Friday, December 24, 2010

Chrismas - Weihnachten

Was hatten sie uns nicht alles vorhergesagt, Schnee, Schneesturm, Sturm, fiesestes Wetter in Sudurlandi - und?
Nix.
5 Grad, grauer Himmel.
Wobei wir ja gelernt haben, den Tag nicht vor dem Abend zu loben und vielleicht bekommen wir unseren Schnee ja doch noch, und mehr davon als uns lieb ist, Zauberlehrling, die Geister die ich rief und so. Wie auch immer - thetta reddast.
Das Land ist ganz still, bereitet sich auf die große Festschlacht vor.
Irgendwo lag da ein Kind in der Krippe.
Und Engel sangen auch.
Friede war.

Ich schicke allen Lesern mit diesem Lied einen schöööönen weihnachtlichen Gänsehautschauer

http://www.youtube.com/watch?v=LSasO7IXJIU

mögt ihr gute Tage haben, im Kreis eurer Lieben und umgeben von lauter guten Dingen.

Gledileg jól - Frohe Weihnachten - Merry chrismas!





Tuesday, December 21, 2010

Dansaðu vindur

Selten bringt ein Weihnachtslied das Herz so zum tanzen wie diese Version von Eivör Pálsdóttir, "Dansadu vindur" beim letztjährigen Frostrósir-Konzert in Island.

http://www.youtube.com/watch?v=aTI2SA1HFcE

Hier kommt der Text, auf isländisch, (deutsch und englisch stammen von mir, nicht in Reime gefasst)

Dansaðu vindur
(Text: Peter Grönvall&Nanne Grönvall, Musik: Kristján Hreinsson, Sänger: Eivör Pálsdóttir)

Kuldinn, hann kemur um jólin
med kolsvarta skugga.
Krakkarnir kúra í skjóli
hjá kerti í glugga.

Ref 1:
Vindur, já dansaðu vindur,
er vetur og kuldi gefa nýjan þrótt.
Vindur, já dansaðu vindur,
vertu á sveim' um kalda jólanótt.

Núna nístir í snjónum
um nóttina svörtu,
nærast á takti og tónum
titrandi hjörtu.

Ref. 2
Vindur, já dansaðu vindur!
Að vetri fá börn að finna húsaskjól.
Vindur, já dansaðu vindur!
Veturinn færir bœrnum heilög jól.

Úti fær vindur að valda
voldugum tónum.
Núna nötrar af kulda
nóttin í snjónum.

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Kälte kommt zur Weihnacht
mit kohlschwarzem Schatten.
Die Kinder kuscheln geschützt
neben der Kerze am Fenster.

Ref 1:
Wind, tanze du Wind,
Winter ist, und Kälte schenkt neue Kraft,
Wind, tanze du Wind,
schweife umher in der kalten Weihnachtsnacht.

Durchdringt den Schnee
in schwarzer Nacht
nährt mit Takt und Ton
das zitternde Herz.

Ref. 2
Wind, tanze du Wind,
Daß der Winter die Kinder im Haus Zuflucht finden lässt.
Wind, tanze du Wind,
Der Winter schenkt Kindern heilige Weihnachten.

Draußen macht der Wind
gewaltige Töne,
es bebt von der Kälte
die Nacht in den Schnee hinein.

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Cold comes on chrismas
on black shadows
Children cuddle in shelter
next to a candle at the window.

Ref 1:
Dance, dance thee wind,
wintertime, and cold gives new power
dance, dance thee wind,
ramble around through this cold winternight.

Pervade the snow
in the dark of night,
feed the trembling heart
with stroke and tone.

Ref. 2
Dance, dance thee wind,
That winter makes children find shelter inthe house.
Dance, dance thee wind,
Winter gives holy chrismas to children.

Outside the wind
creates big noise,
the night trembles
from cold into the snow.

