Wednesday, March 31, 2010

Vulkan 3

Eigentlich wollte ich ein Foto posten.
Aber die Natur hat mir die Kamera aus der Hand genommen.

Am Fimmvörduháls ist ein neuer Pickel geplatzt - vor gut einer Stunde wurde die lavafordernde Spalte entdeckt und das Gebiet von der Bergwacht geräumt.
Jetzt - zur posting-Zeit - geht da ziemlich die Post ab, sagt Mila, die webcam:
http://eldgos.mila.is/eyjafjallajokull-fra-fimmvorduhalsi/
Einer der Vulkanologen nennt die neue Spalte dramatischer - hier sieht man, wo die beiden Spalten liegen:
http://www.ruv.is/frett/leidinni-inn-i-thorsmork-lokad
Der Weg in die Thórsmörk ist abgeriegelt worden und vom Fimmvörduháls sind alle Wanderer weggeholt worden.
Anders als beim letzten Mal gibt es bei ruv nun alle paar Minuten neue Informationen, und für Sprachgrobmotoriker wie mich zum Glück auch in schriftlicher Form.

Ich war natürlich draußen - von unserem Haus aus ist das zweite Feuer auch gut zu sehen. Leider beißt der Nordwind einen böse in die Ohren, weswegen ich nicht lange draußen war.

Es ist und bleibt für mich unfassbar, daß sich da an irgendeiner Stelle einfach die Erde öffnet, aufreißt, auseinandergeht ... und flüssiger Inhalt unseres Erdballs ergießt sich nach oben.
Das ist so unglaublich und so unvorstellbar, wo Fels doch hart ist und niemals weicht. Und doch tut er es, wenn es von unten anklopft ...

Monday, March 29, 2010

dust in the wind

Wenn ich gesagt habe, daß der Vulkan nur ein kleines pickeliges Feuer am großen berg ist, heißt das noch lange nicht daß er uns nicht tangiert.
Seit zwei Tagen ist Sturm, und das hier fand ich heute morgen auf meiner Fensterbank:



Ob es Asche ist? Ob sie von "da drüben" kommt?
Besser ist es, die Fenster zu schließen ... Und schon ist der Pickel wieder ein paar Kilometer nähergerückt.
Den ganzen Tag über fegt ein merkwürdiger Staub durch das Land. Er war gestern abend schon aufgezogen, hatte alle Berge und das Nachbardorf verschluckt - heute wirbelte er gar in Wolken herum, und er tauchte die Welt in ein unheimliches Totengrau.


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Keep cool, sagte der Vukan am Abend, als ich bei Fossgerdi zum Fotografieren anhielt. Der Wind verhinderte, daß die Kamera ruhig blieb - und so wurde aus dem Feuerchen halt Kunst.



Die Rettungswacht hat heute wieder Ausländer vom Berg geholt, müde, unterkühlt und ohne Proviant.
Schon am Morgen war vor einem Aufstieg auf den Fimmvörduháls gewarnt worden - minus 20 Grad, Schnee und Windstärken von 18 und mehr - kein normaler Bergsteiger würde sich da aufmachen. Doch die Aussicht, daß das Feuerchen jederzeit erlöschen könnte setzt bei den Menschen ungeahnte Energien und ungeahnten Leichtsinn frei ...

Sunday, March 28, 2010

Im Frühtau zu Berge ...

Gestern hatte ich die einzigartige Möglichkeit, mit ein paar Leuten in tauglichen Autos dem Vulkan näher zu kommen. Wir fuhren den hinteren Weg durch das Fljótsdalur - sonst sehr einsam, derzeit ein Highway, der einen an deutsche Verkehrsverhältnisse erinnert. Als wir den ersten Fluß durchquerten, breitete sich ein verstohlenes Grinsen auf meinem Gesicht aus:
willkommen in Island, schoß mir durch den Kopf. Durch Flüsse fahren ist sowas wie die Essenz dieser Insel. Bei meinem ersten Besuch vor gut 20 Jahren waren Flußdurchquerungen mit dem Touristenbus das Highlight eines jeden Ausflugs gewesen.
Ein Fluß ist in der Regel ein unüberbrückbares Hindernis.
Nicht so hier. ;-)

Der gewählte Aussichtspunkt hieß Thórolfsfjall, ist 875 Meter hoch, und möchte daß man eine 20%ige Steigung zum Gipfel erklimmt. Nicht ungefährlich, wenn gleichzeitig kräftiger Wind an einem reißt - wie überall im Gebirge hat man dem Berg Respekt zu zollen, dann lässt er einen nach oben. Trotzdem waren wir nach einer guten Stunde schon oben.
Was auf der Karte so niedlich aussieht - der kleine süße Eyjafjallajökull - ist RIESIG. Wie ein träges Zitroneneis lag er in der gleißenden Mittagssonne, die gute Fotos leider verhinderte (Panoramaaufnahmen sind eh nicht mein Ding).

Der soll gebebt haben? Das bräsige faule Teil??
Und wüsste man nicht daß sich an seiner Außenkante ein Vulkanausbruch ereignet - man hätte es glatt übersehen.
In diesem Maßstab ist der Ausbruch von Fimmvörduháls tatsächlich nur ein aufgegangener Pickel am Kinn eines echten Vulkans, so will es einem vorkommen. Ich hab jedenfalls die Rauchwolke suchen müssen ...





