Tuesday, June 29, 2010

grüppchenweise

... umschmeichelte heute wohlverdiente Ablenkung meine Kamera auf einem Kurztrip nach Reykjavik, wo es angeblich irgendwo Schuhe im útsala gab, die es dann doch nicht gab (dafür Reitklamotten, die ich aber ja nicht brauche) - zum Trost gab es dann Sushi par train, ein professionelles Isländischwörterbuch, belgische Zimtschokolade (.... hier fehlt ein lautmalendes vorGlückseufzendes emoticon) und diverse andere Unbedingtnotwendigkeiten, um die Schreibtischabwesenheit zu entschuldigen. Für alle Ahnungslosen: an meinem Schreibtisch verbringe ich zur Zeit weitaus mehr Zeit als in meinem Bett, ca 12-14 Stunden pro Tag, Wochenende eingeschlossen. Island ist demnach kein Dauerurlaub, wie mir mancher unterstellt.

Die Sushigruppe war die beste, zumal in ausgesprochen netter Gesellschaft - wenn ich, wie meistens, alleine essen muss, tendiere ich eher zu Pfefferminztee und Skýr, (letzterer hat den Vorteil, daß man nach 4 Löffeln pappsatt ist und mit Essen aufhören kann).
Für Münchener vermutlich banale Langeweile, in IS aber ist der fahrende Sushi der letzte Schrei.






Kopflose Männer - haben den Vorteil, daß sie sexy aussehen und einem aber nicht dumm reinreden. ;-)







Ein Besuch im Alkshop - immer wieder lustig. Diesmal entdeckten wir Bier von den Färöerinseln.





Grimmiges Zeug. Düsteres grimmiges Zeug.
Vermutlich leben die wirklichen, wahren, echten Wikinger auf den Färöerinseln, und die Isländer machen nur das schicke Wikinger-Marketing mit Bart und Zottelpferden und Vulkan und so. Das Bierdesign ist ein handfester Grund, sich Färöer noch mal genauer anzusehen und die echten Wikinger zu suchen.





Mit geschrotteten Füßen und echtem isländischen Blauschimmelkäse finde ich mich am Schreibtisch wieder und lese, daß der Aktienmarkt heute ins Trudeln gekommen ist.
Nanu? Am Ende wäre es der Tag für die ramponierten, verwitterten Gartenstühle im Secondhandmarkt gewesen, die nur 40.000 ISK kosten sollten und über die der Verkäufer sagte, nunja, der Besitzer habe wohl seine Medikamente nicht genommen, als er den Preis festschrieb. Schade, verwittert hätte mir grad gut gefallen, aber nicht als Gegenwert einer Fast-Monatsmiete.
Ich studiere jetzt mal die Währungskurse ....
Und über die wundervollen isländischen Secondhandgeschäfte, ohne die hier gar nichts läuft, gibts ein andermal was. ;-)

Saturday, June 26, 2010

Das is' nich' mehr weit

Unser heutiges Wochenendziel hieß Háifoss.
Manche nennen ihn Haifoss - er ist aber auch Howiefoss - Howdy! "How do ye?" Das grinst er nämlich wenn man ihn nach vielen Stunden endlich zu Gesicht bekommt. Er versteckt sich sehr schlau im Hochland gegenüber von Hekla und nur wenige Reiseführer schreiben wirklich was über diesen Wasserfall. Jetzt wissen wir auch warum - der Trip ist nur was für die Hartn im Gartn. *g*
Das Hochland gab sich immerhin alle Mühe, gastlich zu wirken, selbst Blumen hatte man auf den Tisch gestellt. Und gleich sieht die Wüste viel freundlicher aus *g*






Auf dem Hinweg marschierten wir noch gut gelaunt um den Bergzug herum, ist ja nicht mehr weit. Indes, ein Bergzug ersetzte den vorigen, den Wasserfall bekamen wir nicht zu Gesicht.
Vielleicht waren die Berge auch Wanderdünen, eben isländische und halt grüngraubraun, und vor allem viele davon.
Wer das isländische Hochland wirklich geil findet, hat meinen vollen Respekt.
Ist ja auch alles nicht mehr so weit.




