Friday, November 20, 2009

Ausflug ins Blaue

Letzten Sonntag bin ich am Nachmittag noch weitergefahren, einfach drauf los, solange man noch was sieht. Das Wetter war grandios, und dort wo ich hingefahren bin, war sonst kaum jemand. Dann macht es auch nichts, wenn man alleine ist - das nervt nur an Orten wo viel los ist.
Eigentlich hatte ich ja wandern wollen ...

Aber das mit dem wandern hat in Island einen Haken:
man vergesse ganz schnell den Traum von grenzenloser Freiheit - denn beinah die ganze Insel ist eingezäunt. Egal wo man hinschaut - überall Zäune und Tore, fein säuberlich aufgeteilt selbst über Bergkuppen. Einfach mal aussteigen und wandern - ist nicht.
Man fährt viele Kilometer an Zäunen entlang und findet keinen Weg nach Island.
Das frustriert ein wenig.
Aber natürlich ist es auch verständlich - und eigentlich auch normal. In Frankreich haben wir nicht mal Feldwege gefunden um zu picknicken, alles war stets proprieté privé. Hier ist das offenbar auch so.

Zweiter Haken:
Mal eben über eine Wiese laufen vergesse man auch ganz schnell, wenn es keine kultivierte Weide ist. Wiesen wie die rund um die Krepparuine, die harmlos-romantisch hier und dort einen kleinen Hubbel haben, sind möglicherweise überwachsene Lavafelder, und der nichtsahnende Depp bricht sich fast die Beine, als er im weichen Gras zwischen Lavabrocken versinkt.

Irgendwo an der A 30 Richtung Fludir:


























Wednesday, November 18, 2009

Die Krepparuine (2)

Die Ruine ließ mir keine Ruhe.

http://www.icelandreview.com/icelandreview/deutsch/alltag/?cat_id=66878&ew_0_a_id=352149

Sunday, November 15, 2009

Die Krepparuine

Seit Wochen schon habe ich vorgehabt, die Krepparuine zu besuchen - heute war es soweit.

Sie liegt ein Stück von der Straße weg, mitten in einem grasüberwachsenen Lavafeld, wie eine schöne Tote, die man vergessen hat zu bestatten, und die der Nordwind nun konserviert.
Es hat den Anschein als seien die Arbeiter nur für ein paar Tage fortgegangen, im Keller fand ich Werkzeug, Kaffeetassen und eine geöffnete Milchtüte, auf einem großen Tisch lagen sämtliche Baupläne der einsamen Schönen ausgebreitet - "sieh her, was ich werden sollte, damals, als es noch Goldstücke vom Himmel regnete, als wir Geldmänner die Größten waren und als nichts unmöglich erschien ..."

Doch das Gold der Geldmänner war zu Plastik geworden weil sie es anderen weggenommen hatten. Und niemand kommt zurück, um der schönen Toten ein Gewand anzuziehen.
Kreppa, die Krise, hat eisigen Wind durch die kahlen Betonwände geblasen, hat ihnen das Leben ausgesaugt und nur die Hülle im goldenen Herbstgras zurückgelassen.
Eine Hülle, die sich zu jeder Tagszeit scharf und unübersehbar gegen den Horizont abzeichnet, und die Schmerz in das Herz eines jeden sät, den kreppa unverschuldet zu Boden geschleudert hat.

Die kahle Schöne bleibt Mahnmal für menschliche Hybris und Größenwahn des Jahres 2008.




































Der Tag als der letzte Hammer fiel? 16.Oktober 2008



Friday, November 13, 2009

Mittelalterliches



Dieses Wochenende wohnt eine Herde Elefanten in unserem Haus. Sie kommen nur selten, aber wenn sie da sind, zeigen sie mittelalterliches Verhalten. Sie knallen Türen, schieben Kanonenkugeln durch ihre Wohnung und braten merkwürdige Dinge solange bis der letzte Hauswinkel danach riecht. Ich bemühe mich um Contenance und hoffe, daß sie am Sonntag weiterziehen ...
Solange kann man sich die Zeit mit Stricken und Lesen vertreiben - beim Arbeiten falle ich nämlich immer wieder vor Schreck vom Stuhl, wenn sie eine Tür öffnen.