Mehr war leider nicht zu sehen, und so werden wir weiterhin die nächtliche Laterne des Vulkans von unserem Haus aus und die Videos von ruv.is genießen. (meine Faszination für Lava kann sowieso kaum jemand nachvollziehen)
http://http.ruv.straumar.is/static.ruv.is/vefur/26032010_gog_eldfoss_hvannargili.wmv


Möglicherweise war Fimmvörduháls ja auch eingeschüchtert.
Denn nicht nur am Boden hatte der Verkehr beunruhigende Ausmaße angenommen - auch in der Luft herrschte big traffic. Hubschrauber wechselten sich mit Kleinflugzeugen ab, und die stille Thórsmörk - jenes romantische Tal unterhalb der beiden Vulkane, wohin sich gerade ein Lavastrom ergießt - hat sicher noch niemals zuvor soviel Fluglärm zu ertragen gehabt.

Die Summe von 200.000 ISK für einen Lavaflug machte die Runde, und man konnte sich - sinnierend in einer windgeschützten Ecke des Bergs sitzend, des Eindrucks nicht erwehren, daß dieser kleine schlaue Vulkan möglicherweise eng mit der aufblühenden Tourismusindustrie zusammenarbeitet.
Wann hat man sowas schon mal so nah und so gezähmt vor der Nase?
Normalerweise sind Vulkanausbrüche in Island entweder gefährlich, oder so abseits im Hochland, daß kein normaler Mensch hingelangen kann. Und nun? Keine 150 km von Reykjavik entfernt!
Noch machen sich viele Leute über die Lavatouristen lustig. Aber mal gucken gehen würde vermutlich doch jeder, wenn er ehrlich ist und die Möglichkeit bekäme.

Von oben gucken sie schließlich auch.
Hier ein Foto von der NASA:
http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=43252








Für uns gabs also keine Lava zu sehen, was ich ein bisschen bedauerte - aber der Ausblick auf das riesige, vom Gletschervulkan flankierte Flußtal war Entschädigung genug.
Am Ausgang des Tales liegen zwei Bergfelsen im Sand, Stóra Dímon und Litla Dímon. Ein Meeresriese hat sie verloren, erzählte Fanney. Er fror am Meeresgrund und wollte sich von der brennenden Hekla ein bisschen Lava holen, um sich daran zu wärmen. Aber der Weg war so weit und die Lava so heiß in seinen Händen ... Den ersten Lavabrocken verlor er am Ausgang des Tales - Stóra Dímon - den zweiten verlor er kurz vor dem Meer - Lítla Dímon. Dann lief er noch mal los, und auf dem Meer verbrannte die Lava ihm die Hände - er ließ sie fallen, und so sind die Westmännerinseln entstanden.





Wenn dem Nachbarvulkan Katla der Eishut wegfliegt, füllt sich dieses Tal bis zum Rand mit Schmelzwasser. Einer der Mitwanderer hatte das schon mal erlebt. Solche Geschichten finde ich sehr spannend - genauso wie die Geschichte eines anderen Mannes, der sich erinnern konnte als Kind bis zu den Knien in Asche gestanden zu haben. Oder die meiner Isländischlehrerin, die von der dramatischen Evakuierung aus Heimaey berichtete - damals ist sie 12 gewesen, nur wenig älter als ich und hat ihr Zuhause verloren.
Als das National Geographic Magazine in den 70gern das Heft zum Vulkanausbruch von Heimaey herausgab, habe ich nächtelang nicht geschlafen, weil mir die Bilder von weißen Häusern, die bis zu den Fenstern in rabenschwarzer Asche versanken, und von rotglühender Lava nicht aus dem Kopf gingen.
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Heute morgen fand ich übrigens Asche auf meiner weißlackierten Fensterbank.
Feiner hellgrauer Staub, unterhalb des Fensters, vom gestrigen Sturm in mein Zimmer gepustet.
Die andere Seite des Spektakels, grau fluoridhaltig und giftig.
Man soll den Vulkan eben doch nicht zu nah an sich heranlassen ...

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Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir vom ersten schweren Unfall hören werden. Björgunarsveit - die isländische Rettungsorganisation, beugt sich dem Tourismus und will nun einen Weg von Skógar nach Fimmvörduháls ausweisen. Da das Wetter noch lange nicht wandertauglich ist (man lasse sich durch ein paar Sonnentage nicht blenden!) gleichen die Verhaltensmaßregeln für die 30 km/1100 Höhenmeter/ denen eines hard-core-Himalaya-Trips:
http://www.ruv.is/frett/bjart-en-kalt-fimmvorduhalsi

Ich hoffe, daß Selbstüberschätzer vorher nachdenken, bevor die Allgemeinheit für ihren Leichtsinn aufkommen muss.
Bereits gestern am späten Abend waren mangelhaft ausgerüstete Wanderer am Aufstieg zum Háls eingesammelt worden. Sie hatten gedacht, man könne mal eben da hochturnen, und drohten im Schnee zu erfrieren. Und auch von der Notladung eines von Lava getroffenen Flugzeugs war die Rede ...

Thursday, March 25, 2010

Spuren

... im schwarzen Sand hinterlässt man am Fluß.
Und immer findet man nur die eigenen - sonst ist dort niemand. Nur der Fluß, die ersten Wildgänse - und die Sonne, die mir heute das Gesicht verbrannt (sic!) hat.