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Selbst die Vögel verlassen ihre Nester und wandern in freundlichere Gegenden aus.






Ist halt ein wenig ... pur alles. Und ist ja auch nicht mehr weit.








Unser Ziel, der Wanderfall - äh - Wasserfall, der hinter jeder Wanderdüne verschwand: Howiefoss. "How do ye?" Oh fine, thanks, und eine pylsa wäre jetzt nicht falsch.








Auf dem Rückweg, mit immerhin ein paar süßen schwedischen Giffeln aufgemuntert, wollten wir schlauer sein und nahmen den Weg über die Hochebene. Ist dann ja nicht mehr weit.
Doch die Wanderdünen lauerten uns auch dort auf und zwangen uns immer wieder, Berghänge zurückzuklettern, weil es hier grad ganz schlecht war:





Ach so - für Weicheier gibt es natürlich eine kurze Piste mit Parkplatz.
Wanderdünen wie wir nehmen lieber den 5-Stunden-hard-core-Weg ohne Kompass und ohne Peilung, weil er das Leben bereichert. Und denken darüber nach, wie man wohl unten ans Wasser gelangen könnte, um zu erleben wie hoch der Howie wirklich ist.
Aber zumindest ich muss dafür erst mal ne Woche ausruhen. Aber dann - dann ist das alles gar nicht so weit :-)

A midsummernightsdream

Letzte Nacht feierten die Schweden das Mittsommerfest - und da ich hier in Island von Schweden umgeben bin, haben wir das zusammen getan. Auch wenn es immer ein bisschen merkwürdig ist, einen Brauch zu pflegen, der nicht der eigenen Tradition entspricht, so ist Mittsommer - der längste Tag im Jahr - schon was, was in einem "drin" ist.

Lina Langsokkur und ich beschlossen, Sprachgrenzen niederzureißen und ein Frauenmittsommer ohne Mittsommerbaum, ohne Froschtanz und ohne Hering zu zelebrieren - dafür mit einem barbecue-in-the-box, einem heißen Bad in Hruni, eiskaltem Sekt und Erdbeeren.

Und weil das alles so perfekt aussah, waren wir natürlich nicht alleine an diesem Abend, der mit Sprühregen begann, in zauberhaften Nebel mündete und Wesen aus den Hügeln und Steinen hervorkommen ließ ...






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Nach dem Essen und vielen langen Gesprächen sang Lina ein Mittsommernachtslied, die Nebel zogen hoch und immer mehr Zuhörer erschienen auf den Hügeln ...





Eine zauberhafte Nacht, in der man dem Brauch Glauben schenken möchte, daß die sieben in Stille gepflückten Blumen, die man unters Kopfkissen legt, wirklich einen Wunsch in Erfüllung gehen lassen ..

Du lindar av olvon en midsommarkrans och hänger den om ditt hår.
Du skrattar åt mångubbens benvita glans som högt över tallen står.
Inatt skall du dansa vid Svartrama tjärn i långdans, i språngdans på glödande järn.
Inatt är du bjuden av dimman till dans där Ull-Stina, Kull-Lina går.

Nu tager du månen från blåbergets kam att ge dig en glorias sken.
Och ynglet som avlats i gölarnas slam blir fålar på flygande ben.
Nu far du till Mosslinda, mosslunda mor där Ull-Stina, Kull-Lina, Gullfina bor.
Inatt skall du somna vid Svartrama damm, där natten och mossan är len.







