Thursday, December 31, 2009

Ein gutes neues Jahr!

Die letzten Weihnachtslichter verwischen, ich bin froh, alles gut überstanden zu haben.





Man versucht, das friedliche Licht einzufangen, damit es sich noch ne Weile hält - und so schlecht sieht meine Glöckchenlösung für diesen Zweck nicht aus ;-)

Und dann ist es vorbei.
Selbst die Silvesterknallerei hielt sich in Grenzen - Sprengstoffverordnung sei Dank knallten alle Dorfbewohner auf dem Otterberg, unsere zwei Wallache rannten pflichtbewusst ein wenig hin und her, und das war es dann. Odin beschaute sich das bisschen Feuerwerk, was bis ins Dorf ragte, sehr interessiert. Auch Pferde werden älter und weiser.
.
Werden wir weiser?
.
Auf jedes Tal folgt ein Berg und es ist die Frage, ob das Tal schlecht ist oder der Berg - und welche Aussicht besser ist: die auf den Berg oder die hinab ins Tal.
Leben ist die ständige Aufgabe, das herauszufinden ;-)
.
Ich wünsche uns allen im neuen Jahr genug Energie dafür!

Wednesday, December 23, 2009

Keksorakel

Für ein paar Wochen bin ich nun in Deutschland - und gleich kommt einem alles merkwürdig vor.
Die Hektik, die Eile, der Überfluß. Die trotzdem-Unzufriedenheit.
Andersherum gesagt: ich weiß jetzt genau warum ich nach Island gegangen bin.
Morgen ist Weihnachten - heute Nacht habe ich nichts zu tun. Vielleicht doch noch mal das Orakel befragen? Es ist immerhin allumfassender als mein geliebtes "Buch der Antworten" welches in Hlemmiskeid auf dem Küchentisch liegt und auf manche Frage wenn schon keine Antwort so doch genügend Erheiterung geliefert hat, um die Lösung selber zu finden.

Frauen sind ja empfänglich für Wahrheiten "von oben". Sie glauben an Sternzeichen (ich bin Löwe und habe selbstverständlich mindestens die Hälfte wenn nicht mehr aller Löwenattribute, was manchen Leuten Angst einflösst), sie lesen Horoskope um darüber zu lachen und doch den wahren Kern darin zu suchen (das Horoskop von facebook brilliert vor allem durch seine Formulierung - wäre es ins deutsche übersetzt, hätte ich noch mehr Amüsement) und manchmal gucken sie auch die Linien ihrer Hand an und finden tatsächlich Veränderungen, obwohl sich sowas doch gar nicht verändert.
Oder doch??

Naja - ein Orakel ist mit Sicherheit mal eine konzentrierte Fokussierung auf ein Thema: die eigene Zukunft. Was auch immer es "sagen" mag - man selber hat sich schon mal mit möglichen Antworten auf Fragen beschäftigt, sie in der Hand gehabt und ihren Geschmack probiert. Wenn das nicht konstruktiv ist???
Ob ich nun meine Zukunft in den Wolken suche, in der Anordnung von Pferdemist auf einem Haufen, oder darin, was ein Keksteig auf dem Backblech treibt, ist ja nun wurscht.
Ich betrachte - und denke nach.
Das ist den Umstand wert.




Wie das mit dem Keksorakel geht, steht hier zu lesen:

Tuesday, December 22, 2009

Kopenhagen nightshift

Diesmal hieß es, die Nacht auf dem Flughafen von Kopenhagen zu verbringen, bevor es Montagmorgen dann weitergehen konnte. So schlimm ist das nicht, im Gegensatz zum Hauptbahnhof ist er ja geheizt. Und bis 23 Uhr war auch alles in Ordnung, ich saß sicher und weich bei B**king, aß fiese Pommes mit *sorrywedon'tservesalad* und rohen Möhren und genoß es, in die Halle hinabzuschauen, wo wirklich tapfere Menschen Reisen unternahmen:
Sie hier war mit 4 Kindern unterwegs, und ich fand alle 5 hinreißend.


