Saturday, July 31, 2010

Verslumannahelgi - Saufwochenende

Entgegen aller Unkenrufe lebe ich noch - zwar kurz vor nervous breakdown, aber thetta reddast ;-) Irgendwie.
Verslumannahelgi - das Wochenende der Kaufleute, welches einst geschaffen wurde, damit die Angestellten auch mal einen Sommertag frei haben, was natürlich in eine wilde Sauftradition ausartete - trieb auch uns aus dem Haus und hinein in die isländische Pampa, wo wir leider nicht alleine waren - Heerscharen von ausländischen und inländischen Touristen begleiteten uns auf Schritt und Tritt.
Das ist jetzt so.
Das geht auch wieder vorbei.
Einzig auf dem Friedhof von Haukardalur kann man sich kurz vorstellen, wie sich Ruhe anfühlt.
Die stille Zweisamkeit der Hufeisen von Kjarnholtum nahm uns gefangen ...





Wikinger beim Baden ...



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Und dann trafen wir unvermutet auf das Auge des Sturms von Versludingsda: in Fludir, der Königin der Wohnwagen, staute sich der Verkehr auf ca 2 km. Wir stauten mit und erwarteten einen triftigen Grund (immerhin liegt Fludir kurz vorm Hochland) während wir auf dem bei 23°C aufweichendem (!) Asphalt im Schrittempo vorwärtskrochen.
Es gab keinen Grund.
Es gab einen Stau, aber keinen Grund.
Als wir die Kreuzung passierten, sahen wir, daß der kleine Ort überfüllt war, aber keineswegs Absperrungen wegen Veranstaltungen, Kirmes oder Umzügen.
Man fährt nach Fludir, um sich gepflegt zu besaufen, gerne in Gesellschaft, aber ohne Grund.
Die handfestere Variante von Verslumannahelgi auf den Westmännerinseln, wo wenigstens laute Musik beim Saufen (und so) inspiriert.
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Da wir zwar nicht saufen, aber irgendwie doch noch was erleben wollten, sind wir nach Stokkseyri gefahren, wo nach einer kleinen feinen Information auf facebook Eivör Pálsdottir heute Abend ein Konzert gab.
Ihr Auftritt war eingebettet in Musikdarbeitungen anderer Bands von den Färöerinseln, und der Abend war schlicht und ergreifend der HIT.




Stokkseyri rocks!!!

Monday, July 19, 2010

Thorlákshöfn

Tempo ist wohl das, was meinem Schreibtischleben fehlt - das kam mir heute in den Kopf, als ich mit leicht überhöhter Geschwindigkeit die Straße zwischen Eyrabakka und Thorlákshöfn überflog und mich dabei äußerst WOHLfühlte ....
Gestern hab ich nach langer Zeit mal wieder auf einem tollen Pferd gesessen und wundervolles Tempo gehabt - da aber Reiten nicht zu meinem Alltag gehört, muss mein Mazda-Silverspirit mit dem Gaspedal herhalten.
Im Dorf nennen sie mich den dangerous driver. *g*
Ob es so schlau ist, den Silverspirit abzugeben ...?

Eine Szene liegt in den Presswehen - da hilft nur vorwärtskommen und Tempo, weil man sonst durchdreht (Dinge, die nur schreibende Menschen nachvollziehen können, und hier vermutlich auch nur die verrückten)
Mich ziehts dann ans Meer - der Hafen von Thorlákshöfn ist spannend und zum Glück lag keine Fähre vor Anker, ich wäre sonst auch noch nach Vestmannaeyjar gefahren, um das unerträgliche Bedürfnis nach Bewegung zu befriedigen.








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... wieder mal keinen Badeanzug dabei ...














Sunday, July 18, 2010

summertime

Island - ne Handbreit unter dem Polarkreis - 20 Grad, LSF 30, trotzdem Sonnenbrand und Millionen von Sommersprossen - vielleicht doch ein großer fake?
Ich wach morgen auf und hab das alles nur geträumt?

Hoffentlich nicht.

Mein Kopf ist voller Worte, mein Rücken sitzt voller Sorgen, die Tastatur ist nicht schnell genug, der Tag zu kurz, obwohl er schon viel länger ist (Frechheit: um 23 Uhr muss man tatsächlich das Licht wieder anknipsen!!), das Schlafpensum hat sich auf durchschnittlich 4 Stunden pro Nacht eingependelt, das Kaffeepensum verrate ich nicht und Essen fällt immer schwerer. Also alles ist wie immer, wenn ein Manuskript zuende geht.

Meine Ruhe finde ich nur noch draußen, bei den Pferden und bei Gottes kleinen Kunstwerken.









jaeja. ;-)
Thetta reddast. Irgendwie.

Monday, July 12, 2010

Notizen vom Polarkreis

Ich bekam heute Beschwerden ;-) daß hier nix mehr steht.
Ok - es ist ja auch Sommer, normale Menschen sind da unterwegs - zumindest hier, wo es angenehme 15 Grad hat, mal Sonne, mal Regen, so wie normales Wetter halt eben nicht. Ich bin so dankbar, daß ich von der Bullenhitze und den Unwettern in Deutschland verschont bleibe!!
Normale Mernschen sind also unterwegs - ich arbeite wie eine Besessene am Schreibtisch und bin deshalb kaum noch unterwegs, weswegen es kaum was zu berichten gibt.
Die Thjorsá hat dementsprechend heute auch dumm geguckt, als ich vorhin an ihr Ufer trat, um zu fragen, was es Neues gibt.
Warm, sagt sie. Guckmal, wie ekligbraun mein Wasser ist, die Gletscher schmelzen ja bei der Wärme. Und sie betont Wärrrrme und ich lach mich kaputt weil ich trotzdem Fleecepulli trage und das Sonnenbad am nachmittag vorsichtshalber mit Mikrofaserdecke über den Schultern genossen hab - die Sonne bräunt heftig, aber der Wind ist immer tückisch.
Schnickschnack, sagt sie und zeigt mir ihre Blumen. Ich war wirklich lange nicht mehr dort, denn das Ufer ist übersät von Wollgras.