Wednesday, March 24, 2010

Entdecke ...

... das Grün.
Hieß zumindest heute der Plan.
Der Sturm war abgeflaut, der Vulkan wieder aufgestellt. Er sprudelt zuverlässig vor sich hin und soll nun für Touristen freigegeben werden, nachdem die Polizei keine Lust mehr hat, Abenteurer, Lebensmüde und MöchtegernPressiker aus der Thórsmörk rauszuwerfen.
Warum das nicht so ganz ungefährlich ist, sieht man hier:
http://www.youtube.com/watch?v=veTfrQMx-6o
und hier:
http://www.youtube.com/watch?v=tGPD_0SCDp4

Auf der N 1 reiht sich inzwischen ein Hochlandjeep an den anderen und natürlich heißt das Ziel nicht - wie fad - Hochland, sondern Fimmvörduháls.
Lavanteuer sozusagen.
Ein erster Reiseveranstalter rät, die Lavatour schnell zu buchen, man wisse ja nicht wann sie wieder aufhört zu sprudeln:
http://iceland.nordicvisitor.com/travel-deals/special-volcano-tour/?utm_campaign=volcano_special&utm_source=iceland_review&utm_medium=bnr

Frische Fotos für alle nicht-youtube-Fähigen gibt es hier:
http://www.ruv.is/frett/nyjar-myndir-fra-eldstodvunum





Mein Bad hair day lag hinter mir - andere hatten noch damit zu kämpfen.




Also nichts wie der Sonne entgegen, seit vorgestern ist schließlich Frühling, selbst hier in Island - und das Grün unübersehbar



wenn auch nur lokal begrenzt, nämlich IN einem Bach. Alles andere wäre für Gras lebensmüde.
Der Busch grünt und blüht auch nur so fleissig, weil er bei mir am Küchenfenster in der Vase steht und sich fröhlich einbildet, es wäre Sommer. Ich lass ihn in dem Glauben, immerhin blühen auch die Tulpen in der Nachbarvase kräftig vor sich hin.
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Heiter kam ich nach 5 Kilometern zuhause an, um festzustellen daß ich mein Handy unterwegs verloren hatte. Bad hair day ist schneller zurück als man gucken kann.
Somit wurden es heute 10 Kilometer laufen, denn natürlich fand ich das Handy auf dem RÜCKweg, fein säuberlich neben dem Stein am Bach, wo ich die Jacke beim Fotografieren fallengelassen hatte.
Unsinn - natürlich hatten es die Elfen dort hingelegt.




Der Abend endete - mit was sonst? Mit Vulkan.
Als ich ins Dorf einbog, lenkte der klare Abendhimmel den Blick direkt in die Spalte rein - 60 km weit weg, aber die Lavafontänen kann man mit bloßem Auge erkennen.
Auto gewendet, mit überhöhter Geschwindigkeit über zwei Berge nach Hella gerast. Von dort sah man das Schauspiel noch besser - die Lava tanzt, als herrsche in der Hölle Party und die coolsten Gäste hotten draußen ab. Ihre rote Wolkenlaterne leuchtet schwülstig in den Nachthimmel.
Als Kind wollte ich immer Vulkane von nahem sehen und erforschen.
Jetzt hab ich einen direkt vor der Haustür.
Ein großartiges Gefühl, und irgendwie sehr unglaublich. Unfassbarer als Komet und Sonnenfinsternis. Die Erde zu unseren Füßen öffnet sich und schickt uns in flüssiger Form das nach oben, aus dem unser Planet gemacht sind ...
Ey - da hinten bricht grad ein Vulkan aus - hinter der Tankstelle rechts.
Was? Wo? - Coool.

Tuesday, March 23, 2010

Drama, Winde, Wahnsinn

Der alte Spruch vom Sack Reis in China passt irgendwie immer - wen interessiert, wenn in Island ein Vulkan umfällt? ;-)

Und das Leben geht ja auch weiter, ohne zu fragen.
Die evakuierten Bauern konnten auf ihre Farmen zurückkehren, der Vulkan sprudelt fröhlich vor sich hin und entsendet einen Lavastrom nach Norden in die Hrunagil. In der Thórsmörk gibt es dann eine Attraktion mehr zu bestaunen - falls das Lavasprudeln jemals wieder aufhört.
Katla schweigt, Hekla auch. Die Katastrophentouristen sind enttäuscht. Was für ne schlaffe show.
Neue Fotos gibt es auch nicht, weil das Wetter hier im Süden sehr schlecht war - es stürmt seit gestern, als gäbe es Freibier ... oder als wolle der Wind beweisen, daß er mit genügend Stundenkilometern im Blut auch was kann:
Malen nämlich.






Heute hat er den Pinsel herausgezogen und den Himmel bemalt - vielleicht damit das Grau nicht ganz so trist aussieht.
Oder um zu zeigen, daß man Nordlicht auch an den Wolken basteln kann.
Oder damit ich mich mal vor die Tür traue - man hebt nämlich fast ab, wenn man das Dorf hinter sich lässt.