Saturday, June 19, 2010

nur so

Es gibt hier eine Pferdeweide, die ich besuchen darf. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Tag, wo das erlaubt ist, weil mir Pferde inzwischen körperlich fehlen. Ihre Gegenwart macht ruhig und entspannt und wäscht das Gehirn sauber von allen Gedanken, egal ob gut oder schlecht - wenn man mit ihnen ist, muss man einfach überhaupt nichts denken. Ein wunderbares Geschenk.
Diese hier sind überdies zahm und lieben es gekrault zu werden - und wenn sie müde sind, dann legen sie sich aufs Ohr ;-)





Das schönste Geschenk machte mir heute einer der älteren Wallache, den ich sehr mag. Er sah mich kommen und trabte mit gespitzten Ohren los, quer über die halbe Wiese. Kurz vor mir machte er halt und marschierte im Schritt weiter, bis er vor mir stehen blieb. "Hallo. Schön daß du da bist."
Sowas hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt, und mir stand das Wasser in den Augen.
Pferde sind gut für die Seele.





Laugardagur - Waschtag I

Das hier ist der Grund, warum nicht jeder Islands schrille Seite zu sehen bekommt, der das möchte: man braucht ein wassertaugliches Fahrzeug. Mein Auto ist zwar tapfer auf kleinen Strecken, aber 50 Kilometer Schotterpiste und Flußdurchquerungen müssen wir leider anderen Autos überlassen.








Und so war ich sehr froh, als es gestern eine Einladung zur Spritztour gab - über wüste Pisten und durch tiiiiefe Wasser *g*


durch einsames Suizidhochland ...
(also bitte. Lasst euch nicht einreden, eine Hochlandtour wäre immer suuuper und ein Muss. Das ist schlicht gelogen. Denn das allermeiste im Hochland sieht genau SO aus und nach einer halben Stunde möchte man, weil man genug Steinwüste gesehen hat, doch ganz gerne wieder nach Hause, um sich den Strick zu holen, oder einen warmen Kakao zu trinken. Was aber nicht geht weil man mitten im Hochland steckt. Also erzählt man sich schräge Geschichten und flucht gemeinsam, daß man den warmen Kakao vergessen hat. Am Ende ist das der Reiz des Hochlands *g*)



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Einen Fleck im Hochland aber gibt es, der ist wundersamerweise bunt.
Er heißt Landmannalaugur und mir war ganz nostalgisch zumute, denn hier hatte ich vor 20 Jahren mit Inès gebadet. Damals hatte es keinen Zeltplatz und keine Toiletten gegeben - damals hatte der Busfahrer uns aus dem Bus geworfen und das einzige was nach Zivilisation aussah, war der Badesteg gewesen.
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Damals waren uns nicht mal alle Touristen ins Wasser gefolgt, und so hatten wir fast ungestört dort gehockt. Und ich hab mich lockerflockig mit einem kleinen Jungen auf altisländisch über den alten Njál, die Mädchen und das Leben generell unterhalten (wohingegen heutzutage Unterhaltungen mit dem großen Jungen auf neuisländisch nicht möglich sind *g*)
Heute hatten wir Glück - es waren nur relativ wenig Touristen unterwegs (nur so 15 Jeeps und 5 Busse *g*) und am Nachmittag hatten wir das große Plantschbecken für uns alleine.
Ok, den kleinen Jungen hab ich vermisst :-)









Nach dem Baden und einem Sandwich gehts auf in die Pampa. Ein riesiges Lavafeld wölbt sich nämlich vor dem Bad auf, als hätte da mal jemand STOP! gesagt.
Vielleicht hat hier auch mal einer gebetet, daß sie anhalten möge - so wie die Leute von Kirkjubaearklaustur im 18. Jh., die sich vor der giftigen Lava aus den Lakagigjar in die Kirche geflüchtet haben - und der Lavastrom machte tatsächlich vor der kleinen Kirche (oder den Gebeten?) Halt.
Vielleicht hat sich die Lava auch gesagt, das schöne Tal ist zu schade um es schwarz zu machen.






Laugardagur - Waschtag II

Wer hat die Lava so ungebügelt und unordentlich rumliegen lassen?!?




Der Rauchmelder: "Da ist Rauch."