Advent 2

Heute Morgen gab es hier ein außergewöhnliches Naturereignis zu sehen. Am kürzesten Tag, der Wintersonnwende, spielten Sonne und Mond Nachlaufen und der Mond versteckte sich neckisch im Rücken der Erde. Für eine gute Stunde hing er wie eine pralle rote Christbaumkugel am sternklaren Himmel.
Das letzte Mal geschah dieses Naturwunder im Jahr 1554.
Damals haben die Leute vermutlich genauso schlecht fotografiert wie ich ;-) - aber es war definitiv lustig, an meiner Kamera herumzuschrauben, bis sie überhaupt ein Bild auf das display zauberte.
Der Mond war knallrot.


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Später wirkte er regelrecht befreit ... Kein Wunder, halb Island hat ihm schließlich auf den roten Popo geguckt.
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und vorhin, kurz vor Mittag, kam dann auch die gähnende Sonne hinterm Berg hervorgekrochen. Sie hatte alles verpasst - das Schicksal der Ewig-zuspät-Kommenden.
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Viele Leute beklagen die langen Nächte hier - die machen mir am allerwenigsten Probleme, dazu ist der Nachthimmel viel zu bereichernd. In diesen Winter besticht er durch eine reinigende Klarheit und hat uns schon mit so manchem Nordlicht verwöhnt. Wer die Dunkelheit fürchtet, soll rausgehen, dort merkt er, daß es gar nicht dunkel ist, und daß wir nicht alleine sind.
Es hilft zumindest, sich nicht alleine zu fühlen wenn man es dennoch ist. Über die Weihnachtstage ist das Haus nun verwaist, ich verbringe das erste Weihnachtsfest meines Lebens in Gesellschaft von 10 Pferden und meinen Erinnerungen.
Auch mein kleiner schwarzweißer Freund ist fort. Ich hoffe, er findet einen guten neuen Platz und ich bin dankbar, daß wir eine so erfüllte Zeit miteinander haben durften.
Im Land der totalen Jólahysteria und der Familienweihnacht bringen Feiertage kein so angenehmes Gefühl, aber streng genommen sind sie auch nur ein Tag, den man ja nicht zwingend "feiern" muss.
Am Himmel steht jedenfalls nix von "24.=big party, to be celebrated".
Für mich ist Weihnachten ein Fest der Gemeinschaft - ist keine da, ist auch kein Weihnachten, fertig. Es hat durchaus Vorteile, ohne Fernseher und Zeitung in der Einsamkeit zu leben: wenn man nichts mitkriegen will, klappt das hier besser als an jedem anderen Ort. Nirgendwo ist man einsamer als unter Menschen.
Und so backe ich weiter scharfe Plätzchen für andere Leute und hüte und betüdele die mir anvertrauten Pferde - beides kann ich gut, und beides gibt ein reiches, rundes Gefühl. :-)






Saturday, December 11, 2010

Advent


Advent im Hochgebirgsland
Von drauß vom Hochland komm ich her,
ich muss euch sagen, es bebt hier sehr.
All überall auf den Lavaspitzen
sah ich kleine Wikinger sitzen.
Und droben aus dem Kratertor
sah mit großen Augen die Lava hervor
"Thýska stelpa!" rief sie, "sei helle,
heb deine Füße und spute dich schnelle,
die Berge fangen zu brennen an,
das Weihnachtstor ist aufgetan,
und alle Wikinger sollen nun
von der Jagd nach Beute mal ruhn."
Ich sag, "Vom Eifelwalde komm ich her
und muss dir sagen, das eilt mir zu sehr.
Ich frag mich vielmehr wie ich's hier find,
sinds gute Kind - sind böse Kind?"
"Thýska stelpa!" rief sie, "sei helle,
schräg, das sind sie auf alle Fälle!"
Nun, Äpfel, Nuss und schräge Kerne
mag die thýska stelpa gerne.
Auch wenn sie in den Zähnen sitzen,
schräge Kerne können im Dunkeln aufblitzen.

