sagt, er lebe schon so lange in Berlin, und er wisse nicht was auf den Tafeln stehe, weil er dort nie angehalten habe. Wir sehen im Vorbeifahren die jüdischen Namen. Er fragt, auf welchen Tafeln wohl die Namen der Palästinenser stehen.




Und eh man sichs versieht, steht man am Checkpoint Charlie, und das macht ein ganz merkwürdiges Gefühl, weil man das alles zu kennen scheint - und doch nichts kennt.



Direkt neben der Geschichte erdrückt einen der Konsum, spült falschen Frohsinn ins Hirn, und Lust, Geld auszugeben, Dummheiten zu machen, die Glitzerpaläste zu betreten, sich verführen zu lassen.







Das WC des Glitzerpalast lohnt kaum den Besuch.
Aber die Kosmetikabteilung war außerordentlich - vermutlich zuckt jeder Frau die Hand, wenn sie an den Ständen mit klangvollen Namen und bunten Farben vorüberschlendert.
Zum Glück ist Anmalen und Herrichten in Island kein Thema - außer man ist 20 und auf der Jagd.






Er saß in der U-Bahn.
Spielte E-Piano.
Als ich an ihm vorbeiging, sagte er in breitestem schwäbschem Akzent "Scheiße." zu mir.
Eine Freundin hatte mir gesagt, ich müsse mich vorsehen, Berliner seien unfreundlich. Der hier war aber Schwabe.
Alle anderen fand ich bisher sehr nett.




Nach Berlin komm ich wieder.

Monday, March 21, 2011

Frühling - spring

Es tut gut, nach dem langen, einsamen Winter in Deutschland zu sein.
Auch wenn einem relativ schnell wieder alles zuviel ist, Verkehr, Menschen, Lärm, Stress, Unzufriedenheit, Meckerei über Nichtigkeiten und man immer deutlicher merkt, was auf der Lavainsel anders ist ... positiv wie negativ.
Die Aufenthalte in beiden Ländern schärfen zunehmend den Blick für Kleinigkeiten, hüben wie drüben.
Oder war es Zufall daß ich in den vergangenen Wochen vor allem auf freundliche Menschen getroffen bin? Lächelnde, fröhliche Leute? Vielleicht haben sie den Wintergrimm hinter sich gelassen, denn der Frühling schießt hier überall unübersehbar aus den Löchern und da kann man wohl gar nicht anders als lächeln :-)






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Heute ist Frühlingsanfang.
Das müde Land färbt sich langsam in allen Schattierungen, und selbst wenn der Himmel niemals das isländische Blau haben wird (und in NRW schon mal gar nicht, der ewig diesige Horizont war das erste was mir auffiel), so war es heute schon ganz ordentlich mit dem Blau.

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Ostern ist nicht mehr weit, jedenfalls im Boden.
Unfassbar, welche bizarre Realsatire am anderen Ende der Welt gerade geschieht. Wieder die gleichen schwarzhumorigen Witze wie vor 20 Jahren, geboren aus Hilflosigkeit, weil Wirtschaft und Politik Menschen opfern, ohne ihr Gewissen zu befragen. Wieder der gleiche Elan, sein Leben zu ändern - wieder Resignation, daß es ja doch alles keinen Sinn hat.
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In der Sonne warten auf ... nichts.
Den Tag als Geschenk nehmen, daß man leben darf.
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Ich nehm die Wärme und die Farben mit auf die kahle Insel.
Sie sind immer wieder Nährboden für Pläne - denn selbst wenn die Welt um einen herum zusammenbricht (und meine Welt tut das in regelmäßigen Abständen), so halten Pläne uns am Leben.


Saturday, March 5, 2011

Postscriptum Uppsveitardeild

Als eine Art Nachlese gabs gestern abend in der Nachbarschaft ein kleines Regionalturnier (Uppsveitardeild), und auf unserem Weg in die heiße Quelle machten wir für die Vorentscheidung dort Halt.

In einer viel zu kleinen Reithalle flitzten Pferde in einer Viergangprüfung um die Kurven, ohne sich zu biegen, dafür mit umso mehr Tempo - Töltmopeds kippen ja nicht.

Neben dem teilweise sehr handdominierten Reiten fiel vor allem auf, daß die meisten Kandarenbenutzer die neue FEIF-Regelung bereits anwendeten und den Nasenriemen des englisch-kombinierten Reithalfters wegließen - mit dem Effekt daß die Pferde sperrten, wenn ihnen eine harte Parade gegen den Strich ging. Oder auch dauersperrten, wenn die Parade eine Dauereinrichtung war.
Es fiel jedoch nicht sooo unangenehm auf - bis mir auffiel, daß die meisten dieser Reiter die Islandkandare in Stangenform benutzten. Ihre Pferde hatten jene verräterisch schraubstockartige Kopfhaltung, und ihnen fehlte von der Nase bis zur Schweifrübe jede Lockerheit und sie verhielten sich ganz ruhig hinter dem Zügel - verständlich bei dem messerscharfen Reitbesteck.