Um 23 Uhr war dann Putzlicht, man wurde rausgeworfen und überall gingen die Rollos runter. Ich stromerte noch eine Weile herum, im Bewusstsein, daß ich den Rest der Nacht sitzen würde. Herumstromern ist mit vollem Gepäck nicht wirklich lustig, oder vielleicht finden nur Dänen es lustig, daß man zur Toilette grundsätzlich Wendeltreppen herunterklettern muss. Vielleicht ist es auch der Preis für Design und per se eine Aussage, daß man die Notdurft vom normalen Leben durch eine Etage trennt.
Angie schaute mir mitleidig hinterher ---


Gegen Mitternacht wurde der große Flughafen dann eng, fast alle Sitzplätze waren belegt.
Ich begann dänisches Design saudoof zu finden: die Nacht auf einer blankpolierten Stahlbank zu verbringen hat zweifelhaften Reiz. Doch war ich froh, diesen Platz gefunden zu haben und für herrliche 10 Minuten saß ich dort in Ruhe und Frieden.
Dann fragte ein Schwarzafrikaner, ob der Platz neben mir frei sei, ich antwortete auf französisch und besiegelte damit mein Schicksal: für den Rest dieser Nacht buhlten drei Senegalesen um meine Aufmerksamkeit, überhäuften mich mit Ankündigungen, mich in Island zu besuchen um Kälte anzuschauen, mit Einladungen, Fotos, und kommdochmalgucken, der Senegal ist ein tolles Land zum Urlaub machen ... Nee klar.
Babba Jo ist Colonel, zeigte stolz seinen Dienstausweis und Fotos von ihm und dem Minister in Paris, in Rom, in Brüssel. Die Chinesen waren doof und überhaupt der ganze Klimagipfel für den A***, aber Kopenhagen war toll. Und er versprach mir großspurig, einen Container Bananen nach Island zu liefern - er könne das, natürlich, er sei ja schließlich Colonel.
In der Frühe brach er von Null auf 100 mit einem seiner Kumpane einen Streit um Koffergewicht und Zollverantwortung vom Zaun, daß ich schon Macheten und Blut erwartete, weil der eine zuviele Bücher gekauft hatte und er nur ein Notebook - dann legt er sich in die Ecke auf den nackten Boden und schlief sofort ein.
Gegen 6 Uhr zogen sie mit ihrem kofferreichen Hausstand ab zum einchecken. Bananen und Senegal waren vergessen, immerhin erinnerte er sich noch, wie ich hieß, als er sich verabschiedete mit, nee also Island wäre ihm zu kalt, wie ich da nur leben könne.
Vielleicht hab ich das auch alles nur geträumt ...?
Ich hielt mich mit einem morgendlichen Kaffee wach und reiste weiter zum Hauptbahnhof Kopenhagen, wo die Damentoilette (eine Treppe tiefer) unbedingt einen Besuch wert ist. Dort kann man nämlich die schrägsten Slips Europas kaufen - wenn man sich das denn traut, denn die "Aufseherin" sieht eher aus wie die Anführerin eines militanten Temperenzlerordens und man fragt sich, wie die Slips wohl auf die Bügel gekommen sind. Vielleicht hat sie das mit Handschuhen gemacht. Oder gleich mit Bügel liefern und aufhängen lassen.
Ihrem gestrengen Blick entgeht nichts. Ich fühlte mich an die Waschräume eines Klosters erinnert.



Daher ist Lippen-nachziehen, Wimperntuschen und Zähneputzen auch Teufelswerk und muss extra bezahlt werden.
Ich befand meine beiden Fotos unbedingt 5 Dänenkronen wert und zahlte auch ohne Schminken - was gut war, weil sie mich nämlich auf ihrem Monitor beobachtet hatte ;-)




Ich traf den Weihnachtsmann. Er war ziemlich müde.
"Nur noch 3 Tage," sagte ich zu ihm. "Dann hast du es geschafft."
Er seufzte.


Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich 1. Klasse gereist und jetzt angefixt ... so kann man sich das zugfahren gefallen lassen. Leider ist es nur in Dänemark bezahlbar.
Und es war durchaus grotesk, daß ich aus Island - der Insel kurz vorm Nordpol - kam und in der Heide im tiefen Schnee landete .........



Island - eine Pause

Die letzten Tage waren voll mit Organisieren, Backen, schreiben, Geschenke kaufen, Karten schreiben, Päckchen verschicken, überlegen, überlegen, überlegen ....
Und am Sonntagmorgen noch schnell den Koffer gepackt, ins Auto gesprungen und ab zum Flughafen. Ich hatte gar keine Zeit, darüber nachzudenken, daß Sturm war und daß ich eigentlich Flugangst habe. Als ich drüber nachdachte, waren wir schon in der Luft.