Euch allen einen schönen, friedlichen dritten Advent :-)

Sunday, November 28, 2010

Blá - Blue - Blaumachen

Gestern haben wir uns ein kleines bisschen Luxus gegönnt und das getan, was kein Isländer macht: wir sind in die Blaue Lagune gefahren um uns von Sonne, Nebel und heißem Wasser verwöhnen zu lassen.
Nach einer nicht so prallen Woche ist heißes Wasser genau das richtige, um die Sinne wieder auf Vordermann zu bringen. Dank der "richtigen" Karte gingen wir drei Mädels als Isländerinnen für 1500 Kronen durch die Kasse - mir glaubt man die Wikingerbraut vermutlich auch ohne daß ich den Mund aufmachen muss.






Glücklich: drei Nebelnixen



Die Nebel über dem weißen Wasser steigen vor den Blick und ins Gehirn, wenn man sie lässt, und sie helfen tatsächlich dabei, das Leben ein wenig unschärfer zu sehen. Ohne Ecken und Kanten im Blick relativiert sich vieles - vielleicht der eigentliche Grund warum man dieser Lagune so erfrischt an Körper und Seele entsteigt.



Und wer hier in den Nebeln keine Elfen sieht, dem ist wirklich nicht mehr zu (h)elfen ...





Thursday, November 25, 2010

am Ufer ...

... scheint es uferlos zu sein - Farben und das was der Frost erschafft, um die Phantasie anzuregen und trüben Gedanken eine andere Wendung zu geben.
Wie bescheiden es auch manchmal gehen mag - ein Gang am Ufer der Thjorsá erdet einen und spendet neue Kraft, so wie es früher die Spaziergänge mit meinem Pferd vermochten.
Den vermisse ich grad sehr, aber Vermissen gehört zum Leben dazu, so wie verlieren, wiederfinden und behüten.

'Ich bin nicht tot, ich bin nur anders' sagt das abgestorbene Gras und reckt sich trotzig in den Novemberhimmel.




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Hunde fand ich, als zarte Eisplätzchen im Spiel erstarrt - Momentaufnahme von Fröhlichkeit.




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Ein Verführer ist das Eis - was samtig-weich aussieht, ist dennoch kalt - und morgen vielleicht schon weggeschmolzen.


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Und Sommerträume liegen erstarrt auf dem Weg, bis die Frühlingssonne sie auftaut und sich aus den Steinchen was Neues bastelt.







Tuesday, November 23, 2010

filmreif

So manches was man hier erlebt, ist filmreif.
Da kann Babe, das Kalb, nur lachen.
Zustände ändern sich über Nacht - gestern war ein Hund noch ein Haushund, der nicht mit anderen Hunden spielen durfte, weil er nur dummes Zeug lernt, heute muss er sich draußen leben weil er ein Hofhund ist. Und morgen geht er dann vermutlich weg, weil er nur dummes Zeug im Sinn hat.
Andere merkwürdige Umstände ändern sich nie, zB daß bei dem seit Tagen andauernden Wintersonnenwetter niemand ein Pferd benutzt.
Würde man nachfragen, bekäme man zur Antwort, naja, im November ist normalerweise Sturm und Regen oder Schneesturm, kein normaler Mensch reitet da.
'Normalerweise' scheint aber grad aus zu sein, weil das Wetter hervorragend ist. Isländer reiten nur im Sommer. Außerhalb des Sommers 'trainieren' manche. Vor allem aber 'haben' sie Pferde.
Ich bin natürlich froh, daß niemand unterwegs ist, mich würden Reiter eh nur frustrieren weil ich in Ermangelung von Pferd und Gesellschaft zum Reiten ja immer nach Deutschland fliegen muss, was zugegebenermaßen ein wenig umständlich ist.
Babe das Kalb findet das alles äußerst filmreif. ;-)
Babe hat mich aber überzeugt und so habe ich begonnen, ein paar der Geschichten aufzuschreiben.




