Tuesday, September 28, 2010

fall - Herbst

Ich "hab fertig" und bin sehr sehr müde.

Noch mal ein paar Tage extreme-writing um Änderungswünsche des Lektorats zu bearbeiten, im Oktober folgt dann das Abschlußlektorat. Wenn ein Buch fertig ist, ist es noch lange nicht fertig.
Und leider dauert es nach jedem Buch, bis man wieder ins Leben zurückfindet - bis Schlafen wieder geht, bis Essen wieder geht, und bis man wieder aufnahmefähig ist.
Schreiben zehrt an Leib und Seele - dennoch möchte ich nichts anders tun.

Das Wetter hier macht es einem leicht, sich in sich zurückzuziehen - die letzten Tage hat es gedauerregnet, in Thórsmörk waren Wanderer von Fluten eingeschlossen und überall stiegen die Pegelstände bedenklich an, weil durch warme Temperaturen der frische Schnee auf den Gletschern schmolz und die Flüsse speiste.

Gestern aber gab es einen wunderschönen indian summer Tag auf isländisch, den ich mit einer Freundin im WALD verbrachte. Ja, Wald, und auch noch ganz in der Nähe, und so wie ich das aus der Eifel kenne, mit engen, feuchten Pfaden, Dickicht, und mit Holzernte und dem herrlichen Duft nach Kiefernharz und frisch geschlagenem Holz.
War ziemlich schräg - so kurz vorm isländischen Hochland.









Die Farben indes sind atemberaubend - aber das ist, wie schon mehrfach festgestellt, jahreszeitenunabhängig.







Herbst am Burfell.






Ich find immer Schafe. Egal wo.

Friday, September 10, 2010

sheep - Schafe

Ein bisschen Schaf muss sein ...
Egal wie eng mein Zeitkorsett ist. Noch 5 Tage bis Abgabe ... das Blöken der Schafe übertönt alles.
Sie kündigten sich gestern schon an, in Thjorsádalur kamen sie aus den Bergen, viele hundert und mehrere Dutzend Reiter und Fußleute. Nachdem das Sammeln in den Bergen durchaus rasant sein kann, herrscht auf der langen Strecke ruhiges Tempo, denn der weite Weg ist für die Schafe eine ziemliche Strapaze. Alle paar Kilometer wird Pause gemacht, viele Schafe legen sich ab, auch die Pferde sind dankbar für die Pausen, zeitweise hatte es in Strömen geregnet.






Dann geht es weiter mit der langsamen Reise, über den nächsten Hügel, dem Ziel ein wenig mehr entgegen. Ein Treck voller Sorgsamkeit und irgendwie auch eine Pilgerfahrt, so scheint es jedenfalls für den Beobachter.








Heute morgen dann geschah ein Wunder - jemand setzte mich auf ein Pferd und wir ritten den Schafen von Árnes entgegen. Es braucht ja so wenig um mich glücklich zu machen :-)
Was in Deutschland sich vielleicht albern angefühlt hätte (wenn man nicht mitgearbeitet hat) ist hier in Island eher eine Referenz an die Pilger aus den Bergen - man ehrt sie, indem man sie empfängt. Und wenn man schon nicht zu Pferd an den Sammelpferch kommt, so doch wenigstens als Zuschauer in Reithose - keineswegs lächerlich, Island sieht sich als Pferdenation, und ich bin vermutlich der einzige Mensch auf dieser Insel, der keine Reithose hat, weil das bei drei Ritten im Jahr nicht nötig ist.

Nuja - ich hab mir eine geliehen ;-)




Knirpse in jeder Altersstufe sind mit von der Partie







Das Taxi für die Fußkranken und Erschöpften





Immer mehr Reiter kommen an - das Sattelzeug wird ordentlich gestapelt, die Pferde indes kommen alle zusammen auf eine Weide. Für deutsche Augen unvorstellbar, aber hier herrscht absoluter Friede, man grast zusammen, haut sich aufs Ohr - und wohl dem Reiter, der unter all den Füchsen, Braunen und Rappen sein Pferd wiederfindet ...





Und dann öffnet sich das Tor zum Pferch. Der Pferch von Árnes ist der älteste in ganz Island - ein Gemäuer aus Steinen und Grassoden, ausgerichtet für viele tausend Schafe ....
















Und das ist wohl mein alter ego ,-)
In meinem nächsten Leben werde ich Schafsbraut.




Derweil vibriert das Skeid.
Auf dem Rückweg ritten wir durch die Schafherde der Skeidamenn, die dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte ihre Schafe nicht mit dem Gnjúpverjamenn zusammen sortieren, sondern, weil es so wenig Schafe sind, sie direkt weiter nach Reykirréttir an der A 30 treiben.
Vor 20 Jahren, so hieß es, hatte man noch 15.000 Schafe zu sortieren. Heuer waren es grad mal 2400.
Reykirréttir scheint ein Volksfest zu werden. Überall an der 30 ritten heute Gruppen mit Handpferden, für mein Dorf wurde mir für morgen big traffic angekündigt - hier kommen alle durch, hier kriegen alle Essen, und hier treffen sich ganz viele zum weiterreiten.
Das Zuschauen wird hart - ich hab ja weder ein Pferd, noch kenn ich irgendwen hier (wenn man jemanden grüßt, heißt das noch lange nichts. Wenn man jemanden vom Sehen kennt, heißt das noch lange nicht daß man gegrüßt wird) und alleine werde ich mir so ein Volksfest wohl eher nicht anschauen.
.
Aber irgendwann ... reite ich mit in die Berge. :-)