Bisher hat mir niemand dieses Kunstwerk erklären können.
Aberi ch weiß jetzt was es ist: der Haken, der einen auf die Insel zurückholt. ;-)



Selbst über den Wolken geht die Sonne pünktlich um 16 Uhr unter. Falls man denkt, daß da oben alles anders ist - ist es nicht.
Die längste Nacht des Jahres begann. ....

Wednesday, December 16, 2009

Winterwonderland



Heute morgen hing ein Zauber an jedem Grashalm.
Heute morgen heißt gegen halb 12, als das Licht zum fotografieren endlich ausreichte ;-)




Nachmittags hab ich mich dann auf die Suche nach Pferden gemacht.
Eigentlich war das Wetter ideal zum Reiten - leider habe ich ja kein Reitpferd und auch in Zukunft keins.
Mir fehlt das Reiten sehr - ein Lebenstraum, der unerfüllbar bleibt. Aber immerhin sind Pferde dicht um mich rum - und die Arbeit im Stall und mit ihnen am Boden hilft der Seele schon mal enorm.

Herr Scheck, mit dem ich zur Gaudi des gesamten sveit zu Fuß gehen darf, hatte das Wandern heute leider nicht auf der Rechnung, was wirklich schade war. Immerhin trafen wir lustige Artgenossen ...










Tuesday, December 15, 2009

Elfen am Morgen



Dieser kleine Elf verzaubert zur Zeit mein Herz.
Er hat keinen Vater und seine Mutter tauchte irgendwann von irgendwoher auf - ein geheimnisvolles Elfenpferd mit einem Sohn aus den Nebeln Islands.
Er war so scheu, daß man sich auf keine 5 Meter nähern konnte. Die letzten Tage haben wir viel Zeit miteinander verbracht, am Ende duldete er sogar die Bürste auf seinem verfilzten Plüschpelz.
Heute morgen leckte er mir die Hand, ich durfte seine Stirn und seine Ohren kraulen und nahm es als Geschenk.

Nach den Tagen des Regens legte sich heute Morgen dichter Nebel über das Land. Sein Liebesspiel mit der Sonne entschädigte für die Nässe. Die Sonne ließ eine Spur von Elfenperlen auf die Wiesen tropfen, und wenn man sich Zeit zum Lauschen nimmt, kann man hören daß die Perlen klingen ...





Monday, December 14, 2009

Tatort Keks II


Diese geheimnisvollen Scheiben krochen heute abend kurz vor Mitternacht aus meinem Ofen.
Ich hatte sie dort hineingelegt mit der Auflage, daß sie sehr hässlich aussehen und unbedingt zaubern können müssen, weil ich mich grad über jemanden sehr geärgert hatte.
Mit Kopf- und Zahnschmerzen wäre ich schon zufrieden gewesen.
Es handelte sich um das gleiche Rezept wie gestern abend (siehe Post)
Irgendwas hat die Dinger so fassungslos gemacht daß sie zusammenbrachen als sie den Backofen nur von weitem sahen. Mir blieb nichts anderen übrig, als sie mit Blut zu bepinseln, damit sie wenigstens schlecht heilende Wunden zaubern können.
Aber als ich sie vom Blech heben wollte, waren sie so schlaff daß sie auseinanderbrachen ... das sind nicht mal Kinderzauberkekse. Das ist irgendein schwules Rezept, unbrauchbar für meine Zwecke und auch nicht geeignet, Fenster abzudichten!

Ich weiß aber jetzt, was ich da gezaubert habe:
TÖLTSCHEIBEN

Mein Manager und ich haben in den vergangenen Stunden schon ein riesiges Merchandisingprogramm angeschoben ...
Wer braucht noch Glocken und Hilfszügel, wenn er Töltscheiben hat??

Sunday, December 13, 2009

Tatort Keks

3. Advent in Südisland.
Von wegen kalte, unwirtliche, unwegsame Insel.
Es ist weihnachtliche 10 Grad über Null, es regnet seit Tagen daß die Wiesen und Lavafelder unter Wasser stehen - eigentlich alles wie in Deutschland.
Kein Grund zur Romantik.