Wollgras ist Island.






Auf dem Rückweg reitet ein Troll am Himmel vorbei.
'Saell', sagt er. Vielleicht hat er auch 'sael' gesagt, so genau hab ich ihn nicht verstanden.
Und vielleicht ist er auch Ausländer und kann sich die blöden Formen genau so wenig merken wie ich.



Eilig hat er es jedenfalls gehabt. Hinter dem Vördufell warten sie schon auf ihn, dort hat es am Nachmittag nämlich richtig gedonnert, wie sich das für ein Unwetter gehört (es gibt alle 10 Jahre mal ein Gewitter in Island) und sie warten nun alle zusammen, ob es auch blitzen wird und wie die Saga dann weitergeht.
Ich hab mir eins gegrinst und gedacht, bestimmt war das nur ein Wolkenpferd mit Hrossapest ;-)

Friday, July 2, 2010

Magnús

An einem einsamen Freitagabend wie diesem, wo die Wochenendnachbarn türenknallend eingefallen sind und Isländer unter sich feiern, kann man sich nur mit alten Filmen wegträumen. Mir fiel "Magnús" in die Hände - dank an Christine, die mir dieses Kleinod organisiert hat!!! - ein isländischer Film, der vor vielen Jahren fürs deutsche TV mal synchronisiert wurde und seitdem in irgendwelchen Mottenkisten schlummert - bei youtube gibts leider keine Szenen. In jedem Fall ein Paradebeispiel für isländischen schwarzen Humor!

Magnús ist ein gutsituierter isländischer Anwalt, dessen Job Räumungsklagen sind. Durch einen dummen Zufall unterzeichnet er die Räumungsanweisung gegen seinen eigenen Schwiegervater, der vor den Toren von Reykjavik illegal Schnaps brennt und wie viele andere merkwürdige Menschen Tiere in der Stadt hält. Eigentlich hatte er dem Pferdenarren Magnús seinen Schimmelhengst versprochen. Mit Magnús' Unterschrift nimmt das Schicksal des Alten jedoch nun seinen Lauf und keine Rede ist mehr vom Schimmelgeschenk.
Magnús landet erst mal im Krankenhaus, vermutete Diagnose: Magenkrebs. Sein Schwager klärt ihn über das anstehende Drama der versehentlichen Räumungsklage auf, und Magnús verlässt noch vor den entscheidenen Untersuchungen die Klinik, um die Sache auf sehr isländische Weise "in Ordnung" zu bringen. Der Schimmel - vor der Kamera ist Landsmótsieger Hrimnir frá Hrafnagili zu sehen - bringt Magnús gerade noch zur rechten Zeit an den rechten Ort, er hat sein Gewissen gereinigt und kann nun guten Mutes zurück in die Klinik.


Die vielleicht bizarrste Szene:
"Er soll ein bisschen zur Ruhe kommen" sagt der Junge, der mitten auf der Straße unter seinem Pferd liegt.
"Ok," sagt der Mann, steigt wieder ins Auto und fährt davon.




Rettungsaktion in letzter Minute:



zu Pferd ins Krankenhaus

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Auf weitem Land
im Paßgang eilt
beharrlich fort
auf Wegen
das junge Pferd;
im Bogen eilt
sein Nacken sich entgegen.

Des Rosses Gurte
sind gespannt;
Glück
wird es mir bringen.
Untern Hufen
hallt das Land,
hell die Eisen klingen.
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Niemals zeigt es
Müdigkeit,
von Schlägen
nicht getrieben.
Steine sprühen
Funken weit,
unterm Huf
zerstieben.
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An Lebensfreud
nichts übertraf
das beste Ross der Erde;
die Sorgen wieg ich
in den Schlaf
beim Ritt auf
solchem Pferde.

Sveinn Sveinsson 1831-1899

stairway to heaven

Da die Pferdeseuche das reiterliche Leben in Island ja weitgehend lahmgelegt hat, kann man für jedes event, wo (hoffentlich gesunde) Reitpferde gezeigt werden, froh sein. Ein Tourveranstalter hat die schwere "Sprengisandur"-Reittour gecancelt - die Pferde sind nicht fit genug. Hut ab!
Das große nationale Turnier Landsmót ist abgesagt worden, stattdessen wird Volksbelustigung angeboten, Reiter spielten Golf und Touristen versuchen sich einzureden, daß Island ja doch sonst ja auch ganz schön ist. Aber irgendwie ist dieser Sommer anders. Irgendwas fehlt. Und das was man so sieht, wirkt schnell verschwommen ...








Damit ich alte Schwarzseherin nicht etwa recht behalte, schien heute die Sonne in Gaddastadaflatir beim Zuchtponyrennen - so heiß, daß man trotz Sonnencreme rot anlief. Ich bemühte mich hartnäckig über zu weit hinten gesattelte und darüber in Atemnot keuchende Pferde hinwegzusehen, bemühte mich, auf beinah durchgehenden Pferden sitzende, "Oooooooh, hoooooo" - beschwörende Reiter amüsant zu finden und die Lästereien der Deutschen hinter mir zu überhören.
In jedem Fall schöne Pferde, und das Gras war auch sehr grün.
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Alles schön und gut - daheim angekommen, wusste ich wieder, wo der Himmel wirklich ist.




Der größte Fehler den man machen kann, ist zu früh umdrehen ...