Zum Thema Islandstange kann man mehr hier nachlesen:
http://www.toeltknoten.de/pdf/Zaeumung.pdf

Die FEIF-Regelung scheint also auf den ersten Blick zu einer Aufrüstung zu führen. Diese Entwicklung wäre bedauerlich!
Es gab ein richterliches Einschreiten: der nicht gerade unbekannte Solon Morthens wurde zur Ausrüstungskontrolle an den Hufen herausgepfiffen - ein wichtiges Signal auf so einem kleinen, nicht gerade leichtenTurnier, wo mehr Ehrgeiz als Können mitreitet (ist ja bei uns nicht anders).

Und es gab einen wirklich schönen Anblick, hinterlassen durch einen alten Bekannten von vor zwei Wochen: Sigvaldi L. Gudmundsson auf dem lackschwarzen Breidfjörd frá Búdardal, jener Hólarabsolvent, der bei FT-Geburtstag eindrucksvoll korrekte Gymnastizierung im Schulterherein demonstriert hatte.

Man sah deutlich den Unterschied zwischen dem gut gerittenen, durchlässigen Pferd und dem Rest der Schleifenaspiranten, die entweder durch verräterische Knicks im Hals auf falschverstandene Gymnastik, oder durch Handlastigkeit auf den sonst üblichen Reitstil verwiesen.

Breidfjörd frá Búdardal war leicht am Zügel, reagierte auch im wilden Úrslit mit drei weiteren Pferden in der kleinen Bahn auf eine minimale Hilfe sofort und parierte zum Halt, obwohl es rechts und links von ihm weiterschotterte. Sein Rücken arbeitete mit, im Tölt wusste er sich ohne Sattelmanipulation zu setzen, und sein Trab zeigte, daß die Gangart daheim "geritten" wird. Im Schritt konnte Sigvaldi sein Pferd problemlos taktklar und losgelassen am freundlichen Zügel zeigen, nach der Prüfung ließ er die Zügel aus der Hand kauen.

Überflüssig zu erwähnen, daß Sigvaldi für pferdegerechtes Reiten keine Schleife errang.
Ich kenne den Reiter nicht, aber was ich bisher von ihm gesehen habe, hat mir gefallen und Hoffnung gemacht.

Siegerin des Turniers war übrigens eine junge Reiterin, die ihren beeindruckend schönen Schimmel Blöndal frá Skagaströnd mit durch englisch-kombiniertes Reithalfter verschnürtem Hebelgebiss durch die Prüfung riegelte, als sei der Pferdekopf ein joystick - ein denkwürdiger und schließlich verdammt trauriger Anblick vom Ende der langen Seite ...
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Wednesday, March 2, 2011

Ístölt Austurlands - Eistölt in Ostisland

Da war ich auf Stippvisite im Osten, und was fällt mir vor die Füße? Ein Eistölt. Sowas kann man nicht auslassen, zumal es das auf dem Kontinent nicht gibt, und wenn, dann nur in angestrengter Form, also überflüssig (Kunsteis, Geziehe, sinnlos)
Das Ístölt Austurlands ist das größte Eisturnier Ostislands, und da erwartet man doch, daß man was geboten bekommt. Reiten auf dem Eis hat in Island Tradition – eine, die ich früher immer negiert habe, von wegen Angeberei und Tierquälerei. Nach vier Tagen im vereisten Ostisland ist mir jedoch klargeworden, daß Eisreiten hier tatsächlich tägliches Brot ist: der Boden rund ums Haus ist vereist, die Zugänge zu Wiesen, Paddocks, Ställe, sämtliche Wiesen … alles Eis. Willst du reiten, benutze Stollen, vertraue deinem Pferd und geh halt auf dem Eis reiten.
Nicht auf Eis reiten wollen würde hier schlicht und ergreifend bedeuten, möglicherweise nicht vor Mai aufs Pferd zu kommen und im September selbiges wieder an den Nagel zu hängen. Wieder was gelernt ;-)