Solche Bedingungen treiben einen unweigerlich an den Keksofen.
Heute sollte ein neues Rezept ausprobiert werden - die merkwürdigen Inhaltsstoffe hatten mich bereits im Supermarkt an der Durchführbarkeit zweifeln lassen, aber wir zogen den Plan tapfer durch. Schlugen Eischnee mit braunem Zucker, rührten Lakkriskurl unter und setzten Häubchen aufs Backblech.
Aus dem Ofen zogen wir Wesen aus Elfenhausen (klar, wir sind ja auch in Island), die sich im warmen Zustand noch bewegten und erkaltet merkwürdig anfühlten, und die im Mund einen noch merkwürdigeren Aggregatzustand annahmen, das ganze in einer Geschmacksmelange zwischen Hustenmedizin und Filterkaffee mit Biß, der auch nach 5 Minuten noch in den Zahnlücken hängt.
Auch jetzt am späten Abend ist noch nicht klar, was mit den Ergebnissen geschehen soll.
Möglichkeit 1:
in Glitzertüten füllen und als isländische Spezialität verschenken.
Möglichkeit 2:
lackieren und haltbar machen, färben und als isländisches Design verkaufen
Möglichkeit 3:
als günstigen Fensterkitt- oder PU-Schaumersatz zur Isolierung verwenden
Möglichkeit 4:
mit dem Hund über Nacht in der Küche lassen.











Zur Psalmenmusik von Ellen Kristjánsdóttir stelle ich fest, daß ich oldfashioned bin weil Weihnachten einfach aus ordinärem Keksteig bestehen muss.

Saturday, December 12, 2009

Advent im Flachland

In 12 Tagen ist Weihnachten.
Vermutlich sind nur Frauen in der Lage, sich weihnachtlichen Zimtgeruch in die Seele zu holen, ohne Kontakte zu anderen Menschen zu haben. Das mit den Kontakten ist hier ein Island ein bisschen schwierig, weil die Wikinger lieber unter sich bleiben - immerhin gibt es aber Leute, die mir regelmäßig ehrlich zulächeln. Im Schwimmbad und an der Supermarktkasse wechselt man sogar schon mal Worte.

Aber Weihnachten alleine ist auf deutsch gesagt - scheiße.
Vor allem, wenn die Weihnachtswerbung im Radio von Tag zu Tag immer penetranter wird (TV besitze ich immer noch keins und würde es vielleicht auch jola-verweigern)
Ich beschloß daher heute eine Offensive. Die Zeitung, die mir mein Hausgenosse hochgegeben hatte, enthielt einen Konzerthinweis - für heute. Also Zivilklamotten angezogen (gewöhnt man sich als Mistmaus ja ab), Farbe ins Gesicht (gewöhnt man sich als Solomaus ab) und Eau de Dingens aufgelegt (gewöhnt man sich als Landmaus eh ab) - und ab in den Advent.

Er fand in Skalholt statt, keine halbe Stunde von hier.
Skalholt ist Islands ältester Bischofssitz, idyllisch gelegen an einem magischen Ort am Wasser, und es fällt nicht schwer, sich hier wilde Wikinger mit Äxten vorzustellen, welche einen Bischof bedrohen, der vor seiner Zeit der 'Hornhaube' (weswegen er auch despektierlich 'hyrningr' - Gehörnter genannt wurde) kaum von den Jungs mit den Äxten zu unterscheiden gewesen war und möglicherweise sogar besser mit der Axt umzugehen wusste, man sieht sie um die Kirche herumspringen, sich streiten, auf kleine zottelige Pferde springen und in der Abenddämmerung hinter den Hügeln verschwinden, um sich daheim von ihren Weibern die Leviten lesen zu lassen, daß sie den neuen Christengott und seinen weisen Goden geärgert hatten.
Oder so.
Skalholt ist immer noch ein beeindruckender, heiliger Ort, wo mehr als Gott unterwegs ist.