Ich hab den ganzen Tag damit verbracht, neben den (vulkanunergiebigen) rúv-Nachrichten isländische Fachtexte über Fluoridvergiftung zu lesen. Nicht daß ich wirklich isländisch könnte. Ich kann Medizin, aber isländisch bleibt über dem Grundwissenspegel wirr.
Wenn man jedoch mit einer gewissen fröhlichen Überheblichkeit an solch einen Text herangeht und einen guten Draht zu seinen Wörterbüchern hat, dann kann man durchaus 90% der facts erfassen.
Ein Streber würde die ganze Vokabeln natürlich auch auswendig lernen. Ich beschränke mich darauf, sie aufzuschreiben, weil ich sie ja nach 2 Minuten schon wieder vergessen habe.
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Und morgen stellen wir den umgekippten Vulkan wieder hin und überlegen uns was, damit das Leben nicht zu langweilig wird.

Monday, March 22, 2010

Rotlicht 2

Hier zwei Fotos des Fotografen Ragnar Axelsson aus der Tageszeitung Morgunbladid, die ich mal verlinke, weil es die einzigen Bilder sind, die die Spalte so genau abbilden. (danke an Sonja!)
Axelsson ist einer der besten Fotografen hier auf der Insel, wie ich finde.
http://www.rax.is/
Sein Buch "Faces of the North" ist Meditation im Bild.



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Heute abend wird es vermutlich neue Bilder geben, nachdem ein Flugzeug des FBSR-Rettungsteams versucht hat, die Spalte anzufliegen. Die Flugbedingungen sind schwierig, weil es sehr stürmisch in der Region ist.
Nach neusten Meldungen gibt es Anzeichen dafür, daß sich die Spalte verbreitert.

Rotlichtbezirk

Danke an Cat für diesen netten Vergleich :-) - Island hat also einen neuen Rotlichtbezirk.

Gestern abend haben sie drüben die rote Laterne ausgehängt - deutlich war in der Dunkelheit die rote Lava und ihr Lichtschein zu erkennen. Anders als in der Nacht davor zeigte sich der Ausbruch von Fimmvörduháls gestern scharf umrissen gegen den Nachthimmel und war umso beeindruckender.
"It could last for years" meinte mein Hausgenosse lakonisch.

Das mag ich so an den Isländern. Nur keine Panik. Stay cool. Vulkane brechen seit der Besiedelung vor 1000 Jahren aus - du kannst eh nichts dagegen tun. Lebe also lieber mal heute - morgen könnte nämlich schon alles unter Lava liegen.
Das ist die Lektion, die Island einem chronisch besorgten Europäer erteilt.


Heute morgen hat sich die Lage verändert, berichtet http://www.ruv.is/

Die Spalte ist größer geworden und schiebt sich nach Nordosten, die vulkanische Aktivität verstärkt sich. Durch Wasserbeimengung aus einer unbekannten Quelle ist Dampf zur Lava gestoßen - die Lavafontäne erreichte am Morgen eine Höhe von 8 Kilometern und die Rauchwolken waren nun bis zu uns in Hlemmiskeidi zu sehen.
(das Foto ist von 13 uhr Ortszeit)






Seit 10 Uhr verstärkt sich die Eruption weiter, frische Bilder aus dem Flugzeug zur Rauchwolke stecken in diesem link:
http://www.ruv.is/frett/oroi-ad-aukast

Eine Nachbarin fand Asche - feine graue Körnchen - auf dem Teller, den sie gestern Abend vor die Tür gestellt hat.

Asche fiel selbst bis in die Flugzeughangars von Keflavík: nachdem gestern vormittag der Flugverkehr wieder freigegeben worden war, haben sich die Mechaniker der staatlichen Fluglinie Icelandair nun entschieden in Streik zu treten, um ihren Forderungen nach höheren Löhnen mehr Druck zu verleihen.
Sie hätten sich kaum einen passenderen Zeitpunkt aussuchen können - jetzt, wo Schaulustige und Wissenschaftler aus aller Welt nach Island wollen, um Lava anzugucken (was natürlich nicht möglich ist) und part of the game zu sein.
Der Flugverkehr ist daher erst mal wieder eingeschränkt (Iceland Express ist nicht betroffen) - interessant, wie lang so ein vulkanischer Arm doch sein kann ...

Nicht alles ist rot oder grau - manches ist auch grün in Island.
Mein Text über das Nordlicht ist jetzt online:
http://www.icelandreview.com/icelandreview/deutsch/alltag/?cat_id=66878&ew_0_a_id=359668

Sunday, March 21, 2010

Vulkan 2

Irgendwie war es ja doch klar, daß irgendwas passiert, wenn ich hier lebe.
Eins meiner nächsten Bücher wird ganz sicher in Island spielen - der Rest der Welt ist doch fad gegen diese Insel.

Und wenn ich mal genauer nachdenke ... ist es (zumindest für mich) irgendwie konkreter, echter, ehrlicher, mit Bedrohungen wie einem Vulkanausbruch zu leben als mit der perfiden Bedrohung durch Finanz- oder andere Ämter, durch Regeln, ein überfülltes Land oder Kleinkrieg im Straßenverkehr.