Mangels TV und Zeitschriften bin ich eifriger Spiegel-online-Leser geworden und fand dies mittelalterliche hier:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,658389,00.html
Hübsch, womit Männer sich so die Zeit vertreiben ;-)
Besonders gefällt mir das hier:
"Friesen kommen den mittelalterlichen Tjost-Pferden in Aussehen und Charakter am nächsten", sagt er. "Sie versuchen zwar gelegentlich, ihren Reiter umzubringen - aber eigentlich nie mehr als einmal am Tag."

Ansonsten herrscht hier im Süden Islands ein mittelalterlicher Sturm - man gewöhnt sich an vieles, sogar an den blöden Wind, aber heute hatte ich wirklich keine Lust, mehr als einen Jungpferdespaziergang und das tägliche Pferde-rein-füttern-raus zu unternehmen.

Für kommende Woche ist auf www.vedur.is allerdings strahlendes Sonnenwetter angekündigt. Ich schaue nicht täglich das Internetwetter - wozu? Noch was, was ich mir abgewöhnt habe.
- Das Wetter ist unbestechlich,
- man zieht eh immer eine warme, wasserdichte Jacke an,
- in Island plant sowieso kaum jemand irgendwas,
..... also kann man sich auch überraschen lassen und nehmen was kommt. Aber ganz manchmal bin ich eben doch neugierig.

So bringt der November also angeblich Sonne, und mein Scheckenpferd wird mit mir den ein oder anderen Kilometer laufen, obs ihm passt oder nicht.
Seinem Rücken passt es sogar ziemlich gut - den Rest machen wir passend. ;-)

Wednesday, November 11, 2009

Weibliches und männliches

Diese Hügel sind mir gestern begegnet, als ich ein ziemlich bockiges Scheckpferd neben mir hatte. Aber Schecki scheint Fotokünstler zu sein, denn wenn ich fotografieren will,bleibt er immer brav stehen und wartet (ohne zu fressen), bis ich fertig bin mit meinem Getue.

Ich mag dieses Bild und frage mich, ob es sich verändert, jenachdem, welche Hormone es betrachten.
Was sieht eine Frau? Zauber, Magie, Elfen? Nebel, Herr der Ringe ...
Und was sieht wohl ein Mann instinktiv?
- Gras
- lauter Brüste - das Paradies!
*g*


So ähnlich muss sich wohl heute jemand vorgekommen sein, den ich im Schwimmbad traf.
Normalerweise bin ich immer mittags dort, heute fuhr ich mal abends schwimmen, dann sieht man auch Menschen, zumindest im vorbeischwimmen.
Einer von ihnen, um die Ende 50??, entschuldigte sich allen Ernstes (erst auf isländisch, dann auf englisch) - ich hatte mich gerade im hotpot zum entspannen niedergelassen - das sei nicht persönlich gegen mich daß er jetzt gehe, er habe sich halt vorgenommen, um 7 zu gehen. Ich gucke ihn konsterniert an und er lächelt und wiederholt, ich solle es bitte nicht persönlich nehmen, ja?
N-nein. Natürlich nicht.
(auch drei Meter vor mir sehe ich kaum sein Gesicht weil ich ohne Brille so blind bin. 'Natürlich nicht' fällt mir natürlich auch nicht auf isländisch ein)
Ehrlich - sowas ist mir in Deutschland noch NIE passiert.
(und mein Busen war unter Wasser *ggg* - der kanns nicht gewesen sein)
Im Paradies wähnte sich dann jemand anders: eine junge Frau betrat die Umkleide, im Schlepptau einen Jungen. Ich schätze ihn auf 5 Jahre.
Ich war ja schon angezogen, die meisten anderen Damen nicht (in Island ist alles offen, alles nackt und man wäscht sich unter der Dusche, bevor man ins Schwimmbecken steigt).
Das Gesicht des kleinen Jungen war zum Niederknieen - soooooviele wackelnde Brüste und nackte Popos auf einmal!!! Ihm liefen die Augen schier über, und mir schoß durch den Kopf, wenn der kleine Kerl später mal als großer Schriftsteller reüssiert, wird dieser Abend sicher blumig und ausschweifend in seinen Kindheitserzählungen auftauchen ...