Ich war viel zu früh, was gut war, denn die Kirche war brechend voll.
Die Stühle standen eng, man quetschte sich ungehemmt, und als es immer voller wurde, quetschte man Kinder auf Erwachsenenschöße, damit zumindest sie sitzen konnten.
Der Chor begann sein Konzert, indem er sich wie eine Kette aus Stimmen an der Wand entlang um die Gemeinde herumstellte - und solchermaßen mitten im Lied, im Klang sitzend begann für mich tatsächlich Weihnachten.
Es war eine schöne und traurige Stunde zugleich - denn seien wir ehrlich: alleine zu einem Familienfest zu gehen, wo man die Sprache nicht versteht und wo jeder jeden zu kennen scheint, und man selber nahezu unsichtbar ist, ist schon ziemlich verrückt.
Einzig die Weihnachtslieder waren alte Bekannte, in isländischem Kleid und ich ertappte mich dabei, im Gedächtnis nach dem deutschen Text zu graben. Auch die Gebete, die der Priester am Schluß anstimmte, verstand ich auf merkwürdige Weise - vielleicht weil das Vaterunser in uns hineingepflanzt ist, ganz gleich in welcher Sprache es gesprochen wird.

Ich bin bis zum Schluß dortgeblieben, weil die Musik ans Herz ging und das war es wert.
Vom Zuhausebleiben wird das Alleinesein ja auch nicht besser.
Heute abend duftet die Küche nach Kardamommonden und Weihnachten ist doch ein Stück näher gerückt ...

Mein Lieblingsweihnachtslied:
http://www.youtube.com/watch?v=_zMhSjDqvRs

Friday, December 11, 2009

Blaue Lagune für Harte

Der letzte Urlaustag meines Bruders versank buchstäblich im Wasser.
Da wir das aber ohnehin vorgehabt hatten, blieben wir relaxt. Nur die Tatsache, daß es um 10.00 immer noch nicht heller als um 9.00 war, sorgte kurz für Unruhe, doch dann kamen Sturm und Regen zur Dunkelheit und wir mussten uns auf andere Dinge konzentrieren. Zum Beispiel, nicht von der Straße geweht zu werden. Überhaupt etwas durch die Windschutzscheibe zu erkennen. Oder die Abfahrt zur Blauen Lagune zu finden.



Ganz offensichtlich waren wir hors de saison vor Ort - der Parkplatz gähnend leer, der Sturm umso wütender, er setzte alles daran, uns auf den 100 Metern Fußweg komplett zu durchnässen. Mit 10 Leuten teilten wir uns also Edelumkleiden und Duschen ...


ich beobachtete fassungslos Asiatinnen, die es schafften sich mit einem Tropfen Wasser und ohne Seife zu waschen, vermutlich weil sie nicht in der Lage waren, die Waschbilder an der Wand zu entziffern. Man denkt kurz daran, daß sich in deutschen Schwimmbädern auch niemand vor dem Schwimmen wäscht, und daß man eh nicht mehr in deutsche Schwimmbäder gehen wird.
Und dabei roch das Lagunenduschzeug sooo toll!!
In der Lagune peitschte dann ein Sturm über unsere Köpfe und riß Wellen aus dem harmlosen Plantschbecken empor, daß man bisweilen um Luft rang, nicht nur weil einem das gleißende Zeug im Gesicht den Atem raubte ... es schmeckt wirklich ekelhaft.

Aber ich fands cool, bei Sturm fast alleine in dem Becken über einer heißen Quelle zu sitzen und nachzudenken. Zum Beispiel darüber, wie lange man wohl in diesem merkwürdigen Wasser sitzen muss, um solche Sinterring-Falten zu bekommen wie die Steine, die aus dem Wasser ragen. Ob man da nach einem Tag schon was messen könnte?
Oder darüber, wie schön man wohl würde, wenn man jeden Tag dort untertauchen würde.
Gleißend schön? Schimmert man dann wie ein Engel? Also - nicht nur von innen (wie immer) sondern auch von außen?
Insgesamt also ein ziemlich dekadentes Vergnügen. Es fehlt die Freundin, um es öfter auszuprobieren.

Und ich mochte mir gar nicht erst vorstellen, wie ätzend diese Lagune in der Hochsaison ist - mein erster Besuch kann daher gerne der letzte sein und mir so im Gedächtnis bleiben ...




Thursday, December 10, 2009

Reykjavik in bunt

Ein blog-Leser meinte, ich würde vielleicht etwas vorenthalten.
Aber nein, was denn?
Alles was man auf der Insel zu sehen meint, ist wirklich und auf merkwürdige Weise auch nicht wirklich.
Wie der Wasserdampf, der Elfen formt. Oder der Felsen, der bewohnt ist. Wie ein Panorama welches aus einer kitschigen Weihnachtsmärchenpostkarte herausgeschnitten wurde - guckst du dich um, sind die Farben weg und du denkst, du hast alles nur geträumt.
Hast du nicht.
Du behältst die Farben in dir, und es gibt keine Worte, sie zu beschreiben.
Das ist Island.