Die junge isländische Dame von letzter Nacht hat es nicht geschafft hat, mir Angst zu machen. Sie erzählte vor der Kulisse der sprühenden Lava Horrorgeschichten, von den Skaftaeldar, die wenn es da mit Lava losgeht, Island plattmachen würden, und von wegen 2012 wäre sowieso Weltuntergang, weil der Kalender der Hindus nur bis 2012 gehe und daß die Hindus immer wüssten was richtig ist.
Nee ist klar.
Ich habe gerade angefangen zu leben und noch viel vor. Mein ganz persönlicher Weltuntergang liegt hinter mir, ich hab überlebt. Eher unwahrscheinlich, daß mir jetzt ein Lavabrocken auf den Kopf fällt.
Ein "brave girl" nannte mich vorgestern jemand. So ganz alleine in ein fremdes Land zu gehen, wo man niemanden kennt, keinen Familienanschluß hat und einfach versucht dort zu leben und zu arbeiten.
"You are a very brave girl." wiederholte sie.
Tapfer - oder verrückt?
Gestern Nacht dachte ich .... hm - vielleicht doch eher verrückt.

Ein bisschen kam aber auch so ein Indiana Jones-Gefühl auf - allerorten Katastrophenstimung, Dagmar alleine zuhaus und ahnungslos, was im Fall einer Katastrophe denn wohl zu tun wäre. Der Hausherr aushäusig und wegen live on stage nicht erreichbar, die Nachbarn woanders feiern. Die Teenager ziemlich aufgeregt und keine wirkliche Hilfe. Und dann noch diese Horrorgeschichten.

Ich hab also ganz schnell isländisch gelernt und konnte gegen 4 Uhr morgens beinah routiniert den Meldungen im Radio folgen. Und alles war nur noch halb so wild. Man denkt nicht mal über den genauen Inhalt einer Reisetasche nach, weil Klamotten auf dem Land egal sind. Hauptsache Laptop und Kamera sind griffbereit. (und natürlich alle Akkus geladen)

Der Vulkan sprudelt weiter dizipliniert vor sich hin. Erste Aufnahmen aus dem Fluegzeug:
http://http.ruv.straumar.is/static.ruv.is/vefur/innklipp_eldgos.wmv

Die Gefahr einer Flut ist erst mal gebannt, weil es am Ausbruchsort kein Eis gibt. Aber man befürchtet daß sich Katla, der Vulkan unter dem Mýrdalsjökull, nun zu einem Ausbruch hinreißen lässt - was der Fall sein kann, wenn Eyjafjallajökull als "Zünder" für Katla fungieren würde. So die Theorie der Vulkanologen.
http://www.icelandreview.com/icelandreview/daily_news/?cat_id=16539&ew_0_a_id=359655.
Am Abend hieß es sogar, daß Katla dem Eyjafjallajökull immer gefolgt ist ... nach Wochen, Monaten oder Jahren. Noch ein Grund, hierzubleiben ...?

Wie lange sich die Geschichte am Fimmvörduháls hinziehen wird, kann jedenfalls niemand vorhersagen:
http://www.icelandreview.com/icelandreview/daily_news/?cat_id=16539&ew_0_a_id=359661


Als Kontrast dazu noch eine hübsche Wikingergeschichte, wie man sie vermutlich nur hier erleben kann.
Vorgestern Nacht wache ich gegen halb 2 auf, weil draußen Stimmen von irgendwoher kommen. Von der nächsten Farm? Aus Selfoss? Es war windstill und Geräusche reisten wieder geheimnisvoll durch die Luft ...
Und dann begannen Menschen zu singen. Ein isländisches Lied mit getragener Melodie und ich hatte die schlaftrunkene Vision einer mittelalterlichen Prozession mit schwarzen Tüchern und Laternen, und einem Sarg, aus dem Dorf hinaus .... Nichts da.

Sie saßen schräg unter meinem Fenster im Hotpot. Zwei Frauen, zwei Männer, friedlich im Kreis, auf dem Wannenrand Bierdosen.
Die Nachbarn mit ihrem Besuch. Und sie begannen um halb 2 Uhr in der Nacht zu singen - vierstimmige Choräle und Volkslieder, daß es eine Lust war zuzuhören. Waren sie mit einem Lied fertig, tranken sie Bier, unterhielten sich leise - und einigten sich auf das nächste Lied, stimmten an und legten isländischen Seelenschmelz in die neue Melodie.
Bis gegen 4 gab es dieses äußerst bizarre Konzert, dann verschwanden sie wie ein paar Elfen lautlos aus dem Hotpot - wie und wohin, schwer zu sagen weil man nichts hörte.

Und es wurde still, die Nacht übernahm die Herrschaft und verteilte freundlich Schlaf an alle die, die ihn bisher nicht hatten finden können .....

Saturday, March 20, 2010

Vulkan - aber hallo!

Haben wir hier alle gescherzt, nun hätte er genug Lärm gemacht und schwächele ... hat der Eyjafjallajökull uns allen eine Nase gedreht. Eine Hofbesitzerin in der Nähe meinte gestern abend gegen 19 Uhr noch lachend, sie sei gaaaanz entspannt. Da passiere nichts.
Gegen Mitternacht war ich nicht weit vom Vulkan unterwegs. Wunderte mich über für isländische Verhältnisse viel Polizei mit Blaulicht. Fuhr müde heim.
Dann kam die sms - der Vulkan ist ausgebrochen!

Zuerst herrschte Chaos im Radio - doch schnell gab es eine funktionierende Dauerberichterstattung, basierend auf Augenzeugenberichten und den Vulkanologen und Rettungsmannschaften vor Ort.
Inzwischen weiß man wo die Lava herkommt - die Erde hat sich zwischen Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull geöffnet.
Die Lavaspalte ist 1 km lang. Eine Wasserflut, weil Lava Gletschereis schmelzt, wird für möglich gehalten, bisher wurde aber noch nichts gesehen.