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Warum sind wir da hochgestiegen? Wir wollten gucken, wo das schwarze Zeug rauskommt. Vielleicht gibts davon noch mehr?
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Wo es rauskam, haben wir nicht gefunden - also sind wir noch einen Berg höher und noch einen, und noch mal um die Kurve, und noch einen Hügel weiter - bis es nicht mehr weiterging.
Das hier heißt "Brennisteinsalda", ist überall warm und ... HOCH.


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;-)

Und am Ende des bewölkten Tages kam noch mal Jemand gucken, was so abgeht.







Thursday, June 17, 2010

La vie en rose

Die Sonne geht nicht mehr schlafen auf der Wikingerinsel - da fällt es immer schwerer ins Bett zu gehen.
Wenn dann draußen auch noch der Himmel brennt, müssen die Federn leider warten - trash geht auf jeden Fall vor.
An diese endlosen Nächte gewöhnt man sich noch schlechter als an die Dunkelheit im Winter - mit der zumindest ich mich ganz gut arrangieren konnte.
Jetzt muss man sich wie ein kleines Kind ins Bett zwingen, und man findet auf einmal die schwarzen Schlafzimmervorhänge cool, obwohl Vorhänge doch eigentlich grottenspießig sind.
Nicht wenn sie einem zum Schlafen verhelfen ...





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Heute abend hat sich die Katla gedacht, was kleine dumme Eyjafjallavulkane können, kann ich schon lange. Und sie nahm den Regenbogen, der sich über das Land spannte und stopfte ihn sich wie eine Schwertschluckerin in den Schlund. Darüber erschrak der Himmel sehr - er rief die Sonne um Hilfe, die auf der anderen Seite grad versuchte ein bisschen unterzugehen.
Sie riss ihre Augen so weit auf, daß die Wolken am Himmel wackelten, und der Regenbogen wurde vor lauter Verlegenheit rot.
Da grinste die Katla "Na, wer macht mir einen schweinchenrosa Regenbogen nach? Niemand im Land der harten Männer, was?"





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An noch was gewöhne ich mich nur schwer: der Zeitunterschied von zwei Stunden zum Kontinent. Gedankenaustausch gegen Mitternacht fällt flach, weil die anderen schon lange im Bett liegen. Dafür scharren sie morgens mit den Hufen, wenn sie auf eine email-Antwort von mir warten. ;-)

Sunday, June 13, 2010

GegenLicht

Sind Dinge, gegen das Licht betrachtet, andere als im Licht?
Oder narren sie nur unser Auge?
Sind sie gar ehrlich?
Schenken uns Kontraste, damit wir das Wesentliche sehen - erkennen?





Saturday, June 12, 2010

VulkanVisite

Ich hab dem Eyjadings heute einen Besuch abgestattet. Es regnete, mir war totlangweilig und außerdem war es mal wieder Zeit, weil wer weiß wann das Wasser kommt und so.
Ein Drama in vier Akten - darüber, wie eine Wolke eine andere zum Schweigen bringt ... währenddessen mein Auto von innen nass wurde weil es durchs Fenster regnete. Aber egal, das Theater da draußen war wichtiger ...


Wolke schaut bei Vulkan vorbei. Hi! :-)
(Vulkan *Hi.*)






wat willst du? ausbrechen??
(Vulkan *mirissofaad*)



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warte Jung - ich geb dir "ausbrechen" ... *wasserdrübergieß*
(Vulkan *eyyy!!!dasistscheissekalt!!*)
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und jetzt ist hier Ruhe im Karton.
(Vulkan: *schmoll*)
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Und wen immer schon mal interessierte, wie Asche denn nun wirklich aussieht - hier sieht man sie, als dicke Schicht auf den Kieseln neben den saubergewaschenen Kieseln.