Beim Ístölt präsentierte sich vor phantastischer Naturkulisse die Crème der ostisländischen Sport- und Möchtegernsportreiterei. Alles wie bei uns.
Schicke und richtig schicke Pferde, feinste Abstammungen, Hólarjacken mit und ohne Inhalt, aber auch Harley-Davidson-Rider und Bauern auf Urlaub. Alles wie bei uns ... fast.
Auf dem Gestüt Tjarnaland war der zugefrorene See in eine Gaedingarbahn verwandelt worden, kleine ins Eis gehackte Tannenbäumchen markierten die Bahn, ansonsten war alles isländisch locker-larifari, ein Jeep hielt die kaum sichtbare Seilabtrennung, man ritt sich halt warm, dödelte rum, plötzlich startete jemand, nicht immer der Richtige und auch mal in eine laufende Prüfung hinein, aber da jeder jeden kennt, ist das nicht schlimm, und Disqualifikation gibt es im Osten nicht, oder so.
Und hier wurde die grandiose Kulisse der verschneiten Torberge absurd – sowenig wie Schnee schroffe Felskanten bedecken kann, sowenig kann ein schickes Panorama beschissenes Reiten retuschieren.





Wir sahen blutende Mäuler, weil Kandaren mit knallhart verschnallter Kinnkette auch ordentlich benutzt wurden.
Wir sahen Pferdezungen, die wie Putzlappen seitlich aus dem Maul hingen, und die auf dem Hinweg uns und auf dem Rückweg den Richtern fröhlich entgegenflatterten.
Wir sahen blutige Fesselbeugen, weil Rennpasser ohne Glocken oder Beinschutz laufen mussten und sich selber in die Beuge traten, weil ihr Rennpass schlecht geritten oder nur ein halber war, oder öfter auch mal gar keiner.
Wir sahen weit zurückgelegte Sättel, deren Bauchgurte so weit hinter den Rippen verschnallt waren, daß man unwillkürlich an Rodeopferde denken musste. An Vorwärtsrodeo erinnerte denn auch so mancher von Harley-Reitern männlich „pilotierte“ Ritt.

Das Gros der Zuschauer hielt sich übrigens in Hausnähe auf – dort wehte einem weniger Wind um die Nase, es gab dafür heiße Schokolade, und man konnte sich leicht einreden, spektakulär-peppiges Sportreiten auf höchstem Niveau zu sehen.
Der Tanz auf dem Eis wurde jedoch umso dramatischer, je näher man sich heranwagte.
Und wie immer waren die Fotografen die Chronisten von professioneller Ahnungslosigkeit und den Auswirkungen menschlichen Ehrgeizes.



Es gab weder eine Ausrüstungskontrolle, noch einen Tierarzt, der sich um das Blut gekümmert hätte. Wir sind ja unter uns und jeder kennt jeden. Oder so.
Ach so – die Richter, zwei Herren aus Reykjavík, saßen übrigens genauso nah am Geschehen wie wir, allerdings hinter Autoglas, bei Null Grad und Eiswind durchaus nachvollziehbar. Vielleicht waren die Scheiben ihres Jeeps zu rosafarben getönt, daß sie nichts von dem gesehen haben, was die Fotografen in ihre Kameras einfingen, und stattdessen für die „Leistungen“ fröhlich eine 8,2 nach der anderen verteilten. Und wie bei uns landeten die Reiter, die eine ordentliche, pferdefreundliche Leistung zeigten, unter 'ferner liefen'.



Es war mein erster Eistölt gewesen, und ich kam sehr nachdenklich aus dem langen Wochenende zurück.
Eine Woche zuvor hatten Reiter des FT gezeigt, daß „feines Reiten“ keine Worthülse sein muss, wenn man Grundlagen gelernt hat und das Pferd als lauschenden Tanzpartner begreift.
Die Darbietungen des Eistölt wirkten neben den Bildern der Hestamennska FT wie eine Satire … leider eine blutige Realsatire, und man fragt sich, was eigentlich noch auf der Bahn passieren muss, damit Richter ihr Notenspektrum ausschöpfen. Oder ob man sie regelmäßig daran erinnern muss, daß sie im Notenkasten auch gelbe und rote Karten zur Verfügung haben, von denen sie Gebrauch machen dürfen, ohne dafür verwarnt zu werden.
Man fragt sich allerdings auch, was die Ausbildung eines Richters wert ist, der rough riding nicht von Rennpass unterscheiden kann.






Am 26. Februar 2011 beschloss die FEIF im zweiten Anlauf mit 23 gegen 18 Stimmen, den Gebrauch von englisch-kombinierten Reithalftern auf Islandkandaren und Pessoagebissen zu verbieten.
Wir warten nun gespannt auf die Auswirkungen dieses Verbotes und was Reiter sich was nächstes einfallen lassen werden, um die sperrenden Mäuler ihrer Pferde zum Schweigen zu bringen, denn so schnell lernt man ja leider nicht reiten.