Die Kinder meines Wikingers holten mich gegen 1 Uhr vors Haus - man konnte den Vulkan ernsthaft sehen! Ein kleiner Punkt am nächtlichen Horizont, der wütend orangerote Lava sprühte und den Himmel rot färbte.
Zu klein zum fotografieren. Aber groß genug, um im Herzen zu bewahren ...

Bisher ist alles ruhig, keine besondere Gefahr. Die A 1 ist zwischen Hella und Selfoss gesperrt (gewesen?), ein Flugzeug aus Boston hat abgedreht, inzwischen sind alle Flughäfen im Süden für den Flugverkehr gesperrt, weil die Asche zu fallen begonnen hat. Wegen kräftigem Ostwind werden wir davon wohl was abbekommen ...

Irgendwie traue ich mich nicht ins Bett. Angst muss man keine haben. Aber noch nie war Radio hören so spannend ...

Frühling?

Angeblich soll morgen Frühlingsanfang sein.
Sagt der Kalender.
Der Kalender muss sich irren.

Die hier halten schon ewig Ausschau.




Und die hier:



Die auch. Täglich.


Nach langem Suchen hab ich was gefunden, was vielleicht darauf schließen lässt, daß bald Farbe ins Leben einkehren könnte.



Ich werde heute vorsichtshalber mal ein Vermögen für ein paar Blumen ausgeben.
Selbst ist die Frau.

Thursday, March 18, 2010

Tiefe Löcher

So friedlich die Thjorsá auch da rumliegen mag - ihr Ufer ist es nicht.
Was sich da schlammig-harmlos vom Eis erholt, ist alles andere als stabil, und wenn es noch so begehbar aussieht.

Am gruseligsten war dieses Loch, randvoll mit orangefarbenem Glibber, und ein Ende des Lochs war nicht erkennbar.




Auf diesem eher blöden Foto ist zu sehen, wo noch vor ca einer Minute meine Füße bis zur Wade im Treibsand steckten - es gelang mir so grade noch, mich da rauszuziehen, und aus einer verborgenen Quelle sprudelte Wasser hoch und füllte die Löcher ................


Was hinter der magischen blauen Farbe steckt, hab ich gar nicht erst zu eruieren versucht.



Wenn ich also hier nicht mehr blogge, bin ich in irgendein Loch gefallen und betrachte Island von unten.
Sucht dann nach kata-skaldkona-sjá-nedar. ;-)

Wednesday, March 17, 2010

The Art of loosing



Danke an Fanny für dieses tolle Gedicht! :-)

One Art (Elizabeth Bishop)

The art of losing isn't hard to master;
so many things seem filled with the intent to be lost
that their loss is no disaster.

Lose something every day.
Accept the fluster of lost door keys, the hour badly spent.
The art of losing isn't hard to master.

Then practice losing farther, losing faster:
places, and names, and where it was you meant to travel.
None of these will bring disaster.

I lost my mother's watch. And look! my last, or
next-to-last, of three loved houses went.
The art of losing isn't hard to master.

I lost two cities, lovely ones. And, vaster,
some realms I owned, two rivers, a continent.
I miss them, but it wasn't a disaster.

--Even losing you (the joking voice, a gesture I love)
I shan't have lied. It's evident
the art of losing's not too hard to master
though it may look like (Write it!) like disaster.






Monday, March 15, 2010

timing

Wer im richtigen Leben immer zu spät kommt weil er kein timing hat, der kann am Auslöser zumindest üben.
Timing ist manchmal auch einfach nur Geduld haben.



Saturday, March 13, 2010

Was man hört ...

Wenn ich in der Nacht meinen letzten Spaziergang mache, bleibe ich an der Kreuzung stehen und lausche.
In windstillen Nächten ist da nichts.
Kein Laut, kein Auto, kein Mensch - kein Nichts.
Gestern abend hörte ich, wie zwei Männer sich unterhielten. Nicht in unserem Dorf. In Langamyri? Votamyri? Irgendwo am Horizont. Die Luft trug ihre Stimmen zu mir - 'da, hör zu' - und dann nahm sie sie weg und brachte den Klagelaut einer Kuh. Aus Ólafsvellir?
Als ich zurückwanderte, war es wieder still.
Richtig still.

Die Thjorsá hat sich vom Eis befreit. Sie gurgelt nur noch hier und da unzufrieden, wo der Panzer nicht wegschmelzen will, der sie viele Tage mit Knacken und Ächzen belästigt hat.
Da wo nichts mehr stört, fließt sie lautlos.
Der Schrei der ersten Wildgänse kommt zu früh.







An manchen Tagen ist es so still, daß oben und unten verschwimmen.
Aber das ist gleichgültig, unterm Strich.
Pferde sind immer schön, egal wie man sie betrachtet.

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Reglose Stille.



Friday, March 12, 2010

Pferdekram

So wie mich früher jeder hier am Seil von Herrn Scheck kannte (den es nicht mehr gibt), kennt mich heute jeder als an Weidezäunen stehend, nur guckend, wie ein kleines Mädchen sich von den wunderbaren Wesen verzaubern lassen - und Fotos machen.