(PS - wundert euch nicht - die Fotos werden sicher mal wieder von Tag zu Tag dunkler, bis ma kaum noch was erkennen kann.
Das ist posting-Terror von blogger und leider kann man nichts dagegen machen)

Friday, June 11, 2010

Rotes zum Abend

Nicht jedes Abendrot ist von Asche gefärbt, manches ist auch einfach nur so.
Vermutlich lachen sich die Dorfbewohner scheckig über die merkwürdige Deutsche, die immer mit der Kamera rausrennt, sobald sich der Himmel färbt.
Haben die in Deutschland keine Abendrots?
Doch schon - aber da steht ja immer was davor.






Am Eyjafjallajökull brennen wieder imaginäre rote Lampen.
Der Vulkan hat fleissig gearbeitet und die Gletscherlagune Gígjökull mit Schmelzwasser angefüllt - sie hat nun einen Durchmesser von 300 Quadratmetern und wieder einmal besteht eine Flutgefahr für das Tal von Thorsmörk und den Markarfljót, weswegen beides abgeriegelt worden ist.
http://www.mbl.is/mm/frettir/innlent/2010/06/11/loka_thorsmork_vegna_flodahaettu/
Schaulustige haben sich von der Gefahr bisher nicht beeindrucken lassen und fahren weiter auch dort herum, wo es schnell brenzlig werden kann.
Vermutlich kann man sich als Tourist nicht vorstellen, daß ein Vulkan auch anders als durch Lava Gefahr bringen kann. Ich hab das jedenfalls nicht gewusst, als ich herkam.
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Einen Tag später schätzen die Experten der Wetterstation die Gefahr einer Flut südlich des Vulkans als sehr wahrscheinlich ein - ähnlich dramatisch wie am 19. Mai oder sogar noch größer, jenachdem, wieviel es in den kommenden Tagen regnen wird.
Die Flutgefahr wird ihrer Ansicht nach auch für die kommenden Monate und vielleicht sogar Jahre eine Gefahr für die Region bleiben.
http://www.mbl.is/mm/frettir/innlent/2010/06/12/verulega_likur_a_edjuflodum/


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Für alle Vulkanfans hat mein Bruder hier was Hübsches gefunden:
http://mobile.twitter.com/eyjafjallajokul
Mein Favorit:
In an effort to improve public relations, I'm working to infuse all future ash clouds with the scent of frying bacon
;-) Iceland turns you on.

Ausblicke

In Island stehen Zapfsäulen einfach in der Pampa rum. Warum auch nicht?
Sieht tierisch amerikanisch aus. Finde ich.




Warten auf Godot ...







gestern auf Ásmúli - Wolkendrama in zwei Akten ...passend zu Germanys Next Topmodel - ich besitze ja kein TV und wenn welthistorisch wichtige Dinge im deutschen TV laufen (wie GNT oder WM-Endspiel) yeaaaaah), suche ich TV-Asylum bei deutschen Freunden.

Dort findet man auch Zuckerwatte zum angucken ...








Dann setzte ich mich heute auf meinen neuen Gaedingur mit 21 Gängen, um die Gegend mal anders zu erkunden alsw zu Fuß. Er trägt mich im flotten Tret rüber zum Vördufell, der Berg hinterm Haus, den ich so gerne besteigen würde, weil obendrauf ein See sein soll.
Leider gab es keinen Weg hinauf, nur Zäune. Wie überall hier.
Zum Wandern muss man definitiv woanders hinfahren.
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Auf dem Rückweg hat sich der Vulkan gedacht, wenigstens er bietet mir jetzt mal was.
Erst kam es weiß. Dann kam es grau. Dann vermischten sich weiß mit grau und eine dünne Aschewolke zog nach Westen. Ob er jetzt weiterbrummelt?





Mittlerweile ist es Abend (haha) und der Himmel zieht sich zu, damit es morgen regnen kann.
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Ausblick für den Abend:
The magic flute von Kenneth Brannagh
... und ein Glas überteuerter saurer Weißwein (*seufz*) den man gerne mit einem Eiswürfel aufpeppen würde, weil wegschütten dann doch zu schade ist.
Ich bleibe dabei: Wein kaufen in Island ist staatlich gelenkte Volksverar**ung.