Heute beim shoppingtag erlebten wir so allerlei trompe-l'oeils ...
Im Angesicht eines Weihnachtsmarktes am Polarkreis überlegt man schon kurz, wo hier die Kameras sind. Aber es war wirklich einer, mit Blasmusi und Chor und Kaffee und gestrickten Socken.





Dieses trompe-l'oeil lag im Schaufenster eines Tatoo-Studios, und es ging auch nicht weg, als ich auf den Auslöser drückte ...




Jól für alle.
Für die Milchtüte, die Butter, für Lammkeule, Häuserwände - und für die Toten.
Jeder sein Kreuz, am Abend mit Beleuchtung.
Noch nie in meinem Leben habe ich so einen fröhlichen Friedhof gesehen. Ich bin sicher, man hört dort auch Bing Crosby "Dreaming of a white chrismas" über die Gräber schallen.
Und wieso eigentlich nicht?






Tuesday, December 8, 2009

Island - Fest der Farben

Mich fasziniert immer wieder, wie perfekt die Farben der Pferde in die Landschaft passt.
Mit einer Prise Sonnenlicht zur richtigen Zeit begegnet einem hier Kunst an jeder Ecke.
Oder Gott?
Die Stunden in denen Sonnenlicht das Land färbt, erlebt man tatsächlich in tiefer Dankbarkeit.

Welche Farbe hat dieses Fohlen?
Und wie wird es später mal aussehen?











Sunday, December 6, 2009

ins Netz ...

... ging mir in Thorlákshöfn diese Muschel (neben anderen Fundstücken, die auf meiner Heizung trocknen)
Diese Muschel lebte noch - möglicherweise als WG: einer drinnen, einer draußen.
Falls jemand das Ding kennt oder schon mal gesehen hat und eine Idee hat was ich damit machen soll ...
Sie lebt seit gestern in einem Glas mit Wasser, aber wir denken daß sie mit einer Prise Salz vielleicht unglücklich sein könnte.
Eventuell könnten aber wir mit einer Prise Salz im kochenden Wasser glücklich sein ...?
Serviervorschläge werden auch gerne genommen.







live on stage: Geysir

Am Geysir herrschte heute Betriebsamkeit. Geysir war so busy, daß er erst dreimal hintereinander eruptierte - dann war er so erschöpft, daß er keinen mehr hochbekam.
Das französische Filmteam wartete geduldig und machte einen auf savoir vivre und carpe diem.




Zwei Weihnachtsmänner mischten das Warten dann auf. Mit Quads rasten sie um den schlaffen Geysir herum, doch das half dem wenig - nur mir zu ein paar Fotos. Der Franzose hatte geschlafen. Gibt es in Frankreich eigentlich Weihnachtsmänner?


Weihnachtsmänner fahren also auch Quad mit überhöhter Geschwindigkeit.





Eisspiele

Mein Bruder ist zu Besuch.
Er findet Island dunkel und ist dauernd müde. Und mörderkalt ist es auch nicht mehr, wie enttäuschend.
Damit er nicht einschläft, sind wir auf Winter-Entdeckungsreise gegangen. Es waren dank des Tauwetters nur Eisreste, aber ihr Format übersteigt immer noch alles, was wir Weicheier aus Deutschland kennen.





Hafid bláa - ein Strand mit Eisschollen.





Gullfoss mit Eiskappe hatte was Bizarres.



Wir haben uns vom Betreten-verboten nicht hindern lassen und sind über den komplett vereisten Hangpfad bis runter zum Wasserfall geschliddert. Ich verstehe jetzt, warum das verboten ist - es ist bei Eis wirklich lebensgefährlich.
Auf unserem Rückweg kam uns ein Tourist mit Stativ und 5000€-Ausrüstung entgegengeschliddert, er hatte nur eine halbe Hand frei um sich am Seil festzuhalten.
Für ein Foto riskiert man auch gerne mal sein Leben ...
(wir natürlich nicht, klar *g*)






Thursday, December 3, 2009

Sonnenspiele

Nach Tagen von Sturm und Eis scheint endlich die Sonne und schüttet Wärme und Licht über alles, was sich ihr in den Weg stellt ...