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Thursday, March 11, 2010

knockin' on heavens door

Nach zwei Tagen Dauerregen von geradezu eiflerischem Ausmaß, unterbrochen von Pausen in denen es nicht ganz so heftig regnete, und man zumindest mal den Fuß vor die Tür setzen konnte, riß gegen Abend der Himmel auf und tat so, als ob er die ganze Zeit schon heiter gewesen wäre. Er tauchte die erschöpften Weiden in tiefes Gold und warf zum Sonnenuntergang einen Regenbogen an den Horizont, der von Nord nach Süd reichte und sich schließlich verdoppelte und erst verlosch als die Sonne hinter dem Berg verschwunden war.

'Siehste', sagte der Himmel gegen Ende des Abendrotes, 'ich kann auch Farbe'.




Spät in der Nacht werde ich vor die Tür gerufen.
Die Zeit der Nordlichter ist fast vorbei und es hat nicht viele gegeben diesen Winter. Mal war es zu windig, mal zu warm, meist war der Himmel bedeckt. Das letzte Nordlicht begegnete mir im Schneematsch am Hellisheidipass, wo man zum gucken schlecht anhalten kann, und ich hatte Mühe gehabt, nicht in den Graben zu fahren.

Gestern abend gab es ein Drama am Himmel, eine Oper in drei Akten.
Sie hatte längst begonnen, als ich in den nächtlichen Zuschauerraum schlich. Seidenvorhänge wallten über den Berg, giftgrüne Vorhänge, hinter denen sich der Künstler verbarg. Eine Art zweite Milchstraße spannte sich zusätzlich über unser Dorf - sie war der zweite Akt, denn als sie wuchs und einen nächtlichen Regenbogen mimte, kam der Künstler hinter dem Vorhang hervor ... vielleicht um den Menschen zu beweisen daß sie nicht alleine sind:

aus dem Bogen war ein paar Flügel gewachsen, deren Schwingen sich schützend von einem Berg über unser Dorf hinüber zum anderen Berg breiteten. Die Luft spielte freundlich mit den Federn und die Flügel waren nicht mehr grün sondern weiß.
Ihr rechtes Ende begann sich zu kringeln, wie wenn der Regen Locken nass macht und sie sich hochziehen, und wie Locken tanzten auch die Kringel umeinander herum, auf und nieder, vorwärts und zurück, und der Wind blies Härchen hierhin und dortin und spielte zärtlich mit ihnen, bis die Locken sich ihm entzogen und einvernehmlich in eine neue Metamorphose tauchten.

Dann war der Engel fort.
Der dritte Akt begann im Westen - da löste sich meine Starre und ich konnte die Kamera holen.

Es ist nah an der Furcht, was man empfindet wenn man nachts alleine im Stockfinsteren steht und über einem der Himmel zu toben beginnt.
Da hilft kein physikalisches Wissen, keine postmoderne Nüchternheit, kein Rationalismus.
Es ist nah an der Furcht, es ist Respekt, es ist Demut - es fragt nach Gott.




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Sunday, March 7, 2010

Hestanálgun

Eine Annäherung an Pferde gab es an diesem aus dem nichts verschneiten Sonntag in der Rangahalle in Hella - eigentlich kein Wetter für meine Silberflunder, aber ich bin natürlich trotzdem .....
Die Referenten klangen zu interessant. Magnús Lárusson sprach über Gemüter und Temperamente von Pferden, und wie man Angst durch Vertrauen und Respekt beseitigt. Angst ist ein Begriff, der immer häufiger auftaucht, was hoffen lässt, daß die Zeiten von Rennhektikern bald vorbei sind.

Diese junge Stute jedenfalls hat sich von seinem Longiergefuchtel wenig beeindrucken lassen - Nordpferd eben.








Als nächstes folgten drei Reiter aus Hólar, der Pferdeuniversität im Norden Islands. Hólar steht für Neugier, Innovation - aber auch für Abwege. Einen davon bekamen wir heute zu sehen.

Was in schöner Harmlosigkeit begann - ein Junghengst auf Knotenhalfter geritten - endete im unseligen "kissing the stirrups", einer Westernmethode, um jungen Pferden das Anhalten und das Biegen beizubringen. Sie werden ausgiebig dafür gelobt - für mich ist und bleibt es Terror, weil man Anhalten auch pferdefreundlich und nach klassischen Grundsätzen lernen kann, und Biegen sowieso anderen Gesetzen folgt.

Ein küssendes Pferd sieht in der Regel ziemlich hilflos aus:








Reiten auf Gewichtshilfen - wieder beeindruckend.







Innovation ad absurdum: "Stärkung der Oberlinie" - auf Kosten von Rücken und Hinterhand.
Der neue Trend: das Pferd vorne einrollen, damit es hinten den Rücken hochwölbt.






Wo die Oberlinie ist, demonstriert die Schur.
Wo die Hinterhand bleibt, ist logische Folge vom Kopfgezergel. Selbst wenn es gewaltfrei mit reiner Spielerei erwirkt wird, so bleibt es doch eine unphysiologische Manipulation der Oberlinie, die sich im Verlust der Hinterhand niederschlägt.
Ein Pferd, derart auf der Volte geritten, setzt zwar den inneren Hinterfuß unter den Bauch, es trägt aber mitnichten. Es trippelt und hält die Hüfte fest, um nicht umzufallen. Die Manipulation am Kopf stört die Balance statt sie zu stärken.