Thursday, June 10, 2010

Tomaten im Nebel

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Der Tag ist hinterm Berg versunken
Die Nebel ziehn, die Nebel nahn,
Da kommt Melancholie gegangen,
Den Schattenmantel umgehangen.

Sie öffnet leis mein Kammerfenster
Und lauscht, die bleiche Stirn geneigt:
Der Wald ragt still mit schwarzen Tannen,
Müd ruht der Hang, die Wiese schweigt.

Es schleicht ein klagend Herdenläuten
Vom dunklen Tale fern und weit -
Da küsst sie mich und singt mir klagend
Vom alten Glück und alter Zeit.
(Adolf Frey)







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Eine magische Stunde zwischen 2 und 3 Uhr. Nebel lag erst wie ein zarter Schleier auf dem Boden, dann erhob er sich, von unsichtbarer Hand gelockt, hüllte alles in Gespinste ein und tauchte die Welt in Zauberlicht.
Als ich mich am Haus angekommen noch einmal umdrehte, lag er wieder ordentlich zusammengefaltet auf den Wiesen - dann verschwand er, und die Farben wurden wieder grau und hart.
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Es gibt keine Nacht mehr.
Die Sonne ist in diesen Monaten den ganzen Tag im Dienst und das isländische Wort "sólarhringinn" beschreibt es treffend: der "Sonnenkreis" als Metapher für 24 Stunden.
Der Mensch bekommt in diesen Monaten immer mehr Ähnlichkeit mit den Treibhaustomaten, die unter von Erdwärme erzeugtem Dauerlicht dauerbeschallert wachsenwachsenwachsen ohne davon auszuruhen, bis sie erschöpft und prall vom Tomatenbaum fallen.
Es ist schwer, sich gegen Mitternacht ins Bett zu zwingen, schwer zu schlafen, weil der Geist müde wird, der Körper aber nicht.
Schwarze Schlafzimmervorhänge sind hässlich aber nützlich, wenn man nicht als Treibhaustomate enden will ;-)

Tuesday, June 8, 2010

rest of the unrest


Täglich säen wir Samen aus
Für Bäume des Himmels
Darin unsere Träume nisten

Die Vögel fliegen auf
Aus ihren Zweigen
Sieh doch, die Luft trägt!

Täglich säen wir neue Samen
Für einen ganzen Wald Hoffnung
Weil das Paradies in uns wurzelt
(Hilde Domin)

Die Isländer säen nun, im Kampf gegen Asche und schleichende Verödung:
http://www.visir.is/sa-grasfraejum-til-ad-binda-gososkuna/article/201051160288


Am Freitag gab es dann kleine Neuigkeiten vom Vulkan.
Er hatte wohl Blähungen, denn er stieß eine düstere Wolke aus und man befürchtete, daß der Ausbruch nun weitergeht. Immerhin ist es in 1821 ja so gewesen.
http://www.icelandreview.com/icelandreview/daily_news/?cat_id=16539&ew_0_a_id=363439
Dann veränderte sich die Wolkenfarbe von grau nach weiß und man geht nun davon aus, daß möglicherweise nur an einer Stelle noch mal Magma in den Krater ausgetreten ist, wo dann Gletschereis verdampfte. Da Eyjafjallajökull weiterhin eine Dunstwolke umgibt, ist es derzeit nicht möglich, nachzuschauen, was er "plant". Für offiziell beendet kann der Vulkanausbruch daher weiterhin nicht erklärt werden.