Apropos Film.
Yrsa Sigurdardóttirs Bücher sind nun als Drehbücher nach Deutschland verkauft worden. Krimis gehen immer (und ihre Romane sind im Gegensatz zu anderen isländischen Krimis lesenswert).
Realsatire vermutlich weniger. Dabei ist Realsatire noch viel schräger als es jede konstruierte Geschichte sein könnte.
Ich schicke aber tapfer meinen Islandroman "Der letzte lange Sommer" immer mal wieder an Filmproduktionsfirmen, im Bewusstsein, daß man ohne Vitamin B(eziehung) sowieso niemals verfilmt wird, aber ich finde weiterhin, daß man daraus einen Film machen sollte.
Da gäb es noch viel mehr zu erzählen.

Einstweilen drehe ich meine Runden über die Weide, wo das Fohlen in Gesellschaft zweier Wallache wächst und gedeiht, ein dichtes Puschelfell entwickelt hat, für einen Winter, der hoffentlich nicht kommt, und mit der Sonne eine Wette am laufen hat, welche Farbe sein Fell wohl eines Tages haben wird ....
Ich weiß es.
Eine wunderschöne :-)





Monday, November 22, 2010

bright day

Für alle die sich fragten, wie das eigentlich mit dem Licht hier so ist.

Untiges Foto hab ich heute morgen so gegen halb 10 aufgenommen. Hell war es schon seit 9 Uhr, aber die Sonne verbarg sich in einem dicken gelb-orangen Gürtel hinter den Vulkanen, während auf der gegenüberliegenden Seite der Vollmond aus einem rosa Nest in mein Küchenfenster lugte.
Um 10.30 Uhr begann die Sonne, den Himmel hinaufzuklettern. Sie tut das gemächlich und schafft es nicht bis ins Zenit, und so ist der Winter die Zeit, wo ihr goldenes Licht immer wieder über den Rand auf die Erde fließt und alles in die warmen Farben taucht, die ich so liebe.





Wir nutzten den Tag, um noch mal nach Thjorsádalur zu gehen und die Winterfarben zu genießen. Der Wald dort ist das beste Mittel für und gegen alles.
Die Farben sowieso.





Die Hunde genossen den Ausflug in vollen Zügen - und ich danke Gott, daß er Gosi und mir einen so wunderschönen letzten Tag geschenkt hat, denn der Hund muss unser Haus leider verlassen.
Das war absehbar weil in diesem Haus alles gehen muss und nichts bleiben darf - trotzdem verliere ich einen Freund.



Island - Eis-land.
Mancher in diesem Land hat einen Eissplitter im Herzen sitzen, und die Wintersonne ist zu schwach um ihn zu schmelzen.







Saturday, November 20, 2010

Wartezeit ...

... so langsam beginnt es, das alljährliche Warten auf die tollen Tage. Hier in Island hat man schon viel früher weihnachtliche Gefühle, einfach weil es früher dunkel wird und mehr Kerzen brennen und in Selfoss dieses Jahr wirklich jedes Haus aussieht wie ein Weihnachtsbaum.
Kreppa? Gibbet nich mehr.
Vielleicht ist Kreppa auch vor dem Angriff der Weihnachtslichter geflohen.
Hier im Dorf sind wir moderat und beginnen mit einem (1) Licht.




Wo ich Weihnachten verbringe, weiß ich noch nicht, und es ist mir bislang noch relativ egal.
Als Alleinstehender im Alter wo andere Familie haben, fühlt man sich überall wie das fünfte Rad am Wagen und überlegt, ob Feiern eigentlich überhaupt sein muss. Hier in Island, dem Familienland per se, besteht für mich die Möglichkeit, mit Hund und 5 Pferden zu feiern. Das hatten wir noch nicht und es ist eine interessante Perspektive.