Runa Einarsdottir-Zingsheim war aus Deutschland angereist, um als Referentin Theorie und Unterricht beizutragen.
Mich hat schwer beeindruckt, wie ehrlich und demütig sie in ihrem Vortrag mit sich ins Gericht ging, ihr Können beurteilte, und mit welcher unprätentiösen Haltung sie von ihren ersten Erlebnissen im klassischen Reitunterricht erzählte. Es gehört schon was dazu, als Weltmeister vor einem Publikum zu sagen "Ich weiß eigentlich nichts."
Auch den Schritt als Mutter aller Gangarten im Land des Nicht-Schritts anzupreisen ist mutig - bleibt zu hoffen, daß ihr das wenigstens ein paar Zuhörer geglaubt haben.

Sie hat sich auf den langen Weg gemacht - wohlwissend, daß vieles von dem, was in der Vergangenheit geholfen hat, in Zukunft tabu sein muss, wenn es für das Pferd wirklich ernst sein soll.
Ich wünsche ihr von Herzen, daß sie nicht von ihrem Weg abkommt, weil allein der Weg das Ziel ist.
Und natürlich wird es interessant sein, zu beobachten, wie sie den Spagat zwischen Sport und klassischem Reiten für sich und ihr Pferd gestalten wird.

Ihr Unterricht unterschied sich wohltuend von dem Hólargerolle, das sie mit "Wir müssen sehr aufpassen, was da passiert, das ist gefährlich" kommentierte.

Der erste Schüler war Hinrik Bragason. Er wärmte seinen Fuchs im Schritt auf, mit der Bemerkung "Wir arbeiten viel zu viel im Tölt auf verspannten Pferden."
Wie beim letzten Mal fand ich seine Kandarenzügelführung beeindruckend: das Pferd suchte tatsächlich die Anlehnung und ließ sich in ein schönes vorwärts-abwärts fallen. An der Islandkandare muss das erst mal jemand nachmachen (oder auf die Idee kommen *g*)

Zusammen mit Runa arbeitete er nach beeindruckendne Trabreprisen am langsamen Tölt - hier hatte das Pferd deutliche Anlehnungsprobleme und der Rücken war nicht mehr da, dennoch sah man immer wieder nachgebende Zügel und hängende Kandarenschenkel.
Der Sperrriemen fehlte übrigens.





Siggi Sig, wieder mit einem Schimmel unterwegs, ließ sich in die Geheimnisse des spanischen Schrittes einweihen. Mir bleibt die Fasziniation der Lektion fremd, aber natürlich stärkt sie die Schulter was interessant ist wenn man Vorhandaktion sucht.
Runa zeigte ihm charmant wie es geht, wie es nicht geht, daß langsam mehr ist - und daß ein Pferd viel lieber arbeitet wenn es für Leistung gelobt wird.
Und so hat Siggi an diesem Abend das Loben gelernt - und sein Pferd den spanischen Schritt.







Das letzte Pferd war auch das interessanteste weil es die meiste Entwicklung barg.
Es kam als verspanntes, gasgetriebenes Rennpony in die Halle, viel Tölt, viel Aufrichtung - viel Aufregung. Runa zeigte dem Reiter mit Auge und Sinn fürs Detail, wie er seinem Pferd die Hand anbietet, die es offenbar nicht kannte.
Das Ziel - vorwärts-abwärts - wurde nicht erreicht, aber in den zehn Minuten wurde der Rappe zumindest ruhiger und länger, er wagte es, sich zu strecken - und er schaffte es, durch die neue Zügelbegleitung mit allen Vieren gebogen auf dem Zirkel zu laufen, statt wie vorher, auf dem Zirkel geradeaus zu laufen.




Von solchen Veranstaltungen darf es ruhig mehr hier in der Gegend geben.

Friday, March 5, 2010

Eldgos - Vulkanausbruch ... nee oder??

Eigentlich denkt man - Island, boa, spannend, Vulkane, action, keine fade Doofnatur.
Und dann spuckt die Warnzentrale so ein Bild aus:



und die Geschichte bekommt einen anderen Geruch.
Nix die alte Nachbarin Hekla, die seit Jahren überfällig ist, sondern der Eyjafjallajökull, der kleine Bruder vom Myrdaljökull, welcher auch seit einiger Zeit rumort - beide sind unterirdisch miteinander verbunden.
Statt mich mit meinem schottischen Scheißkerl Máelsnechtai of Moray rumzuzanken, beschäftige ich mich seit heute Morgen lieber mit Herrn Richter von der Skala und versuche isländische online-Zeitung zu lesen.
Hier gibts viertelstündlich neue Bebeninfos:
Und um Mittag hieß es in den online-Nachrichten, daß ein Vulkanausbruch in den nächsten Tagen ziemlich wahrscheinlich sei:
Ich bin froh daß der Bebenmann Magnús Tumi so nett lächeln kann. Dann kanns nicht so wild sein, odr.
*hoff*
... Ein klein wenig katastrophenlüstern ist man ja schon auch, wenn man trotz des mulmigen Gefühls (ja doch ...) die Wetterkarte für die nächsten Tage bemüht und nichts als Regen, Regen, Regen sieht - keine Fernsicht.
Keine Fotos.
*beschämtwegguckt*
;-)

Thursday, March 4, 2010

Männergeschichten: Drei im Glück

Drei, die sich mögen - die Gebrüder Löwenherz und der schwarze Marzipanprinz.
Leben kann so schön sein, wenn man einfach nur "Mann" sein darf ;-)