Wir spekulieren, was besser wäre - noch ein bisschen Lavashow für den Tourismus? Mit der Chance auf Geschichten, wie jene dramatische von den drei Touristen, die in einem Stadtmobil in Thorsmörk verloren gingen? Oder jener hübschen Vermutung aus einem InternetPferdeforum, daß Streptokokkus zooepidemicus, der Keim, der Islands Pferde weiterhin heftigst husten lässt, ein düsteres Vorzeitwesen aus dem Krater ist, freigesetzt durch die Urkraft der vulkanischen Eisschmelze ...
Reisende wollen nichts lieber als Geschichten mit nach Hause nehmen (Steine dürfen sie ja nicht in den Koffer packen - wusstet ihr das??)
Oder lieber alles einschlafen lassen - in Deutschland hat sich außer für Flugverkehrsstörungen sowieso niemand mehr für den Vulkan interessiert, nachdem BILD herausgefunden hatte daß die Asche den Autolack nicht schädigt und daß keine Lava bis Deutschland spritzen wird, und - am allerwichtigsten - daß die Fußballweltmeisterschaft wie geplant stattfinden kann ... (unsere Vermutung: wäre ich als deutsche Romanautorin nackt mit einem neugeborenen Lamm durch die Asche gelaufen, hätten sie den Reporter vielleicht noch einen Tag länger hiergelassen *gg*) - und das Bild von heiler Welt kultivieren?

Hinter seinem geheimnisvollen Dunstschleier am Horizont liegt er nun, der Insel-berg-vulkan (Eyja-fjalla-jökull), schwarz, breit und bräsig, und er lässt niemanden an seinen Plänen teilhaben.

Das ist vielleicht das Beunruhigendste an der ganzen Sache: die Vulkanmänner stehen vor dem Berg, mit all der Technik bewaffnet, die das 21. Jahrhundert ihnen in die Hand gibt, sie pflastern ihn mit hochempfindlichen Sensoren und stecken schlaue Metallstäbe in jede noch so kleine Öffnung ... und schaffen es doch nicht, in den Berg hineinzuschauen.
Jules Verne ist leider tot.
Niemand kann vorhersagen, was passieren wird.
Für ängstliche Naturen beunruhigend - für thetta-reddast-Typen wie mich spannend und ein weiteres Beispiel dafür, wie die Natur einen hier verdammt noch mal Demut lehrt.







Und so fegen wir weiterhin Asche von den Fensterbänken und klopfen die Hosenbeine so lange ab, bis sie wieder jeansblau sind wenn wir von der Weide kommen (nur deutsche Dummies tragen hellblau, schlaue Menschen tragen einfach immer schwarz g*)
Und waschen die aschesabberverschmierten Pferdejacken einmal öfter, weil da war ja auch was mit Bakterien und so.

Sunday, June 6, 2010

Alles Gute kommt von oben

Das Horoskop erzählt heute was vom "Löwenherz" des Regulus und daß das militärische Ehren oder, in Konjunktion mit Jupiter, einen akademischen Rang oder einen "publishing deal" bedeuten kann.
Alles drei ist absurd und "Löwenherz" gilt vielleicht nur in den USA.
Die Aussage, daß es ein ausgesprochen lucky day sein könnte, lass ich mal gelten, schließlich ist Sonntag und es kann nur besser werden ;-)

"Oben" hat jedoch noch mehr als nur Sterne.
Krías zum Beispiel. Die Raubmöwen sind mir von Flatey vor vielen Jahren in guter Erinnerung, wo sie meiner Schwester und mir einen unglaublich sonnigen Tag fast verdorben haben, weil sie jeden Spaziergänger am Strand kompromisslos angegriffen haben. Ich erinnere einen harmlosen Strandwanderer, dem das Blut ins Gesicht tropfte, nachdem eine Kría ihn erwischt hatte.
Worauf wir zwei uns auf den Friedhof (!) zurückgezogen und den Rest des Tages faul in der Sonne verbracht haben.
Karin - die hier ist für Dich ;-)
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Krías schützen ihre Brut mit militärischer Nachdrücklichkeit. Sowas gibts tatsächlich.