Ich war dennoch ganz hausfraulich auf einem Kranzbindeabend, wo es einen kleinen Zweig Tannengrün für luxuriöse 700 ISK zu kaufen gab, aus dem man dann sparsam einen Kranz gewunden hat. Die Leute staunten, wie schnell die Frau aus dem Tannenland ihre Kränze fertig hatte, die Frau aus dem Tannenland staunte, wie teuer das Grünzeug samt vorweihnachtlichem Zubehör auf der Lavainsel gehandelt wird ... da vergeht einem das Basteln fast.
Die schwierigen Dinge - wie Zahlen - lasse ich eh machen, mit Zahlen hab ich keinen Vertrag ;-)
Hier sieht man Fanny beim Malen von vorweihnachtlichen Zahlen ;-)



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Und dann war da noch der Hund.
Man vergisst sowas ja leicht - aber der Hund ist noch kein Jahr alt und er kennt keinen Winter, keinen Wald, keinen Schnee, kein Eis - kein Meer.
Heute hab ich ihn ans Meer gebracht und die beiden pöbelten sich an wie zwei echte Kerle - leider zog der Hund den Kürzeren, weil das Meer am längeren Hebel sitzt.
Morgen probieren wir mal Wald aus.
Und man darf gespannt sein, was der Hund zu Weihnachten sagt.
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Monday, November 15, 2010

Der Eiskünstler - the ice artist

Ein befreundeter Künstler ist wieder da - wir hatten im vergangenen einsamen Winter so manches gute Gespräch über Bilder gehabt, über Vergänglichkeit und Formationen:
Väterchen Frost.

Still zieht er auch dieses Jahr übers Land. Mit seiner Schleppe drückte er sanft die Vegetation zu Boden, damit sie keinen Schaden am Winter nimmt. Seine weiße Hand streicht mit kühler Zärtlichkeit über Steine, Moos und Bäume und verleiht ihnen jenen Silberschimmer, den nur das Wintersonnenlicht sichtbar machen kann.

Ein Sandsturm hat meine Thjorsá in ein bizarres Kunstwerk verwandelt. Des Künstlers Hand modellierte ihr eine frauliche Corsage aus Eis an, rotbrauner Sternenstaub krönt das Werk.



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Und verträumt hängen die Finger meines Künstlerfreundes über das klare Wasser ...
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In ungestörten Stunden backt er filigrane Plätzchen ans Ufer, so fein, daß eine Stunde zuviel Sonne sie zerstört.
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Die allgegenwärtigen Pferde genießen die wenigen wärmenden Strahlen der Wintersonne, die alles in einen Rotschimmer taucht und aus der trüben Farblosigkeit befreit.
Ich wünsche mir ihre Fähigkeit, hinzunehmen, keine Wünsche zu haben, frei im Herzen zu sein.

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Mir fehlt mein Pferd.
Ihn zurückzulassen hat ein tiefes Loch in mein Herz gerissen.
Mir fehlen die sorglosen Stunden mit ihm, das Gefühl, getragen zu werden, der weiche Rhythmus seiner Schritte.
Mir fehlt unser Zwiegespräch, sein flinkes Maul auf der Suche nach Leckerlis.
Mir fehlt sein Blick, sein freundliches Brummeln - mir fehlt seine Freundschaft.

Thursday, November 11, 2010

home ...

Von Mal zu Mal freut man sich mehr, von mal zu Mal geht einem das Wort "nach Hause" freier von den Lippen, obwohl man das immer noch auch für die Gegenrichtung benutzt.
Also ist es wohl so - es gibt da zwei Zuhauses, eins, das man nicht vergessen kann, und eins mit Ecken und Kanten.
Ich bin sehr müde nach Island zurückgekehrt. Ein Buch abgeben ist wie eine Geburt, es tut weh, die den Schmerz begleitenden Glückshormone lassen einen überleben, und danach ist man glücklich, aber erschöpft. Eine ungewisse Zukunft trägt nicht gerade dazu bei, Müdigkeit mal eben überrollen zu können, wie das noch vor 10 Jahren ging.