Tuesday, November 10, 2009

Mehr Licht

Heute Morgen jagte mich das Licht aus dem Haus ... kitsch as kitsch can.
Nein - kein Kitsch.
Tut der Seele gut.








Monday, November 9, 2009

Lichtspiele

Seit zwei Tagen regnet es mit nur wenigen Pausen. Heute fand die Pause zum Glück statt, während ich im Schwimmbad meine Bahnen zog, was ich inzwischen dreimal die Woche tu, weswegen meine Hosen zu schlabbern beginnen - ein Phänomen, welches Männern Angst einjagt und Frauen frohlocken lässt: man muss nämlich irgendwann neue Hosen kaufen. *g*

Ich habe gelernt, mich vom Wolkenbild nicht trügen zu lassen.
Selbst wenn im Osten blauer Himmel ist, tut man gut daran, den Westhimmel im Auge zu behalten und es ist ein echter Anfängerfehler, ohne wasserdichte Jacke nach Reykjavik zu fahren. Mit fortschreitendem Winter sollte man auch immer einen Galli (Thermooverall) im Gepäck haben - schließlich weiß man nie, wo man mit seiner Karre liegenbleibt und wie lange man auf Hilfe warten muss. Daß wir hier in der Wildnis leben, vergisst man leicht.

Aber als alte Rheinländerin kann ich mit Regen, Dauerregen, Suizidalregen, mit Kackwetter, Scheißwetter und Sintflut umgehen.
Island hat das alles auch - mit dem Unterschied, daß es eine Insel ist und sich von irgendwo immer ein Wind engagieren lässt, der mal für eine halbe Stunde für blauen Himmel und Regenpause sorgt ... bevor es dann weiterregnet.
Insofern bin ich bestens gerüstet, theoretisch wie emotional.
Klamottentechnisch noch nicht so ganz, aber auch das lässt sich relativ einfach lösen, outlets sei Dank. Mein Lieblingsoutlet: Cintamani, gegenüber von IKEA.
Und einen megagünstigen Galli habe ich auch schon im Visir. Bisher fehlte nur der Grund, ihn anzuschaffen.

Mehr Spaß würde sowas zu zweit machen, aber ich will mal nicht anspruchsvoll werden. Außerdem lernt man so, sich auf isländisch durchzuschlagen. Ich verstehe immer mehr, obwohl ich nichts wirklich "lerne" und auch keinen Lehrer habe. (zumindest aber einen online-isländisch-Kurs gefunden ... Projekt für dunkle Wintertage?)
Heute fragte der Bademeister mich, ob ich lieber einen Schrank oben oder unten haben wolle. Beim zweiten Versuch hatte ich jedes Wort verstanden. Bloß eine Antwort konnte ich ihm nicht geben und so habe ich ihn angestrahlt und die Schultern gezuckt. Und bekam einen Schlüssel für oben. (letzte Woche wollte er mir einen für die Männerumkleide unterjubeln. Im Nachhinein ... lustige Idee *g*)

Bei so viel Wasser auf einmal muss man sich an den schönen Bildern der Tage davor hochziehen:
In der Abenddämmerung gibt es bisweilen so unfassbar unechtes Licht - hier hat die Digitalkamera nicht etwa rumgesponnen (was sie bisweilen tut) sondern in echt abgespeichert.



Und Elfen haben wir ja auch im Dorf.
Sie wohnen am Bach, wo heißes Wasser fließt, und abends kommen sie mit der Dämmerung übers Wasser und umfangen die Bäume zärtlich und mit hundert Fingern. Und ich warte darauf wann dieser Baum endlich weich wird und zu ihnen in den Bach sinkt *g*
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann turteln sie noch heute.


Apropos romantisch:
An der Kasse von Bonus fielen mir heute isländische Liebesromane auf.
Also - dagegen sind deutsche Julia-Romane ja öde-frigides Omazeug.
Ob man damit isländisch lernt? Allein die Cover sind schon Vroni-verdächtig .... vielleicht traue ich mich beim nächsten Mal einen mitzunehmen.
Sowas zu kaufen ist doch fast so peinlich wie Kondome kaufen, oder?
*g*
Kaupa eda ekki kaupa?