Hier im Skeid fernab vom Meer gibts auch Krías, und noch sind sie friedlich. Sie schweben mit ihren grässlichen Schreien, die das Blut gefrieren lassen, über einem - "hau ab! hau ab!" -minutenlang, dann drehen sie ab, kommen von hinten lautlos wieder, fliegen sogar rückwärts, um den Feind bloß nicht aus den Augen zu verlieren ... und ich frage mich, wann man wohl gefährlich genug für einen Angriff geworden ist.
Die anderen Brüter, Lóa und Austernfischer, fliegen nur hysterisch gackernd umher.
Aber vielleicht ist die Kría auch die Eierpolizei und trägt den Sheriffstern für alle anderen Vögel.

In Island wundert einen eh nichts mehr.
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Schließlich landen auch Außerirdische im orangefarbenen Glibber der Thjorsá. Bin gespannt, wann ich denen mal begegne ;-)

Friday, June 4, 2010

vulcanic mistnights - missnights - midnights

Jetzt hab ich lange nachgedacht, ob es politisch korrekt ist, solche Fotos ins Netz zu werfen.
Immerhin konterkarieren sie das Bild vom fröhlichen, farbenverliebten Island. Das mag es geben - dieser Tage hier unten bei uns nicht. Auch heute war ein mistday - vom allerfeinsten. In Selfoss war es grauer als ein Novembertag mit aller Mühe sein könnte - und doch wusste man daß über der grauen Schicht die Sonne verzweifelt versuchte, ein Loch hindurchzubrennen.
Selfoss, 15 Uhr, der graue Schatten in der Mitte ist der Ingólfsfjall:





Am Abend hab ich mein Abendbrot am Fluß gegessen - die Grenze zwischen Asche (rechts) und normalem Leben (links)



Der Dunst verwischt Konturen, die immer da waren und Sicherheit gaben.


Man hat feinen Staub im Mund, auf der Haut, in den Augen. Als ich heimkomme, wische ich unüberlegt über meine Küchenarbeitsplatte: die Hand ist schwarz. Das Fensterbrett im Schlafzimmer: grau. Der Fußboden fühlt sich an wie ein Reitplatz.
Nur dumme Ausländer lassen bei Aschewolken die Fenster auf, weil sie glauben, sonst keine Luft zu kriegen.
Haha, denkt sich die Asche, dir werd ich zeigen, wie man Fenster schließt.
Haha, denkt sich der Vulkan, mir ist langweilig und ich leg noch mal ein bisschen Asche dazu:
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In Reykjavik sind die Leute mit Atemschutzmaske herumgelaufen weil die Höchstwerte für Staub bei weitem überschritten wurden.
Die staubige Lage soll noch bis zum Wochenende anhalten. Vielleicht ist wandern doch keine so gute Idee. Auf einmal kratzt es im Hals, oje! Mein neues Fahrrad bleibt auch morgen einfach im Auto, da liegt es gut, stört nicht und sieht was von der Welt, wenn ich einkaufen fahre.
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Asche ist dieser Tage Teil unseres Lebens. Ett iss wie ett iss.
Die Urlauber lassen sich davon sowieso nicht abhalten. Seit gestern ist hier ein Verkehr auf den Straßen, daß ich mich an Deutschland erinnert fühle. Auch jetzt noch, 23 Uhr, brandet der Verkehr über die A 30 wie seinerzeit auf der deutschen A4 - hinauf nach Fludir, wo riesige Campingplätze unzählige Wohnwagen beherbergen ... eine Seite Islands, die man nicht glauben kann, bis man sie mit eigenen Augen gesehen hat.
Ich beginne mir vorstellen zu können, wie das hier wohl in der Hochsaison sein wird, wenn auch all die riesigen Sommerhaus- und Schrebergartensiedlungen an Geysir und am Thingvallavatn mit Urlaubern besetzt sind. Zusätzlich zu meinen türenknallenden, nachtaktiven Wochenendnachbarn.
Inspired by Iceland kann ganz schön laut sein ... und Ohrenstopfen beginnen sympathisch zu wirken.