Island empfing mich mit ruhiger Freude. Ein bisschen Schnee, ein bisschen Wind, schlafende Natur. Die Vögel verstummt, Pferde dick eingepackt, Heu auf den Weiden - Winter.





Mein zweiter Winter auf der Insel - immer noch keine Angst vor Kälte und Dunkelheit, immer noch kein TV, immer noch keine isländischen Bekannten, immer noch spreche ich englisch - und verstehe aber inzwischen fast alles auf isländisch, obwohl ich es endgültig aufgegeben habe, die Sprache aktiv zu lernen.
Wenn man mich zwingt, wie kürzlich der Typ von N1, der vorgab, mir eine Autobatterie nur auf isländisch verkaufen können, kann ich sogar den Mund aufmachen, es fällt zwar schwer, weil ich aus Mangel an Gelegenheit nicht rede, aber für rudimentär reichts.
Ich hab gelernt alleine klar zu kommen, hab einfach drauf los gelebt und irgendwie geht das wohl, manchmal ist es sogar richtig lustig, Ausländer zu sein, vor allem wenn man immer mehr Gesprächen folgen kann.
Man kann durchaus neben einer Gesellschaft leben, wenn es sein muss.



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Je länger man hier ist, desto besser versteht man, was Isländer und Deutsche trennt, und daß eine Landkarte nicht ausreicht, Menschen zusammenzufassen. Sitten und Traditionen hier haben sich auf eigene Weise entwickelt, und vielleicht muss man noch ein paar Jahre hier sein um zu verstehen, warum es so schwer ist, Kontakt zu finden, wenn man nicht liiert ist.
Und vielleicht erkennt man dann (nach ein paar Jahren) noch besser, was uns so ähnlich macht.
Einstweilen heißt es sich wundern und weiter forschen - so wie Gosi, der jeden Tag eine neue Welt entdeckt und sich nur selten langweilt ;-)
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Und so hat schließlich auch mich die Wolle erfasst - obwohl ich nie eine Strickliesel war.
Aber einmal am Plötulopiregal vorbeigegangen, einmal über die dicken weichen, kreischbunten Rollen gestrichen, und ha! - man ist verloren. So ein Pullover hat übrigens starke Ähnlichkeit mit einem Buch - vielleicht hat er deswegen reelle Chancen, fertig zu werden.
Stricken ist nicht die schlechteste Beschäftigung für lange Abende in Gesellschaft von Tee und Kerzen ;-)






Friday, October 22, 2010

welcome to ...

Absurdistan. Teil II.
Am besten übersteht man das, wenn man täglich übt dabeizusein. Indem man Rateshows ohne Ton im deutschen TV anzuschaut. Oder nur eine halbe Stunde Werbung, über Joghurts mit Zauberkräften, artifizielles Essen, grünkariertes Waschmittel oder dauernaturfrische Klosettschüsseln.
Oder wenn man einfach blauer Wikinger wird - die vermutlich simpelste Lösung. Könnte mir gefallen.




Heute erlebt in einem Lederbekleidungsgeschäft, oberes Preisniveau.
Mutter und möglicherweise fast volljährige Tochter, beide nicht sparsam ausgestattet und behängt wie Weihnachtsbäumchen, kleiden sich ein. An der Kasse fällt für zwei Jacken, zwei Reithosen, zwei Hüte, alles aus handgeklöppeltem Leder, die Preisziffer 750. Die Verkäuferin greift zum Telefon - offenbar ein ausgehandelter deal - und ruft den Chef an, der auf der Messe ist.
"Also - hier steht eine alleinerziehende Mutter, blabla, die blabla gekauft hat für blabla - ist da was drin?"
Ja - eine Jacke war drin, die gabs umsonst. Und dann ging Fräulein Tochter auf die Kundentoilette mit den Worten "Wer weiß wo Mama noch überall hin will".
Ich hab mich diskriminiert gefühlt, weil mir auf dem Weg zur Kasse mangels Kind kein echter Grund eingefallen ist, warum meine Hose nur die Hälfte kosten sollte. Ich war mir allerdings auch nicht sicher, ob ich mir mit einem Kind solch einen Kaufrausch wie die beiden hätte erlauben können. Keine Ahnung.
Und wenn, dann hätte ich mit Sicherheit nicht meinen Familienstand zur Hilfe genommen um den Preis zu drücken ...

Passend dazu fällt mir dieses Foto aus Kopenhagen in die Hände, der alte Herr hatte zwar Hochwasser und keine Zähne mehr, doch er konnte die gesamten Texte von "Get your kicks on Route 66" und "Sweet home Alabama" mitsingen.




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Das einzig Wahre und Ehrliche im Leben ist eh schwarz.



Oder rot.
Wie die Liebe.
Deren stille Sprache gestern in der Dokumentation über Helmut Schmidt und seine gerade verstorbene Frau Loki das Herz tief berührte ...

Thursday, October 21, 2010

im Land des Überflusses ...

Germany's calling ...
Nach dem unschönen Ende einer netten Reise (die Mietwagenfirma möchte die gesamte Selbstbeteiligung für einen 10 cm langen durch Vandalismus verursachten Lackkratzer haben, was den Kratzer damit teurer als meinen gesamten Deutschlandtrip inclusive Mietwagen macht und mich entsprechend verständnislos und zornig - NIE WIEDER Mietwagen!!) ...
... strandete ich in Hamburg und begann mich ob Menschenmassen und Lärm immer unwohler in meinem Land zu fühlen ...









Vielleicht ist es auch mein böser selektiver Blick, der gnadenlos die Absurditäten des europäischen Überflusses herausfiltert, an denen er sich reiben kann ...




(Fohlendecke, für ein Tier welches Fell hat - Obdachlose haben kein Fell, aber auch keine 30 Euro)



(Hundeleinenwahn. Hirschleder, Kalbsleder, feinstes Elchleder, mit und ohne Straß...)

..., und mir leicht verständlich begründet, warum es schlau ist, so bald wie möglich wieder in das Land zurückzukehren, wo Hunde keine Ohren in speziell für sie eingerichteten Supermärkten kaufen müssen.







... und wo man nicht auf die Idee kommt, teure Delikatessen putzig eingetütet an Hunde zu verfüttern, weil man nicht mehr weiß, wohin mit dem Überfluss.




Ein Volk, dessen Haustiersupermärkte so groß sind wie Lebensmittelmärkte, und ähnlich gut besucht, kann wohl nicht von ernsthaften Sorgen sprechen.

Tuesday, October 12, 2010

Bavaria - Bayern

Wer die Schreiberin kennt, ahnt bereits, daß sie das Flugzeug trotz der Nachtschicht um ein Haar verpasst hätte. Mein Schutzengel ist jedoch gut im Training (solange man nicht von ihm verlangt, Formulare oder Telefonanrufe zu überwachen) und so erreichte ich den Kontinent unversehrt, schlief ungeplante 13 Stunden am Stück durch, nahm meinen Mietwagen erst am frühen Abend in Empfang, brauchte eine ganze Stunde um aus Hamburg herauszufinden und startete eine weitere Nachtschicht auf deutschen Auobahnen, hinab ins allertiefste Bayern, um in Buchklausur zu gehen.

Unschwer zu erkennen, daß man sich in Bayern befindet. Mein Blick scheint durch Island verändert zu sein. Drangvolle Enge und barockes Schmalzgedödel wirkt erschlagend.
Weswegen ich mir hier in Beilngries bei Optiker Ibrom, der so nett plaudern kann ;-) erst mal ne schwarze Sonnenbrille gekauft hab - die lindert das Gold und schont das Hirn.





Gott indes ist allgegenwärtig.



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Bier auch.



Und heilige Ordnung erst!




Friday, October 8, 2010

nótt - Nacht

Sjaumst ...........




In eineinhalb Stunden muss ich mich auf den Weg zum Flughafen machen - "Taxi sjálfur" fährt, weil der Nachbar dann doch zu müde war - und weil ich sowieso nicht schlafen kann, bin ich einfach aufgeblieben und das war ne gute Idee.

Seit jeher war verreisen ein Gräuel für mich. Gings ans Kofferpacken, kam regelmäßig der Gedanke 'hier isset doch auch schön', man verlangsamte seine Aktivität bis sie schließlich erstarb. Was meinen Mann regelmäßig zur Weißglut getrieben hat.
Waren wir einmal on the road, war alles gut. Doch der Weg bis dahin ist so weit - auch heute.
Gegen Mitternacht war dann vorhin tatsächlich der Koffer lustlos gepackt, da schaute das Nordlicht zum Fenster rein, als wolle es mich belohnen.

Magst nicht rauskommen? Ich spiel dir was vor. Ich tanze für dich, ich singe stumm für dich, ich mach dir die Nacht hell und die Zeit kurz ... vertreib die trüben Gedanken, die Trauer, die Sehnsucht, die Falten in dein Gesicht gräbt, ich werf ein feines Netz aus Träumen über dich und zaubere ein ungläubiges Lächeln in deine Augen ... komm raus ...

Ich bin wie so oft zum Urridafoss gefahren, hab mich dort in den Schlafsack gemummelt und Nordlicht und Sterne geguckt, bis die Nase zu kalt war. Egal - das Nordlicht hat sich wie ein grünes Band über den Geist gelegt und man nimmt es mit und zehrt davon.
Die Reise wird nur noch halb so anstrengend wie ich denke ;-)

Und es ist gut, daß hier jemand auf mich wartet ...

Sunday, October 3, 2010

one year - ein Jahr

Vor genau einem Jahr bin ich mit meinem Auto von der Fähre gefahren, 700 Kilometer über Schotterpisten und durch einsamste Gegenden nach Westen gepilgert und abends am Haus mit den starken Bäumen angekommen.
Dort lebe ich immer noch.
Ich war zwischendurch immer wieder in Deutschland, um zu merken, daß ich dort keinen Platz mehr habe - und trotz allem, was hier unter den Bäumen so an Schwierigem passiert, ist dies mein Zuhause.
Manchmal passieren auch schöne Dinge - während ich dies tippe, singt mein Hausgenosse im Zimmer unter mir seinen neusten song, einen Ohrwurm, den ich seit Tagen mit mir herumtrage, und mit dem ich nachts einschlafe, weil er das letzte ist was ich höre.
Ohrwurm heißt auf isländisch "grípandi lag" - packendes Lied. Das tut es.




Die Sonne gibt sich Mühe noch mal alles mit Gold zu übergießen und anzuzünden, damit es einem das Herz auf Vorrat wärmt, wenn der Winter kommt.
Sie färbt Blätter und Gras, Haare und vielleicht auch den Blick. Sie färbt ihn mit Zuversicht hellblau und wirft eine handvoll Hoffnungsglitzer darüber. Und wenn man den Blick nicht senkt, bleibt der Glitzer haften, und alles wird gut.





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Island macht daß man wächst.
Man wächst an Schönheit, an Stille, aber auch an der Einsamkeit, die ihren Schrecken verliert, weil sie hier geboren ist - hier macht es Sinn, daß man einsam ist, und es tut nicht mehr so weh.
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Der Ohrwurm bleibt hängen und überdauert auch den Wind.
Er handelt auch von Einsamkeit, aber traurig klingt er nicht.
Island macht daß man wächst.